Radio hören ohne jedes Knistern und Rauschen

Radio hören ohne jedes Knistern und Rauschen

Es ist ein alter Traum: Egal, ob zuhause oder mit dem Auto unterwegs, überall hat man einen glasklaren Radioempfang in CD-Qualität. Ohne Knistern und Rauschen, ohne Aussetzer. Das Angebot dafür wird nun in der Region erweitert.

Trier. Die Technik DAB+ hat den Traum vom rauschfreien Klangenuss ein gutes Stück wahrgemacht. Technisch betrachtet, könnten aktuell 92 Prozent der deutschen Bevölkerung darauf zugreifen. Doch ist DAB+ auch überall in der Region Trier empfangbar? Und wie kann DAB+ empfangen werden?
Michael Reichert ist beim Südwestrundfunk (SWR) Mitglied des ARD-Projektbüros "Digitalradio". Der gelernte Rundfunkjournalist hat schon in den 90er Jahren die ersten Gehversuche von DAB miterlebt.
"Das kam aber zu früh", weiß er heute und begründet das: "Damals spielte das Internet noch keine Rolle, außerdem war die Technik für den Empfang von DAB noch recht kostspielig." Das aber hat sich heute geändert. Im August 2011 ging DAB+ an den Start. Mit dabei sind zahlreiche neue Sender wie SWR Info, die es vorher nicht gab. Auch die Preise sind deutlich gefallen. Hybride Rundfunkgeräte, die sowohl das normale UKW-Band wie auch DAB+ empfangen, sind schon für zweistellige Euro-Beträge erhältlich. Reichert: "Die DAB+-Technik hat viele Zusatzangebote: Beispielsweise können Nachrichten über ein Display ebenso nachgelesen werden wie Musiktitel. Webcams machen bei einigen Modellen auch den Blick ins Studio möglich. Zusatzkosten fallen keine an, man muss lediglich das Empfangsgerät kaufen."
Beim zurückliegenden Weihnachtsgeschäft seien DAB+-Geräte stark nachgefragt worden, registriert Reichert, der sich auf die Daten von digitalradio.de bezieht. Eine Infratest-Umfrage habe ermittelt, dass es in Deutschland inzwischen deutlich mehr als 2,7 Millionen DAB+-fähige Rundfunkempfänger gibt. Etwa ein Viertel davon ist demnach in Autos verbaut.
Noch senden nicht alle Rundfunkstationen über DAB+, doch die Zahl wächst. Wer in der Landeshauptstadt Mainz unterwegs ist, kann auf 46 Stationen zurückgreifen.
Komfortabel auch die Situation in der Eifel, hier gibt es 17 Stationen in bester Klangqualität, darunter so unterschiedliche Sender wie Klassik Radio, Lounge FM, sunshine live oder DRadio Wissen. In Trier selbst ist die Auswahl mit sieben Stationen - alle SWR-Sender, dazu SWR Info, Das Ding und BigFM WorldBeats - derzeit noch recht übersichtlich.
Laut Michael Reichert liegt das daran, dass zurzeit vom Sender Petrisberg nach dem Landesrundfunkgesetz nur die rheinland-pfälzischen Programme ausgestrahlt werden dürfen. Bundesweite Programme wie DeutschlandRadio oder KlassikRadio müssen über eigene Sender ausgestrahlt werden, "dafür steht in Trier keine eigene Antenne." Das zu verändern, daran arbeitet der Sender- und Netzbetreiber "Media Broadcast" mit Sitz in Köln, der unter anderem auch in Daun einen Sender betreibt.
Reinhard Deuscher, Leiter Programmverbreitung bei Deutschlandradio, berichtet von Gesprächen, die Media Broadcast dazu derzeit mit der Landesrundfunkanstalt führt. Da Trier mit über 100 000 Einwohnern in der Prioritätenliste sowohl bei den privaten Rundfunkanbietern wie auch den Öffentlich-Rechtlichen wie Deutschlandradio ganz oben steht, ist sich Deuscher sicher, dass die Moselstadt noch in 2014 eine Programmerweiterung erfahren wird. Sowohl Reichert wie auch Deuscher machen aber deutlich, dass die Ausbauphase noch lange nicht abgeschlossen ist. Aktuell gibt es in Deutschland etwa 55 Senderstandorte, mit denen rund 78 Prozent der Fläche versorgt werden. Bis 2020 soll die Zahl der Sender auf über 200 steigen, rechnet Deuscher hoch. Natürlich habe man dabei auch die Kosten im Blick. Aber: "Irgendwann werden wir die UKW-Sender abschalten. Bis dahin muss die neue Technik stehen, denn wir haben einen Versorgungsauftrag", so Deuscher.Extra

DAB steht für Digital Audio Broadcasting. Nach einem missglückten Start im Jahre 1995 kam es am 1. August 2011 zu einem Neustart unter dem Namen DAB+. Die Vorteile der neuen Technik sind vielfältig: bessere Klangqualität, unterbrechungsfreies Hören auf der Autobahn, automatische Sendersuche, Zusatzinformationen zum laufenden Programm in Wort und Bild und eine größere Programmauswahl, Zusatzgebühren fallen keine an. Rundfunkgeräte zum Empfang von DAB+ empfangen grundsätzlich auch UKW. Die Geräte sind schon ab 19 Euro für den mobilen Einsatz im Handel erhältlich. flo