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Trier
Preisverfall, Tierseuchen, Wetter: Fast jeder fünfte Bauer gibt auf

FOTO: dpa / Patrick Seeger
Trier. Die Landwirtschaft in der Region steht mächtig unter Druck. Der Trend zu weniger und immer größeren Höfen scheint unaufhaltsam. Die EU fördert vorwiegend Großbetriebe. Von Heribert Waschbüsch
Heribert Waschbüsch

Die Landwirtschaft in der Region hat mit Krisen, Konflikten und dem Klima zu kämpfen. Eher still und leise geht dabei der große Strukturwandel in der Branche weiter: das Höfesterben. Die Zahl der Landwirte sank 2018 in Rheinland-Pfalz auf 16 800 (minus 300). Gegenüber dem Jahr 2010 hat sich die Zahl der Betriebe sogar um 3800 reduziert, das ist ein Minus von 18,6 Prozent und deutlich mehr als im Bund mit minus 11 Prozent. Die bewirtschaftete Fläche ist indes fast gleich geblieben.

„Das Höfesterben ist nicht auf eine Gruppe zu reduzieren. Große und kleine Betriebe, jüngere, gut ausgebildete Bauern hören ebenso auf wie ältere Landwirte, die keinen Nachfolger finden“, erklärt der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper (Üttfeld/Eifelkreis Bitburg-Prüm). Dabei seien es viele Gründe, die die Kollegen zur Aufgabe drängen oder zwingen. Horper nennt den Preisverfall bei Fleisch und Milch, die Düngeverordnung oder den „unvorstellbaren Bürokratismus“.

Doch mache auch der gesellschaftliche Druck viele Bauern mürbe. „Von anderen als Tierquäler und Umweltverschmutzer hingestellt zu werden, ist sehr hart“, sagt der Bauernpräsident und kämpft für mehr Anerkennung für seinen Berufsstand. Die Forderung nach regionalen Produkten ende für viele Verbraucher dann an der Verkaufstheke. „Eine Küche für 50 000 Euro, und dann muss es das Schweinekotelett für 3,80 Euro das Kilo sein. Das passt nicht zusammen.“ Die große Macht des Einzelhandels ist für Horper ein weiterer Grund, dass viele Landwirte aufgeben. „Wenn noch Tierseuchen dazukommen und die Landwirte mit den Folgen und Kosten von der Politik alleine gelassen werden, werden noch mehr Bauern aufgeben“, prognostiziert er.

Damit werde sich der Trend zu weniger und immer größeren Höfen fortsetzen. Nischen wie etwa der Ökosektor böten nur einigen einen Ausweg.

Um dem entgegenzuwirken, müsse die Politik ihre Bauern im Land zuverlässig unterstützen. Auch die EU könne – wie von vielen Umweltverbänden gefordert – Kleinbauern besser fördern. Derzeit profitierten laut Horper vor allem Großbetriebe von der europäischen Agrarpolitik.

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