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Profit im Schatten von Ryanair

Profit im Schatten von Ryanair

LAUTZENHAUSEN. Billig zieht an - nicht nur Kunden, sondern auch Konkurrenten. Und so springt Italiens zweitgrößte Fluggesellschaft Volare auf das Billig-Flug-Geschäft und bietet mit Volareweb.com ab 30. März eigene Flüge vom Hahn aus nach Bella Italia an.

Konkurrenz belebt das Geschäft. Insofern können sich Touristen, die künftig vom Flughafen Hahn aus verreisen wollen, freuen. Denn die nach Branchenprimus Alitalia zweitgrößte Fluglinie Italiens fliegt ab 30. März vom Hunsrück-Airport gen Süden. Damit ist Volare neben der irischen Ryanair die zweite Airline, die mit Billig-Tarifen vom ehemaligen US-Fliegerhorst Hahn aus Gäste anlocken will. Täglich hebt jeweils morgens und abends eine Maschine vom Typ Airbus A 320 mit bis zu 180 Sitzplätzen Richtung Venedig ab. Eine der Maschinen fliegt sogar weiter bis ins apulische Brindisi, das an der Südspitze des Stiefels liegt.Wenig Erfahrung im deutschen Markt

Damit die erst im Jahr 2000 gegründete Volare-Gruppe ins Billig-Flug-Geschäft einsteigen konnte, haben die Italiener eine eigene Low-Cost-Fluglinie gegründet, die Volareweb.com. Über die gleichnamige Internet-Seite und über ein Call-Center können vorerstTickets gebucht werden - in einem begrenzten Kontingent sogar zum Schnäppchenpreis von einem Euro pro Flug plus Steuern. Später sollen auch Reisebüros Flüge anbieten können.Bislang hat Volare in Deutschland lediglich Berlin von Rom aus angeflogen, in Zusammenarbeit mit Alitalia. Edgardo Badiali, kaufmännischer Direktor von Volare, ist optimistisch: "Wir haben zwar bislang nur wenig Erfahrung auf dem deutschen Markt. Aber unsere Kostenstruktur macht uns auf dem Low-Cost-Sektor konkurrenzfähig."Der Grund dafür: Volare hat mit seinen Piloten und dem Kabinenpersonal einen für Italien ungewöhnlichen Tarifvertrag über fünf Jahre abgeschlossen, mit einem Fixgehalt und einer Erfolgsbeteiligung. "Damit haben wir Ruhe für die nächsten Jahre und eine wichtige Voraussetzung für den Einstieg in diesen Markt", sagt Badiali.Auch strategisch passe die Gründung einer eigenen "Aldi-Airline" ins Unternehmens-Bild. "In Italien hat das noch niemand gemacht. Der Markt ist bei uns also noch nicht ausgenutzt", begründet der Volare-Direktor. Folglich ließen sich die insgesamt 28 Volare-Flugzeuge je nach Nachfrage verstärkt entweder im Charter- oder Linien- und Kurz- oder Mittelstrecken-Bereich einsetzen.Badiali rechnet damit, dass in diesem Jahr vom Hunsrück-Flughafen etwa 120 000 Plätze von Volareweb.com angeboten werden. Mindestens 70 000 davon, etwa 60 Prozent, müssen verkauft werden, damit die Billig-Fluglinie kostendeckend fliegt.Doch bislang lässt die Buchungsfreude noch zu wünschen übrig. Erst zu 20 Prozent sind die Sitzplätze ausgebucht. "Wir sind nicht blauäugig, dass wir glauben, die Leute stürzten sich auf die Angebote. Aber von Tag zu Tag haben wir mehr Buchungen", sagt Badiali.Dass Volareweb.com und die irische Ryanair sich ins Gehege kommen könnten, glaubt der kaufmännische Direktor dagegen nicht. Denn mit Venedig fliege man nur eine der eigenen Basen an und nicht Mailand, was die Iren massiv bewerben. "Die Konkurrenz wäre zu groß. Das grenzt an unternehmerischen Selbstmord", sagt er. Dennoch wolle man sich bei den Preisen flexibel verhalten und dem großen Vorbild nacheifern. So gibt Badiali unumwunden zu: "Ryanair hat uns den Weg gezeigt und die Straße aufgemacht."