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Problemzone Hauptschule

Problemzone Hauptschule

Jeder zweite Hauptschüler hat auch 13 Monate nach seinem Schulabgang immer noch keine berufliche Ausbildung gefunden. Das geht aus dem neue Bildungsbericht von Bund und Ländern hervor, der gestern vorgestellt wurde. In der Region haben Jugendliche weitaus bessere Chancen.

Trier/Berlin. Zu viele Schulabbrecher und Hauptschüler ohne Berufschance, zu wenig Studenten - und auch die Weiterbildung kommt nicht voran: Trotz vieler Reformen zeichnet der Bildungsbericht 2008 von Bund und Ländern erneut ein kritisches Bild über den Zustand von Schulen und Hochschulen in Deutschland. Kindergärten und frühkindliche Bildung seien dagegen deutlich besser geworden, hob die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Annegret Kramp-Karrenbauer (Saarland/CDU), hervor. Während nach Ansicht der Experten bundesweit die Situation recht verfahren ist, lohnt sich ein differenzierter Blick in die Region. Die Zahl der jungen Menschen unter 25 Jahren, die arbeitslos sind, ist in den vergangenen Monaten in der Region Trier weiter zurückgegangen. "Die günstige Entwicklung bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren hat sich im Mai fortgesetzt. Aktuell sind 1242 Jugendliche registriert. Dies bedeutet einen weiteren Rückgang um 144 Personen", sagt der Sprecher der Agentur für Arbeit Trier, Hartmut Dörfler. Die Jugendlichen seien bei der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt eindeutig die Gewinner. Noch vor einem Jahr waren im Mai 2007 insgesamt 1546 Jugendliche registriert. In diesen Zahlen spiegelt sich aber auch die gute Betreuung dieser "Zielgruppe". Denn der direkte Übergang von der Hauptschule in die Ausbildung ist auch für Jugendliche in der Region kein "Zuckerschlecken". In einem "offenen Brief" haben vor zwei Jahren die Hauptschulrektoren aus Trier alarmierend festgestellt, dass lediglich 19 Prozent der Hauptschüler unmittelbar eine Lehrstelle finden. Bei der jüngsten Konferenz der Aktion Schule-Wirtschaft hat sich gezeigt, dass sich die Zahlen trotz Bemühungen wie dem Praxistag, unwesentlich verbessert haben. In Trier haben bis Ende Mai lediglich knapp 25 Prozent der Hauptschüler in den Abschlussklassen schon eine Lehrstelle.Berufsorientierung immer wichtiger

Günter Behr, zuständiger Geschäftsführer bei der Handwerkskammer Trier, bricht zudem eine Lanze für die Hauptschule: "Es ist durchaus möglich, innerhalb von neun Hauptschul-Jahren einen Schüler zur Berufsreife zu führen." Dabei komme es nicht nur auf den Schulabschluss an, sondern eben auch an die typischen Kernkompetenzen, wie Pünktlichkeit, Teamfähigkeit und Engagement. Während der Bildungsbericht bundesweit die Diskussion über die Abschaffung der Hauptschulen aufleben lässt, stellen gerade die Kammern diese Politik in Frage. Die Realschule Plus, die in Rheinland-Pfalz die Hauptschulen ablösen wird, dürfe eben nicht nur Schüler auf höhere Bildungsabschlüsse trimmen, sondern auch die Duale Ausbildung stärken. Die Forderung der Kammern ist deshalb, die frühzeitige Berufsvorbereitung in der neuen Schulform festzuschreiben. Marcus Kleefisch, Geschäftsführer bei der Industrie- und Handelskammer Trier: "Wichtig wird immer mehr die individuelle Förderung von Schülern." Innerhalb des Schulsytsems müssten deshalb die einzelnen Schulen mehr Freiraum für neue Lernmethoden bekommen. Als positives Beispiel nannte Kleefisch die Einstiegsqualifizierung: "Ein ideales Instrument für den Schritt von der Schule in die Lehre mit Übergangsquoten von rund 70 Prozent.