Pokern am Wühltisch

Kaum hat das neue Jahr begonnen lockt der Handel seine Kunden mit zahlreichen Sonderangeboten: 20, 30 oder 50 Prozent Nachlass sind schon die Regel. Der ehemalige Winterschlussverkauf ist nach vorne gerutscht.

Als vor sechs Jahren die strengen Regel für den Winterschlussverkauf aufgehoben wurden, unkten zahlreiche Experten: "Der WSV ist tot". Doch der Handel hält an der Tradtion fest und nutzt ganz offensiv die neuen Freiheiten. Die Chance, die Lager mit großzügigen Preisnachlässen von Saisonware zu räumen, lebt weiter. Nur in vielen Branchen ist der Verkauf von reduzierter Ware zeitlich deutlich nach vorne gerutscht. Und bis zum offiziellen Start des WSV am 24. Januar werden die Preise auch noch weiter purzeln.

Handel will seine Lager räumen



"In der Region bieten zahlreiche Händler ihre Waren schon zu deutlich reduzierten Preisen an", sagt Matthias Schmitt von der Industrie- und Handelskammer. Ein Trend, der vor allem im Oberzentrum Trier zu erkennen sei, in der übrigen Region werde dagegen noch dem WSV ein höherer Stellenwert eingeräumt. "Für Kunden und Handel ist das ganze wie ein Pokerspiel", sagt der Experte. Die Kunden können in den nächsten Wochen auf weitere Rabatte spekulieren und ihr Wunschprodukt vielleicht noch billiger bekommen als jetzt. "Wenn sie aber Pech haben, ist das Teil dann aber in ihrer Größe nicht mehr da", sagt Schmitt. Dem Handel geht es darum, seine Lager für die neue Frühjahrskollektion freizubekommen. Während zu strengen Schlussverkaufsregelungen nur gewisse Branchen ihre Saisonware verbilligt den Kunden anbieten konnten, ist dies nun ohne zeitliche Eingrenzung für nahezu alle Branchen möglich.

Im benachbarten Luxemburg, in Lothringen und Belgien sind die sogenannten "Solden-Tage" schon in vollem Gang. Dort hat die Schnäppchenjagd bereits begonnen und endet - zeitlich eingegrenzt - am 22. Januar.

Extra

Mit dem Inkrafttreten der Reform des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb vom 1. Juli 2004 können Saisonschlussverkäufe nach Belieben durchgeführt werden und sind nicht mehr auf Saisonwaren und Zeiten beschränkt. Unter der alten Schlussverkaufsregelung durften nur saisonabhängige Waren, also Textilien, Bekleidung, Schuhe, Lederwaren, Möbelbezugsstoffe, Teppiche, Matratzen und bestimmte Sportartikel an zwölf Tagen reduziert angeboten werden. Doch auch jetzt gelten noch ganz klare Regeln für den Handel. "Lockangebote und Mondpreise sind auch unter dem neuen Wettbewerbsrecht verboten", sagt Renate Schröder von der Verbraucherberatung in Trier. Werden etwa Produkte angeboten, die nur sehr beschränkt vorhanden sind (Lockangebote), oder Preise wurden zunächst sehr hoch angesetzt (Mondpreise), um dann stark reduziert zu werden, könne man sich bei der Verbraucherberatung beschweren. In solchen Fällen würden die Trierer Verbraucherschützer die Beschwerde an den Bundesverband der Verbraucherzentralen weiterleiten, die dann Abmahnungen an unredliche Händler abschickt. (hw)

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