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Pleitewelle bei Luxemburger Baufirmen

Pleitewelle bei Luxemburger Baufirmen

Das Großherzogtum Luxemburg kommt nur langsam aus der Krise. Auch wenn die Zahl der Beschäftigten leicht gestiegen ist, so hat die Zahl der Insolvenzen die kritische Marke von 1000 Pleiten im vergangenen Jahr erneut überschritten. Vor allem im Bausektor gibt es noch kein Licht am Ende des Tunnels.

Luxemburg. In der Luxemburger Unternehmenslandschaft ist die Stimmung alles andere als Friede, Freude, Eierkuchen. Seit vier Jahren knackt die Zahl der Insolvenzen fortlaufend die kritische Marke von mehr als 1000 Pleiten im Jahr - so auch im vergangenen Jahr. Ein Unterschied zu vielen anderen Ländern wie etwa Deutschland, wo ein signifikanter Rückgang zu verzeichnen ist. "Besorgniserregend ist vor allem, dass die Anzahl der Pleiten von Unternehmen, die älter als fünf Jahre sind, weiterhin steigt", sagt Herbert Eberhard, Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Creditreform Luxemburg und Trier. Ein Zeichen dafür, dass sich selbst gestandene Firmen derzeit nur schwer halten können.
Gesamtzahl leicht rückläufig


Mit insgesamt 1016 Firmenpleiten in 2013 bleibt das Konkursgeschehen in Luxemburg weiter auf hohem Niveau und hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Insgesamt konnte im Vergleich zu 2012 ein leichter Rückgang der Konkurse verzeichnet werden - ein Minus von 1,65 Prozent.
Auch wenn die Baubranche insgesamt nur zehn Prozent aller Insolvenzen ausmacht, so ist in diesem Bereich die Steigerungsrate von 40 Prozent enorm. 2013 gab es in diesem Sektor 99 Konkurse, im Jahr zuvor waren es noch 69. "Es handelt sich hierbei überwiegend um kleinere Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern und einem Alter von maximal zehn Jahren", sagt Herbert Eberhard.
Auch die Handelsunternehmen sind für Pleiten im vergangenen Jahr wieder anfälliger geworden. Dort gab es einen Anstieg von knapp 15 Prozent auf 350 Konkurse. Vor allem die Pleiten der sogenannten FCPE-Gruppe um die beiden französischen Geschäftsleute Pascal Einhorn und Frédéric Castera mit rund 20 Handelsunternehmen und ihren Markengeschäften in den großen Städten des Landes spielten dabei eine wesentliche Rolle (der TV berichtete). "In der Vergangenheit waren die Konkurse im Handel vor allem durch die Nachfolgeproblematik angeheizt", sagt Herbert Eberhard. Die jüngsten Insolvenzen könnten vor allem durch die extremen Mietkonditionen und das Luxemburger Insolvenzrechts bedingt sein. Demnach gibt es das Insolvenzverfahren mit dem Zweck der Fortführung oder Sanierung wie in Deutschland im Ländchen gar nicht. "Ein Konkurs in Luxemburg bedeutet folglich grundsätzlich die Schließung des Unternehmens", sagt Herbert Eberhard.

In allen anderen Wirtschaftsbereichen - außer Bau und Handel - sind die Konkurse gegenüber dem Vorjahr rückläufig.
Die Anzahl der in Konkurs gegangenen Unternehmen mit einem Alter von über fünf Jahren hat sich erneut leicht erhöht. Dagegen hat sich der Konkursanteil von Unternehmen, die jünger als fünf Jahre sind, verringert. "Hier zeigt sich weiterhin eine im europäischen Vergleich größere Stabilität der Neugründer." Dies dürfte nach wie vor, so der Creditreform-Chef, auf die diversen erfolgreichen Gründungsinitiativen, die der Luxemburger Staat in der Vergangenheit ergriffen hatte, zurückzuführen sein.
Das größte vom Konkurs betroffene Unternehmen war im vergangenen Jahr die Mira-Rio S.A. aus Niederkerschen. Das Binnenschifffahrtsunternehmen Mira-Rio war hauptsächlich im Tanktransportbereich tätig und hatte ein Umsatzvolumen von 59 Millionen Euro und über 110 Mitarbeiter.Extra

Die Zahl der Beschäftigten in Luxemburg ist im letzten Trimester 2013 um 0,5 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Zahl der Beschäftigten gar um 1,8 Prozent gewachsen. Neue Jobs wurden vor allem in spezialisierten Betrieben im Dienstleistungsbereich sowie im Verwaltungswesen und allgemein im öffentlichen Dienst geschaffen, teilt das Luxemburger Statistikamt Statec mit. Im Industrie- und Bausektor sieht es weniger gut aus: In beiden Branchen ist die Zahl der Angestellten zurückgegangen - und dies angesichts eines leichten Zuwachses von 0,1 Prozent auf dem Bau. Die Beschäftigungsrate im Finanz- und Versicherungssektor ist dagegen gestiegen. sas