Puschen mit Kartuschen

WITTLICH. Nach mehrmonatigen Verhandlungen ist die Übernahme perfekt: Der Plochinger Werkstoffproduzent CeramTec AG kauft die Kartuschen-Sparte des Wittlicher Ideal-Standard-Werks. Betroffen sind rund 70 Mitarbeiter; Entlassungen soll es keine geben.

Schon im Herbst vergangenen Jahres war darüber spekuliert worden, dass die baden-württembergische Firma CeramTec die Kartuschenproduktion von Ideal Standard in Wittlich übernehmen will. Nun soll der Kauf nach Auskunft des Ideal-Standard-Betriebsratsvorsitzenden Peter Schleidweiler "Ende Februar, Anfang März" über die Bühne gehen. Produktionslücke geschlossen

CeramTec, ein bedeutender Hersteller von Multifunktionskeramik, der in einem Dutzend Werken in Asien und Europa produziert, ist mit dem Wittlicher Know-how in der Lage, eine komplette Armaturenkomponente herzustellen. Damit kann der Marktführer bei keramischen Dichtscheiben eine Produktionslücke schließen und damit wettbewerbsfähiger werden. Kartusche und Scheiben regeln Fließgeschwindigkeit und Temperatur in Armaturen, beispielsweise von Einhandmischern in Küche und Bad. Laut Betriebsrats-Chef Schleidweiler soll keiner der bestehenden 70 Arbeitsplätze in der Wittlicher Kartuschen-Produktion wegfallen. Die Mitarbeiter hätten vier Wochen Bedenkzeit, ob sie zu Ideal Standard ins Hauptwerk (insgesamt rund 670 Mitarbeiter) wechseln oder bei CeramTec anheuern wollen. Schleidweiler geht davon aus, dass sich die meisten Beschäftigten für einen Wechsel in die Armaturenfertigung im Stammwerk aussprechen werden. Ins "neue" Kartuschenwerk könnten in diesem Fall Leiharbeiter wechseln, die zur Zeit noch im Wittlicher Werk eingesetzt werden. Schleidweiler: "Damit bietet sich für diese Mitarbeiter auch die Chance, längerfristig übernommen zu werden."Wechsel ohne finanzielle Nachteile

Diejenigen Mitarbeiter, die in die CeramTec-Produktion wechseln, sollen keine finanziellen Nachteile haben. Mündlich habe das Unternehmen bereits zugesagt, so Schleidweiler, die Vertriebsvereinbarungen von Ideal Standard zu übernehmen. Das bestätigt Winfried Groß, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Trier und zuständiger Betriebsbetreuer von Ideal Standard. CeramTec wolle einen Anerkennungstarifvertrag vereinbaren, in dem unter anderem die Betriebsrenten abgesichert werden. Im Plochinger Werk gelten die Tarifabschlüsse für die Feinkeramische Industrie Bayern mit einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden, während für Ideal Standard der Metalltarif mit einer 35-Stunden-Woche maßgeblich ist. Groß und Schleidweiler gehen davon aus, dass CeramTec eine Standortgarantie für drei Jahre geben wird. Ein Jahr lang ist der neue Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, die Mitarbeiter zu den gleichen Konditionen weiterzubeschäftigen. Groß: "Was die Zukunft bringt, lässt sich heute nicht sagen. Es gibt eine relativ hohe Sicherheit, dass die Verträge nicht gekündigt werden." Dafür sprechen auch die Ziele des Plochinger Unternehmens: Nach Auskunft von Peter Schleidweiler ist geplant, die Kartuschen-Produktion von neun auf 16 Millionen hochzufahren.