Rettung ohne Altlasten

TRIER. Rettung in letzter Minute für die Trierer Romika: Unter dem Namen Romika Shoes GmbH führt die Pfälzer Josef Seibel Schuhfabrik den hiesigen Standort weiter. Von zuletzt 150 Mitarbeitern werden bis zu 90 ihren Job behalten können.

Lange Wochen und Monate sah es düster für den traditionsreichen Trierer Schuhhersteller Romika aus: erst die Ankündigung, 60 Mitarbeitern zu kündigen, dann das Insolvenzverfahren und das mögliche Aus für den Standort. Nun - mit dem neuen Investor Josef Seibel aus Hauenstein - scheint sich das Kapitel zum Positiven zu wenden. Die Pfälzer haben die Trierer Romika am Montag aus der Insolvenz heraus gekauft und führen den Betrieb unter dem Namen Romika Shoes weiter. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen. "Wir haben unser Ziel erreicht, den Standort Trier zu erhalten", sagt Carl-August Seibel, Geschäftsführer der neuen Romika Shoes und alleiniger Inhaber der Seibel-Firmengruppe zufrieden. Trier soll die Produkt- und Kollektionsentwicklung, die Musterfertigung, den Verkauf und Außendienst übernehmen, das Controlling wandert ab in die Pfalz, die Produktion soll überwiegend bei der tschechischen Romika-Tochter bleiben und über Seibel abgewickelt werden. Schon im Herbst 2004 hatten die alte Romika und Seibel eine Kooperation bei der Produktion vereinbart, im Februar dann hatte Seibel die Markenrechte an Romika gekauft. Ingesamt plant man Investitionen von rund zehn Millionen Euro für den neuen Start von Romika Shoes. "Das ist ein erheblicher Betrag. Aber wir können das schultern", sagt Firmenchef Seibel und verweist auf ein Wachstum um 30 Prozent im Jahr 2004 und insgesamt 150 Millionen Euro Umsatz (2003, plus 19 Prozent). Damit gehört das Unternehmen nach eigenen Angaben zu den führenden Schuhherstellern Europas. Ohnehin habe es für Romika keinen anderen Ausweg gegeben. Seibel: "Der Schnitt musste gemacht werden. Das hier ist ein gangbarer Weg für beide." Zugute kam den Pfälzern dabei, dass sie Romika aus der Insolvenz heraus und damit ohne die Altlasten für Pensionszahlungen für 900 Rentner in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro übernehmen konnten. Dieses Geld kommt laut Insolvenzverwalter Jörg Wunderlich künftig aus dem Topf des Pensionssicherungsvereins in Köln. Ohnehin hatten sich die Forderungen der mehr als 500 Gläubiger auf mehrere zehn Millionen Euro aufgehäuft. Stimmt der Gläubigerausschuss und die Versammlung in diesem Monat der Seibel-Übernahme zu, ist zumindest das Kapitel Standortsicherung abgehakt. Die Abwicklung der alten Romika mit ihren zahlreichen Beteiligungen wird wohl noch Wochen dauern. "Ohne die schnelle Einigung mit der Firma Seibel wäre die weitere Betriebsfortführung nicht möglich gewesen", sagt Insolvenzverwalter Wunderlich. Dank Seibel können auch die Mitarbeiter hoffen. Waren es zuletzt 150, von denen 115 in einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft unterkamen, so werden unter der Seibel-Regie bis zu 90 Mitarbeiter weiterarbeiten können. "Wir beginnen mit einem Kern, der gute Arbeit gemacht hat und sein Handwerk versteht", sagt Romika-Shoes-Geschäftsführer Andreas Garnier. Doch man plane in Zukunft mit mehr Personal. Das sei auch der Grund, "hier zu bleiben - wenn nicht in diesen Gebäuden, aber in Trier". Die neuen Besitzer sehen für Romika mit derzeit 30 Millionen Euro Umsatz großes Wachstumspotenzial. "Wenn man bedenkt, dass Romika in Spitzenzeiten mal 15 Millionen Schuhe produziert hat, können wir zu unseren heute fünf Millionen Paar Schuhen noch einige Millionen drauflegen", sagt Carl-August Seibel, der in vierter Generation auf dem "Treter-Markt" aktiv ist. Doch die Veränderungen werden nicht ohne Modellwechsel und Konzentration ablaufen, zumal Seibel mit dem "Kleinen Muck" eine eigene Kinderschuhmarke besitzt und das Romika-Image als "Hausschlappen-" und "Gummistiefel"-Hersteller aufgefrischt werden soll. "Wir sind auf den Massenmarkt ausgerichtet, aber nicht ganz billig, dafür bieten wir ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis", sagt Garnier. Firmen-Chef Seibel legt dabei Wert darauf, dass "wir einen hohen Anteil Eigenproduktion haben". Immerhin 70 Prozent der Fertigung läuft über Osteuropa, 25 Prozent der Waren werden in Asien gefertigt. "Wir sind keine Marketing-Company, sondern Leute vom Fach", sagt der Hauensteiner mit Blick auf Fehler der bisherigen Romika-Führung. "Wir machen klare Produktaussagen und befassen uns - wenn es sein muss - auch mit dem Schnürsenkel."