Präsident d.u. - dauernd unterwegs

Präsident d.u. - dauernd unterwegs

TRIER. Seit gut 50 Jahren sind Konditor-Meister Hans-Josef Jänschke und sein Café in der Trierer Jakob-Straße in der Nähe des Hauptmarktes eine Institution. Und seit vielen Jahrzehnten ist Jänschke auch im Bezirk der Handwerkskammer Trier eine treibende Kraft: Heute feiert der "Botschafter des Handwerks" - wie ihn der Präsident des Deutschen Handwerks, Dieter Philipp, einmal nannte - seinen 75. Geburtstag.

Erdbeertörtchen, Florentiner, Sahne-Rolle und duftender Kaffee. Wer sich mit Handwerkskammer-Präsident Hans-Josef Jänschke trifft, kann sich auf leckere Begleiter einstellen. Doch das war nicht immer so. Als der junge Jänschke im elterlichen Betrieb einstieg, gab es "Muckefuck" und wenig Süßes. Mit 20 Jahren begann Hans-Josef Jänschke im Jahr 1949 sein Berufsleben als Konditor. 1929 in Trier geboren, hatte er nach Gymnasium und Wirtschaftsschule eine Lehre im elterlichen Betrieb begonnen. Sein Traum, als Journalist seine Brötchen zu verdienen, musste er als einziger Sohn eines Konditormeisters kurz nach dem Krieg an den Nagel hängen.Ein Faible für schöne Autos

"Jemand musste den Betrieb übernehmen, und als zwei Jahre später dann mein Vater mit 46 Jahren starb, war ich in der Verantwortung." Dennoch blickt der heute 75-Jährige stolz auf die frühen Jahre zurück. In seine Kindheit fielen die schweren Depressions- und Inflationsjahre, dann die Machtergreifung der Nazis. All dies hat Hans-Josef Jänschke geprägt und ihm einen Wahlspruch für das ganze Leben geschenkt: "Ich weiß, dass ich belastbar bin." In den ersten Nachkriegsjahren hatte das Café es schwer: "Es gab Muckefuck, einen Kaffee-Ersatz als Heißgetränk, aber zum Backen hatten wir nichts. Dennoch war unser Café ein wichtiger Treffpunkt, denn es gab ja kaum Kneipen oder Restaurants." 1952 ging es langsam aufwärts in Deutschland und auch in Trier. "Der erste Kuchen nach dem Krieg, den wir gebacken haben, war ein Zwetschgenkuchen, ein Hefekuchen." Und während Jänschkes Lieblingskuchen heute eine Pralinen-Sahne-Torte ist ("Das ändert sich aber häufig"), so hat der Konditormeister doch zu Hefekuchen eine besondere Verbindung. "Als ehrenamtlicher Fachlehrer brachte ich den Lehrlingen bei, warum und wie ein Hefekuchen aufgeht. Das war nicht immer einfach." Fast 20 Jahre lang gab Jänschke sein Fachwissen direkt an den Konditoren-Nachwuchs weiter. 1962 war er einer der jüngsten Obermeister im Land ("Sonst waren das eher gestandene Herrschaften") und führte so 25 Jahre lang seinen Berufsstand. Neben seiner Arbeit hatte der Konditormeister ein besonderes Faible für Autos. Als 1959 in Trier der "Heilige Rock" ausgestellt wurde, bescherten tausende Pilger dem Café ein besonders gutes Jahr. Ein so gutes, dass Hans-Josef Jänschke sich die Nobelkarosse "Borgward Isabella" leisten konnte. "Meiner Mutter habe ich aber nicht gesagt, was der Wagen gekostet hat, sie hätte sonst geschimpft: Wie kann man so viel Geld für ein Auto ausgeben!?" Heute fährt der Handwerkspräsident ein Mercedes Coupé, "zwar zehn Jahre alt, aber es sieht aus wie neu". Auch bei der Handwerkskammer ging es auf hohem Niveau weiter: 1987 übernahm er als Kreishandwerksmeister neue Aufgaben und wurde gleichzeitig auch in den Kammervorstand gewählt. 1994 erfüllte sich für den Konditor-Meister dann ein Lebenstraum: Er wurde als Präsident an die Spitze der Handwerkskammer Trier gewählt. "Eine Kammer, die ihres Gleichen sucht", ist Hans-Josef Jänschke von der hohen Leistungsfähigkeit der HWK überzeugt. "Wir sind zwar eine der kleinsten Kammern in Deutschland, doch wir sind in vielen Bereichen Schrittmacher." Bei Umweltthemen und in der überbetrieblichen Ausbildung sei dies so, oder auch bei der Umwandlung von der Kameralistik zur Doppelten Buchführung. "Wir haben an der Spitze mit Hans-Hermann Kocks einen innovativen Kopf, der mit seinem Team ganz hervorragende Arbeit leistet", lobt der ehrenamtliche Präsident seine hauptamtliche Mannschaft. Dabei war es für Jänschke immer Ehrensache, dass er seinen "Präsidenten-Job" mehr als ernst nimmt. "Das ist für mich ein Full-Time-Job", erklärt er. Seit 1995 kann er sich ihm ausschließlich widmen, denn damals gab er den Betrieb an seine Kinder ab. Doch von Langeweile kann keine Spur sein. "Ich will ein Präsident zum Anfassen sein", beschreibt er seine Arbeitsauffassung. In den gut zehn Jahren als Handwerkspräsident hat er hunderte von Terminen im gesamten Kammerbezirk wahrgenommen. Und wenn er, wie in wenigen Tagen dann in Arzfeld (Kreis Bitburg-Prüm) wieder einmal Schirmherr einer Gewerbeausstellung ist, ist das für ihn ein großes Vergnügen und höchste Verpflichtung. So gilt in der Kammer das geflügelte Wort: "Hans-Josef Jänschke ist d.u. - dauernd unterwegs." Wenn der 75-Jährige Ende 2004 als Kammerpräsident die Führung abgibt, wird es ihm sicher nicht langweilig: Schließlich gehören der Trierische Volksfreund und die "FAZ" zu seiner täglichen Lektüre, und der "sinnenfrohe Genießer" (Jänschke über Jänschke) kennt eine ganze Reihe von erstklassigen Restaurants, in denen er gerne einkehrt. Und auch ein weiterer Charakterzug wird Hans-Josef Jänschke nicht loslassen. Als Handwerker mit Leib und Seele wird er weiter den Meisterbrief und die Handwerkstraditionen verteidigen. Die Kraft dafür findet er im Glauben. "An Gottes Segen ist alles gelegen." Ja, das sei das Leitbild eines Konservativen, sagt Jänschke, und damit lasse sich gut leben.