Rechnung ohne Wert

TRIER. Mal wieder werden Internet-Nutzer mit einer miesen Masche abgezockt: Eine Hamburger Firma verschickt derzeit bundesweit Rechnungen in Höhe von 49 Euro weil, der Empfänger Internet-Dienstleistungen in Anspruch genommen habe. Verbraucherschützer raten: nichts bezahlen.

Werner Pitsch aus Binsfeld (Kreis Berrnkastel-Wittlich) staunte nicht schlecht, als er vor ein paar Tagen eine Rechnung der Hamburger HFM GmbH erhielt. 49 Euro wollte die Firma von ihm weil er die "Leistung der MDI S.L im Internet in Anspruch genommen" und dafür ein Monatsabonnement abgeschlossen habe. Als Anschlussnummer wird eine dänische Telefonnummer angegeben. Der TV -Leser weiß nichts von einem Monats-Abo und kennt auch die MDI S.L nicht. "Ich werde auf keinen Fall zahlen", kündigte Pitsch an. Er will gerichtlich gegen HFM vorgehen. Die Abkürzung steht für Hamburger Forderungs-Management. Er könnte gute Chance haben, denn erst in dieser Woche hat das Verwaltungsgericht Köln einer nach dem gleichen Muster arbeitenden Inkassofirma mit dem Namen Hanseatische Abrechnungssysteme GmbH (HAS) eine Abfuhr erteilt. Das dubiose Unternehmen wollte vor Gericht gegen das von der Regulierungsbehörde verhängte Inkassoverbot vorgehen. Die Richter lehnten das ab. Verbraucherschutz sei wichtiger als die Interessen der Firma, zumal diese "zivilrechtlich nicht bestehende und nicht durchsetzbare Forderungen" verschicke. HAS hatte Anfang des Jahres 100 000 solcher Rechnungen verschickt. 69,95 Euro wollte sie von den Empfängern für ein angeblich abgeschlossenes Erotik-Abonnement. Tatsächlich, so stellte sich dann heraus, steckte hinter diesen Abos aber ein illegale Dialer, also ein Programm, das sich über bestimmte Telefonnummern automatisch und oft unbemerkt ins Internet einwählt. Dieser Dialer wählte sich beim Öffnen bestimmter Werbefenster im Internet automatisch über eine Frankfurter Telefonnummer ein. Dort wurde dann offenbar die Telefonnummer des Internetnutzers ausspioniert und gespeichert. So konnte die Firma dann die Adresse herausfinden und die fingierte Rechnung schicken. War die Adresse nicht herauszufinden, wurde auch schon mal mit Tricks gearbeitet. Unter dem Vorwand, man habe ein Paket, könne es aber nicht zustellen, wurde per Telefon schon mal die eine oder andere Adresse ausfindig gemacht. Ende Februar verbot die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post der HAS das Einfordern des Geldes. "Wir hatten tausende von Beschwerden gegen diese Firma", berichtet Behördensprecher Rudolf Boll. Seit Dezember vergangenen Jahres dürfen die so genannten Dialer nämlich nur noch über die Vorwahlnummer 09009 gehen. Alle anderen sind verboten. Verbraucherschützer und Computer-Experten vermuten, dass die HFM mit der gleichen Masche wie die HAS Internetnutzer abzocken wolle. Mittlerweile häufen sich bei der Regulierungsbehörde die Beschwerden über HFM, die zeitweise auch unter einer Münchner Postfachadresse firmierte und nun ihren Briefkasten in Hamburg hat. Dort ist man sich übrigens keiner Schuld bewusst: Bei ihnen sei "alles legal", verkündete ein Mitarbeiter. Die 49 Euro treibe man für einen Kunden ein, der 16 000 Erotikseiten im Netz betreibe. Sobald man auf ein bestimmtes Werbefenster (Pop-Up) klicke komme man auf diese gebührenpflichtige Seite. Kosten und Geschäftsbedingungen stünden dort, aber offensichtlich schauten die Internetnutzer eher auf "die nackten Frauen" statt auf die Kosten, sagt der HFM-Mitarbeiter. Es handele sich definitiv nicht um einen Dialer, sondern ein "Einwahlprogramm". "Vieles spricht dafür, dass es sich hierbei um einen klassischen, illegalen Dialer handelt", glaubt Rudolf Boll von der Regulierungsbehörde. Außerdem ist es komisch, dass keiner der Rechnungsempfänger etwas von "nackten Frauen" weiß. "Die Rechnung ignorieren, keinesfalls bezahlen", raten daher Verbraucherschützer und der Internetdienst dialerschutz.de. Denn der benutzte Dialer ist illegal. Sollte - was wohl in den seltensten Fällen vorkommt - eine Mahnung kommen, dann sollte man schriftlich Widerspruch einlegen. Außerdem sollte man die Regulierungsbehörde (Telefon: 01805/342537 oder per Mail: dialer.postfach@regtp.de) informieren. Und wer sich getäuscht oder betrogen fühlt, der sollte Strafanzeige erstatten. Und genau das will Werner Pitsch aus Binsfeld auch tun. Was brennt Ihnen auf den Nägeln? Nennen Sie uns Ihr Thema: thema@volksfreund.de Wir bringen es voran.