Rätselhafter Rekord

TRIER. Die Ferienwochen als Zeit der Entspannung? Für den Arbeitsmarkt galt jahrelang genau das Gegenteil. In diesem Juli stiegen die Arbeitslosenquoten in der Region dagegen entweder sehr moderat an – oder sanken sogar. In Hermeskeil gleich auf einen Rekordwert.

"Das ist eine Zahl, wie es sie in der Region schon lange nicht mehr gegeben hat." Manuela Belling, Sprecherin der Trierer Agentur für Arbeit (Aga), ist erstaunt über die Arbeitslosenquote in Hermeskeil, die im Juli noch einmal um 0,4 Prozent gesunken ist und jetzt bei 3,5 Prozent liegt - dicht an der Grenze zur Vollbeschäftigung. "Wir können nicht sagen, warum gerade Hermeskeil so extrem gut dasteht", sagt Belling. "Es gibt dort keine hervorstechenden Besonderheiten." Anteil arbeitsloser Frauen nimmt stark zu

Auch in Wittlich ist die Arbeitslosenquote gefallen. In der übrigen Region stiegen die Zahlen im Vergleich zum Vormonat zwar leicht, und insgesamt verzeichnet der Aga-Bezirk Trier mit 13 744 Erwerbsfähigen suchten 265 mehr als im Juni einen Job, die Quote stieg um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent. Doch das ist für diese Jahreszeit normal. Ein Grund: Viele Firmen halten den Personalbestand über die Ferienzeit hinweg so gering wie möglich. Vor allem aber melden sich Schulabgänger arbeitslos, und weitere junge Leute strömen nach dem Ende ihrer Ausbildung auf den Arbeitsmarkt. Die Daten der Aga Trier spiegeln das wider: Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren lag zum Monatsende bei 2319, das sind 425 mehr als Ende Juni. Und ihr Anteil an allen Arbeitslosen stieg von 14,1 auf 16,9 Prozent. Manuela Belling gibt Entwarnung: "Das ist im Vergleich zu den Vorjahren völlig normal." Sie appelliert an die Arbeitgeber, jetzt einzustellen: "Es sind viele qualifizierte junge Leute da - jede Menge Potenzial also, sich Fachkräfte-Nachwuchs an Land zu ziehen!" Auffällig ist der hohe Anteil arbeitsloser Frauen im Juli: 350 weibliche Jobsuchende mehr als im Vormonat waren im Bereich der Trierer Aga gemeldet, während bei den Männern gleichzeitig 85 weniger ohne Arbeit dastanden. Experten führen auch dieses bundesweite Phänomen auf das Ende der Berufsausbildungen zurück: Junge Frauen verteilten sich auf deutlich weniger Berufe als ihre männlichen Kollegen. Damit steige ihr Risiko, auf der Straße zu stehen. Hinzu komme, dass in schulischen Ausbildungsgängen wie der Kinderpflege vor allem Frauen vertreten seien. Die Zahl der registrierten freien Stellen lag im Juli bei 3346, ein Jahr zuvor waren es 2486. Die Zunahme geht vor allem auf das Konto von Zeitarbeitsfirmen. Erfreulich ist schließlich auch der Rückgang bei den Arbeitslosen über 55 Jahren: Deren Zahl sank binnen Jahresfrist von 1592 auf 1471.

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