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Region Trier: Kriminalität in Betrieben unterschätzt

Region Trier: Kriminalität in Betrieben unterschätzt

Die mittelständischen Unternehmen unterschätzen die Gefahren der Wirtschaftskriminalität. Das belegt eine gestern in Frankfurt vorgelegte Studie. Die Ergebnisse werden von Unternehmen aus der Region bestätigt.

Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug: Ein Trierer Spediteur musste sich im Frühjahr vor dem Koblenzer Landgericht verantworten, weil er unter anderem mehrere in Luxemburg angestellte Mitarbeiter für deutsche Firmen hat arbeiten lassen. Geschätzter Schaden für Fiskus und Sozialkassen: rund 300?.000 Euro.
Deutlich höher muss der Schaden liegen, den eine Trierer Firma über Jahre verursacht haben soll, indem sie mit Hilfe von angeblich korrupten Mitarbeitern der Mainzer Zulassungsstelle und einer Mietwagenfirma in Baden-Württemberg fast 5000 Mietwagen auf Personen, ohne deren Wissen, als Privatwagen zugelassen und nach Italien verkauft haben soll. Auf über zehn Millionen Euro wird der Schaden durch Umsatzsteuerbetrug geschätzt.
300.?000 Euro Schaden pro FirmaZwei Beispiele, die zeigen, dass Wirtschaftskriminalität auch in der Region eine Rolle spielt. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft KPMG, die gestern vorgestellt worden ist, wurde knapp jedes vierte Unternehmen in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität.

Die Experten gehen von einem jährlichen Gesamtschaden von 20 Milliarden Euro aus, pro Unternehmen belaufe sich der Schaden auf rund 300?.000 Euro. Vor allem der Mittelstand unterschätze die Gefahr von kriminellen Machenschaften, heißt es.
Das bestätigt auch Sabine Plate-Betz, Geschäftsführerin der Vereinigung Trierer Unternehmen (VTU). Aufgrund des engen Verhältnisses zwischen Firmenchefs und Mitarbeitern in Familienbetrieben würden die Vorsichtsmaßnahmen etwa gegen Veruntreuung oft vernachlässigt, sagt die VTU-Chefin. Viele Unternehmen hätten daher in jüngster Zeit klare Richtlinien erlassen und Vorgaben gemacht, die Mitarbeiter unterschreiben mussten.
Die Regeln sollen verhindern, dass Mitarbeiter etwa aus Unwissenheit Geschenke annehmen und sich damit eventuell der Bestechlichkeit verdächtig machen. Das häufigste Delikt in mittelständischen Unternehmen sei Unterschlagung, sagt Plate-Betz. Zumeist gehe es dabei um "richtig große Summen", hin und wieder sogar im Millionen-Bereich.

Neben Unterschlagung spiele vor allem an der Grenze zu Luxemburg immer wieder Steuerhinterziehung "in allen Varianten" eine Rolle, sagt Oberstaatsanwalt Hans Peter Gandner, Leiter der Zentralstelle für Wirtschaftsstrafsachen bei der Koblenzer Staatsanwaltschaft. Einige Firmen machten sich die im Vergleich zu Deutschland günstigeren Steuern und Sozialabgaben in Luxemburg zunutze und meldeten Mitarbeiter in einer Niederlassung im Nachbarland an, ließen sie aber überwiegend in Deutschland arbeiten.

Früher habe der Großteil der Arbeit der rund 50 Mitarbeiter in der Koblenzer Zentralstelle in Ermittlungen von Insolvenzverschleppungen - also bewusst zu spät angemeldeten Firmenpleiten - bestanden, sagt Gandner. Diese seien mittlerweile durch Steuerbetrug, Bestechung und Untreue verdrängt worden. Oft können die Täter, die zumeist aus der eigenen Firma kommen, hoffen, unentdeckt zu bleiben. Laut Studie wird jeder zweite Fall nur durch Zufall entdeckt. Extra


Wirtschaftskriminalität umfasst verschiedene Delikte wie Betrug, Untreue oder Bestechung. Das Spezielle der Wirtschaftskriminalität seien hohe Schadensummen, heißt es beim Landeskriminalamt (LKA) in Mainz. Inzwischen nähere sich die Wirtschaftskriminalität zunehmend der Organisierten Kriminalität an. Beim LKA befasst sich eine eigene Abteilung mit der Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität. 2011 wurden dort 3440 Fälle registriert, 35 Prozent weniger als noch 2010. 3377 wurden aufgeklärt. Laut der gestern vorgelegten Studie wird der Klau von Unternehmensdaten zunehmend ein Problem. wie