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Rohstoff für Dachstuhl und Papiertaschentuch

Rohstoff für Dachstuhl und Papiertaschentuch

Wer wissen will, wie Holz sich anfühlt und riecht, der ist in einem Sägewerk am besten aufgehoben. Hier werden aus Baumstämmen Kanthölzer, Bretter und Dachsparren sowie aus Sägemehl und Hackschnitzeln Pellets und Papiertaschentücher. Ein Blick ins Werk Moselsäge in Schweich.

Schweich-Issel. Wer den Hof des Sägewerks Müller-Moselsäge betritt, dem strömt schon der Duft von Holz und Harz entgegen. Wer sich jedoch der Sägehalle nähert, der wird mit Lärm und feinem Staub konfrontiert. Der Boden vibriert unter den Füßen, wenn die Sägeblätter durchs Holz fahren.
Auch wenn das Schweicher Unternehmen zu den kleineren Sägewerken in Deutschland gehört, so ist es doch in seiner 93-jährigen Geschichte am Standort an der Mosel und mit seinen 18 Mitarbeitern zu einem unverzichtbaren Partner für Zimmerer und Kunden mit Sonderaufträgen geworden. Bis zu 20 000 Festmeter Holz werden dort im Jahr verarbeitet. Großsägewerke haben dagegen Kapazitäten, die auch bis zu 50-mal so viel Rohstoff sägen können.
"Wir sind nicht so groß, dafür arbeiten wir flexibler und individueller als die Großen", sagt Moselsäge-Geschäftsführer Johannes Lehnert. Das ziehe Privatkunden selbst aus dem Hunsrück an.
Mengen gehen zurück



"Die Branche hat es nicht leicht", sagt der Werkschef, der auf 18 Jahre Erfahrung in dem Sägewerk zurückblicken kann. Denn die Holzkapazitäten am Markt gingen kontinuierlich zurück.
Dies kritisiert auch die deutsche Säge- und Holzindustrie (DeSH). Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit insgesamt 52,3 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen. Rund sieben Prozent weniger als noch 2011. Am stärksten rückläufig war mit rund elf Prozent die Fichte. Ausgerechnet in einer prekären Versorgungssituation, in der die Holzmengen aus dem Privatwald um 30 bis 40 Prozent stark rückläufig seien, reduziere nun auch der öffentliche Wald die Nutzung erheblich, so der Vorwurf des Verbands DeSH. Die ungenutzten Rohholzpotenziale würden die Preise künstlich in die Höhe treiben und immer mehr Sägewerke zu Kapazitätsdrosselung und Personalabbau zwingen.
Auch Johannes Lehnert beobachtet, dass große Betriebe oft mit der fehlenden Auslastung ihrer Kapazitäten kämpfen. Für seinen Betrieb sei dies weniger problematisch. Und: "Der Markt hält immer wieder Überraschungen bereit", sagt Lehnert. Einen Boom gebe es derzeit bei Sägemehl und Holzschnitzeln. "Ich habe in meiner Zeit hier im Werk noch nie eine Preissteigerung im Sommer erlebt. In diesem Jahr ist die erstmals der Fall."