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Protest gegen Ford: Saarlouis zeigt Ärger mit Auto-Stickern

Protest im Saarland : Sticker auf Ford-Logos: Autofahrer zeigen ihren Groll gegen den Konzern

Kundgebungen gegen Autobauer Ford zogen in den letzten Monaten tausende Unterstützer an. Aber auch Sticker mit einer eindeutigen Botschaft an den Konzern finden in Saarlouis immer mehr Verbreitung.

Einst galt Autobauer Ford als einer der wichtigsten Pfeiler der saarländischen Wirtschaft. Aber schon der erzwungene Bieterwettbewerb zwischen den Standorten Saarlouis und Valencia brachte dem Management massive Kritik ein. Spätestens mit der Entscheidung, dem spanischen Werk den Zuschlag für die Produktion eines neuen E-Modells zu geben, verspielte der Konzern sämtliche Sympathien.

Aufkleber: „Ohne Saarlouis mein letzter Ford“

Davor gehörte der Besitz eines Fords für viele Bürger und Politiker gerade im Kreis Saarlouis lange Zeit zum guten Ton. Doch wie lässt sich der Unmut gegenüber einem Konzern kundtun, während man gleichzeitig eines seiner Produkte fährt? Die Lösung für diesen Widerspruch ist in den vergangenen Monaten auf immer mehr Autos zu lesen: „Ohne Saarlouis mein letzter Ford“ verkünden ovale Sticker, die in Form und Aufmachung wohl nicht ganz zufällig an das Ford-Logo angelehnt sind. Das kräftige Rot weckt Assoziationen zur IG Metall, noch bevor das kleine Gewerkschaftsemblem neben dem Schriftzug ins Auge fällt.

Die Sticker gibt es bereits seit Juli, erklärt Lars Desgranges, erster Bevollmächtiger der IG Metall Völklingen, auf Nachfrage. Die Idee stamme von Vertrauensleuten der Gewerkschaft von Ford Saarlouis. Der Eindruck, dass sich diese Sticker immer mehr im Kreis verbreiten, täuscht nicht: Zunächst seien laut Desgranges nur 10 000 gedruckt worden, später kamen noch einmal 20 000 Exemplare hinzu. Macht 30 000 insgesamt – mehr als genug, um alle 25 750 Mitglieder der IG Metall Völklingen zu versorgen. Man muss jedoch kein Mitglied sein, um einen Aufkleber zu bekommen: „Die Sticker gibt es, solange der Vorrat reicht, bei der IG Metall Völklingen oder bei den Vertrauensleuten der Ford Werke“, erklärt Desgranges. Erhältlich ist auch ein anderes Sticker-Motiv. Slogan: „Saarlouis muss leben!“

Ford-Sprecher bezieht Stellung zu Anti-Ford-Sticker

Das Feedback von Seiten des Betriebsrats und der Ford-Mitarbeiter sei zu 99 Prozent zustimmend, der Konzern selbst habe sich jedoch gegenüber der IG Metall bisher nicht dazu geäußert. Ford bestätigt jedoch auf Nachfrage, dass dem Unternehmen die Sticker bekannt sind. „Die Entscheidung, Valencia als Produktionsstandort für unsere künftige Elektro-Architektur zu präferieren, hat im gesamten Saarland und speziell in Saarlouis verständlicherweise für großen Unmut gesorgt“, erklärt ein Ford-Sprecher dazu. „Zusammen mit der saarländischen Landesregierung sind wir jedoch auf der intensiven Suche nach der bestmöglichen Lösung für den Standort, um möglichst viele Arbeitsplätze in Saarlouis zu sichern.“

Das hofft auch die IG Metall. 2023 werde das Jahr des Kampfes um Ford, betonte Desgranges bei der Delegiertenversammlung der Geschäftsstelle vor wenigen Tagen. Die Gewerkschaft werde sich dafür einsetzen, mehr als die 500 bis 700 Arbeitsplätze, die Ford nach aktuellen Stand am Standort Saarlouis erhalten will, zu retten. Bis dahin wird der Kampf fortgeführt – und das, wie man sieht, nicht nur durch Kundgebungen und Demos, sondern auch in kleinerer Form auf tausenden Auto-Karosserien.