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Roman Niewodniczanski bringt Riesling Van Volxem&Friends für Lidl auf den Markt

Weinwirtschaft : Wein für Lidl von Van Volxem & Friends

Ab April verkauft Roman Niewodniczanski beim Discounter Lidl Riesling unter dem Namen „Van Volxem & Friends“. Warum schlägt der qualitätsbewusste Wiltinger mit seinem renommierten Weingut diesen ungewöhnlichen Weg ein? Denn eins steht für ihn fest: Eine Eintagsfliege soll das Geschäft nicht bleiben.

Roman Niewodniczanski ist immer für eine Überraschung gut. Dass der umtriebige Inhaber des Weingutes Van Volxem in Wiltingen (Kreis Trier-Saarburg) sich seit Jahren erfolgreich und leidenschaftlich für das Renommee der Saarweine einsetzt, ist bekannt. Nun will er außerdem die Weine von Mosel und Saar einer breiten Klientel zugänglich machen. Seine Chance witterte er beim Discounter Lidl, der seine nationale Produkt-Palette erweitern will. Zum 1. April steht die Marke „Van Volxem & Friends – Handverlesen Mosel Riesling“ im Regal. Kostenpunkt: 8,99 Euro. Dafür hat er eigens eine neue Gesellschaft gegründet, die Van Volxem&Friends Weinmanufaktur GmbH.

Sieben Weingüter aus der Region – die Freunde also, zu denen unter anderen Johannes Steinmetz aus Ockfen und Alexander Hermann aus Schleich gehören – liefern die Trauben und Van Volxems Kellermeister Dominik Völk baut den Wein in der Weinmanufaktur auf dem Wiltinger Schlossberg aus. Die Menge: 200 000 Flaschen für etwa 3400 Filialen.

Wie kommt ein renommierter Winzer auf so eine Idee? Fürchtet er keinen Imageschaden für sein ambitioniertes Weingut, das Mitglied im Großen Ring VDP Mosel-Saar-Ruwer, dem Verband deutscher Prädikatsweingüter, ist? Roman Niewodniczanksi gibt zu: „Ich stand dieser möglichen Zusammenarbeit anfangs mehr als kritisch gegenüber. Doch mein größtes Ziel ist, das in den 1970er bis 1990er Jahren teils fahrlässig zerstörte Vertrauen in die Weine unserer Region zurückzugewinnen.“

So sieht der Riesling van Volxem & Friends aus, der ab April bei Lidl in den Handel kommt. Foto: Van Volxem

Daher überlegte er lange, ob er den Deal mit Lidl machen sollte. Sein Entschluss: „Nach intensiven Überlegungen und mehrjähriger Vorarbeit sind wir eine Zusammenarbeit mit dem Handelsriesen eingegangen und haben für 2019 einen trocken schmeckenden Riesling erzeugt.“

So weit so gut. Aber wie beurteilt Carl von Schubert, Vorsitzender des elitären Verbandes Großer Ring VDP Mosel-Saar-Ruwer und Hüter der Qualität von Moselweinen, diese neue Geschäftsidee? Besorgt scheint er nicht zu sein: „Roman Niewodniczanski berichtete mir schon vor einigen Wochen von seinem neuen Projekt und zeigte mir die neue, sehr wertig gestaltete Ausstattung des Weins Handverlesen. Da diese weder Stilelemente des Weingutsetiketts noch den Traubenadler (Anm.d.Red: das Erkennungszeichen der VDP-Weingüter) trägt, sind alle Bestimmungen des VDPs für die Vermarktung derartiger Weine erfüllt“, sagt er in einer Stellungnahme gegenüber dem Trierischen Volksfreund.

Niewodnizcanski stellt klar: „Das ist kein Billigwein. Der Wein soll mithelfen, dass die Mosel bei den Verbrauchern wieder Vertrauen zurückgewinnt.“ Tatsächlich lobt auch der VDP-Vorsitzende: „Der neue Wein präsentiert sich ausgesprochen mineralisch, fruchtig und mit gutem Trinkfluss.“

Doch liegt nicht genau da der Hase im Pfeffer? Discounter-Kunden sind generell preisbewusst. Einen hochwertigen Wein für stolze 8,99 Euro im Discounter anzubieten, erscheint ähnlich als wolle man französisches Parfum im Drogeriemarkt verkaufen.

Doch auch auf diesen Einwand hat Roman Niewodniczanski eine Antwort parat: „Lidl erweitert seine Produktpalette um diverse Premiumartikel und Spezialitäten. Im Weinbereich unternimmt Lidl in jüngster Zeit große Anstrengungen, sein Angebot zu verbessern.“ Offenbar scheinen hochwertige Weine das zu sein, was die Kunden des Discounters suchen. Die Pressestelle von Lidl teilt auf Anfrage mit: „Mit den neuen deutschen Winzer-Weinen wie dem Van Volxem&Friends Handverlesen erweitern wir unser Sortiment um einen exklusiven Wein, den wir für jeden zugänglich machen.“ Zwei weitere exklusive Weinmacher sind ab April mit von der Partie: Rheingau-Winzer Andreas Spreitzer mit „Riesling Adler“ und Friedrich Becker aus der Pfalz mit dem Spätburgunder „Der kleine Fritz“.

So ganz neu ist diese Marketingstrategie allerdings nicht. Discount­riese Aldi listet schon seit Jahren Weine von namhaften Winzern. Raimund Prüm vom bekannten Weingut S.A. Prüm in Bernkastel-Wehlen hat Ende 2015 für 3,99 Euro unter dem Namen „R. Prüm“ einen trockenen Riesling für Aldi Süd und jüngst auch Aldi Nord lanciert. Er hat ebenfalls dafür eine neue Gesellschaft gegründet, die Weinhaus Raimund Prüm KG, denn auch er erhält für die Produktion Unterstützung von Wein­erzeugern mit Rebflächen an der Mosel, die seine Ansprüche umsetzen. So wie Niewodniczanski hat sich Prüm auf die Fahnen geschrieben, die Wahrnehmung und Wertschätzung von Moselweinen bei Verbrauchern zu verbessern. Ob das bisher etwas bewirkt hat? Die Frage bleibt bislang unbeantwortet.

2018 tauchte eine neue Attraktion bei Aldi auf: ein Rot- und ein Weißwein, deren Etikett jeweils der Name von Fernsehmoderator Günther Jauch ziert. Von seinem VDP-Saarweingut von Othegraven in Kanzem stammen diese Weine nicht. „Deutscher Wein“ steht auf den Flaschen-Rückseiten, die unterste Qualitätsstufe im Weinrecht, produziert wird er von der Kellerei Peter Mertes aus Bernkastel-Kues – die Herkunft der Trauben wird nicht angegeben, auch nicht die Rebsorten. Die Cuvée, also ein Verschnitt, kostet 5,99 Euro und spielt damit bei Aldi schon in der Oberliga.

Für Roman Niewodniczanski ist der Handel mit Lidl keine Eintagsfliege. „Das Geschäft ist auf Langfristigkeit ausgelegt. Lidl geht fest von einer Dauerlistung aus.“