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Regionales Handwerk bietet noch 700 Ausbildungsplätze für 2020 auf

Ausbildung : „Die Ausbildungsbereitschaft in der Region ist ungebrochen“

Die Corona-Krise hat das Handwerk weniger stark betroffen als andere Branchen. Doch in Sachen Nachwuchswerbung stört das Virus. Rund 700 Lehrstellen sind derzeit zu besetzen.

Ein Blick in die Statistik könnte durchaus Sorgen bereiten. Derzeit sind mit knapp 400 neuen Ausbildungsverträgen rund 20 Prozent weniger Lehrstellen eingetragen als noch vor einem Jahr. Doch die Situation ist keineswegs so angespannt, wie es auf den ersten Blick erscheint. „Die Ausbildungsbereitschaft in der Region ist weiter ungebrochen“, sagt denn auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Trier (HWK), Axel Bettendorf, im Gespräch mit dem TV.

Rund 700 freie Lehrstellen könnten noch sofort vergeben werden, ebenso viele Praktikumsplätze bieten die HWK und die Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg und die Kreishandwerkerschaft Mosel-Eifel-Hunsrück-Region (MEHR) in einer Praktikumsbörse derzeit an. Kreishandwerkerschaften und HWK arbeiten bei Ausbildung und Nachwuchssuche Hand in Hand.

„Wir haben sicher kein Angebotsproblem“, ergänzt Carl-Ludwig Centner, HWK-Geschäftsführer Ausbildung. Die Diskussion, dass Unternehmen, ihr Ausbildungsengagement in Zeiten der Corona-Krise zurückgefahren oder gar eingestellt haben, gelte in der Region Trier sicher nicht. Carl-Ludwig Centner: „Wir haben eine Stichprobe bei 100 Ausbildungsbetrieben in der Region durchgeführt.“ Ein einziger Betrieb bilde derzeit nicht aus („Erst wieder, wenn es einen Impfstoff gibt.“), alle anderen suchen Azubis und viele seien sogar bereit, mehr einzustellen als sie benötigen, wenn es denn Bewerber gebe. Was derzeit auch ins Gewicht fällt: „Viele der angehenden Auszubildenden sind noch keine 18 Jahre alt und sie müssen verpflichtend ein ärztliches Attest vorlegen.“ Doch dies ist momentan schwierig. Insgesamt zählt das Handwerk in der Region 1500 Ausbildungsbetriebe. Im vergangenen Jahr starteten 1236 junge Menschen eine Ausbildung in den Handwerksbranchen. Insgesamt zählt das Handwerk derzeit rund 4500 Azubis. „Für das Ausbildungsjahr 2021/22 haben wir bereits 99 offene Stellen im Angebot“, sieht Centner gute Perspektiven für Jugendliche, im Handwerk ihre Karriere zu starten. „Auch in der Corona-Krise ist das Handwerk sehr stabil. Kein einziger Lehrvertrag wurde wegen des Lockdowns aufgelöst.“

Axel Bettendorf stellt insgesamt die Krisen-Unabhängikeit der Handwerksbetriebe heraus. „Stabil in der jetzigen Situation, zukunftssicher und eine gute Bezahlung, das Handwerk hat viel zu bieten.“

Das beide in der jetzigen Zeit so vehement um Nachwuchs werben, hat seinen Grund darin, dass die Berufsorientierung derzeit fast gänzlich ausfällt. „Der Lockdown trifft die Berufsorientierung voll“, so der HWK-Hauptgeschäftsführer.

Was also kann helfen? „Wir müssen Schüler, Eltern und Lehrer vom großen Potenzial einer Handwerksausbildung überzeugen“, sagt Axel Bettendorf. Er rät Jugendlichen: „Nutzt die Chance und macht in den Sommerferien ein Praktikum in einem der vielen Handwerksbetriebe.“ Dort könnten die jungen Menschen sehr schnell erkennen, ob der Beruf etwas für sie wäre.

Dass die ganzen Ausbildungsmessen wie „Dein Tag, Deine Chance – Ausbildung jetzt!“ oder ähnliche Veranstaltungen ausgefallen seien, mache die Entscheidung vielen Schulabgängern schwer. Elternabend, Infoveranstaltungen, Berufsvorstellungen in den Schulen – all das sei dem Lockdown zum Opfer gefallen. Schwierig werde es, wenn Jugendliche sich nun aus Unkenntnis nicht für die Duale Ausbildung entschieden würden, eventuell weiter eine schulische Variante wählen würden. „Bei uns im Handwerk sind Schulabgänger oder Studienabbrecher jederzeit willkommen“, fügt Centner an, der erste Blick der Firmen fiele dabei auch nicht immer aufs Zeugnis. „Bei uns bekommt jeder seine Chance.“

Markus Steffens, Ausbildungsmeister  Elektro, hält Unterreicht mit zwölf Azubis (1. Lehrjahr) aus dem KFZ-Handwerk. Foto: TV/Heribert Waschbüsch
Das Autohaus Cloppenburg (Trier) stellt der überbetrieblichen Lehrwerkstatt einen BMW M3 als Schulungsfahrzeug zur Verfügung. Darüber freuen sich (von links) die Azubis Jana Stappenbacher, Robin Pütz (beide 2. Lehrjahr), Nezamudin Noori (3. Jahr), Ausbildungsmeister Sebastian Hilges, Tim Matzat, Werkstattleiter Cloppenburg, und Marko Hecking. Foto: TV/Heribert Waschbüsch

Dabei gehen Kreishandwerkerschaften und Kammer auch neue Wege. Im Mittelpunkt steht die Praktikumsbörse mit rund 700 Angeboten. Auf der Internetseite gibt es zudem einen Frage-Antworten-Bereich, der Eltern und Schülern bei der Orientierung hilft und Ausbildungsberaterin Petra Kollmann und Kollegen bieten Videokonferenz für Interessierte an. Angedacht wird auch, sich als HWK ins Homeschooling einzuschalten, um Jugendliche fürs Handwerk zu gewinnen.