Romika und die Region Trier gehören seit fast 100 Jahren zusammen, wie lange noch?

Kostenpflichtiger Inhalt: Schuh-Industrie : Romika in Trier wird wohl endgültig Geschichte

Wie geht es mit Romika in Trier weiter? Anfang 2020 übernimmt Deichmann die Markenrechte für alle europäischen Länder. Das könnte auch das Ende des Romika-Standorts Trier bedeuten.

Die Josef Seibel Schuhfabrik GmbH in Pirmasens verkauft die Markenrechte von Romika für alle europäischen Länder an die Deichmann SE. Der Deal soll zum 1. Januar 2020 gelten. Damit endet in Trier wohl ein Stück Industriegeschichte, das 1921 begann. Zeitweise war die Schuhfabrik einer der größten Arbeitgeber in der Region. Derzeit arbeiten in Trier nur noch rund 40 Mitarbeiter bei Romika. In Spitzenzeiten waren es Tausende.

Wie es für die Romika-Beschäftigten weitergeht, ist ungewiss. Nach unbestätigten TV-Informationen solle das Unternehmen den Mitarbeitern Stellen am Stammsitz der Josef Seibel GmbH in Hauenstein in der Südwestpfalz angeboten haben. „Das sind rund 160 Kilometer und zwei Stunden Fahrt, ein Weg. Das kann doch niemand annehmen“, schreibt ein Mitarbeiter an den TV. So könnte die letzte Stunde für Romika in Trier spätestens diesen Sommer schlagen.

Heiko Metzger von der zuständigen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) sagt, dass bisher noch niemand die Gewerkschaft über das Aus des Standorts Trier informiert habe. Sollte es keinen Betriebsrat geben, werde es vermutlich auch keinen Sozialplan geben, sagt der Gewerkschaftssekretär. Er rät deshalb dazu, solch ein Gremium zu wählen. „Das ist auch dann möglich, wenn die Arbeitnehmer vom Arbeitgeber freigestellt sind.“

Auf TV-Anfrage wollte sich das Unternehmen nicht zur jetzigen Situation äußern und verwies auf die Pressemitteilung, in der nur die Übernahme der Markenrechte beschrieben wird, nichts aber zur Zukunft des Trierer Standorts.

Die Geschichte der Schuhfabrikation in Trier ist lang und von ständigen Aufs und Abs begleitet.

Die Gründung des Unternehmens geht laut Handelsregistereintrag auf den 29. Dezember 1921 zurück. Der Trierer Heinz Ganz-Ohlig hat dies erforscht und in seinem Buch „ Romika – ,Eine jüdische Fabrik’. Die Schuhfabriken ROMIKA in Gusterath-Tal sowie Rollmann & Meyer in Köln“ beschrieben. Demnach gründeten die drei Kölner Schuhfabrikanten Hans Rollmann, Carl Michael und Karl Kaufmann das Unternehmen und gaben ihm mit ihren Namenskürzeln den Firmennamen „RO MI KA“. Schon früh, 1931 waren in Gusterath-Tal und Trier fast 1000 Menschen beschäftigt und bis zur Machtergreifung durch die Nazis 1933 waren in Gusterath-Tal und in der Fabrik in  Köln weit mehr als zweitausend Menschen bei Romika beschäftigt. Die Nazis gingen mit aller Härte gegen die jüdischen Fabrikanten vor, wie Heinz Ganz-Ohlig in seinem Buch beschreibt: „Nachdem die Nationalsozialisten die Romika in den Konkurs getrieben hatten und ihre Inhaber ins Ausland geflohen waren, ,übernahm’ Hellmuth Lemm zunächst als Angestellter der Auffanggesellschaft und später als Unternehmer die Firma“, erklärt der Autor. Aus dem Konkurs heraus gründete Lemm 1936 die Romika GmbH. Alle Versuche der ehemaligen Eigentümer, nach dem Krieg ihre Fabrik zurückzuerhalten, scheiterten, zunächst vor dem Landgericht Trier und später in Berufung vor dem Oberlandesgericht in Koblenz. 1950 verglichen sich die Kläger mit Hellmuth Lemm. Jahrzehntelang galt Hellmuth Lemm als Gründer der Schuhfabrik Romika. Erst mit dem Buch von Heinz Ganz-Ohlig 2012 wurde die Gründungsgeschichte um einige Jahre zurückgeschoben. Hellmuth Lemm war in den 60er Jahren eine schillernde deutsche Unternehmerfigur. „Die Zeit“ widmete ihm 1962 eine mehrseitige Reportage unter dem Titel „Geschäft mit der Behaglichkeit“. Dort wird der Aufstieg „des munteren Sechzigers (1962)“ beschrieben, der „mit 50 Arbeitern begann und heute 3740 Männer und Frauen beschäftigt; der im Morgenlicht über Berg und Tal reitet; der durch halb Europa reist, um eine wertvolle Taschenuhr für seine Sammlung aufzutreiben, aber auch die „Wehlener Sonnenuhr“ in seinem Keller schätzt; der im Ruwer-Tal mit der patriarchalischen Art eines Fürsten des aufgeklärten Absolutismus herrscht; dessen Name in den Hunsrückdörfern Legende geworden ist.“ (Heinz Michels, „Die Zeit“, Nr: 33, 17. August 1962). Dort heißt es weiter: „Im letzten Jahr kamen die 2167 Arbeitskräfte des Stammwerkes aus 336 ­Ortschaften im Regierungsbezirk Trier und im Saargebiet.“ 25 werkseigene Omnibuslinien brachten die Mitarbeiter ins Werk und nach Hause. Mit dem Werbeslogan „Romika tragen Wohlbehagen“ war die Schuhmarke aus der Region deutschlandweit in aller Munde. Denn Lemm setzte auf das Fernsehen als Werbemittel („Fernsehzeit ist Hausschuhzeit“). Fast 4000 Mitarbeiter, ein Jahresumsatz von 80 Millionen D-Mark, zehn Millionen Paar Schuhe, Romika war die Nummer eins in Deutschland.

Doch mit der „verschlappten“ Gemütlichkeit war es spätestens in den 90er Jahren vorbei. 1994 meldete Romika Insolvenz an, der Schweizer René Jäggi, ehemaliger Adidas-Chef und späterer 1. FC Kaiserslautern-Präsident übernahm das Unternehmen. Von 800 Arbeitsplätzen in Deutschland blieben danach noch rund 200 übrig. Der Neustart glückte: Im Jahr 2000 stellte das Unternehmen zehn Millionen Paar Schuhe her und hatte weltweit 2800 Mitarbeiter. Die Produktion war allerdings nach China an Zulieferfirmen verlagert worden, in Trier gab es noch 200 Beschäftigte. Schon im Jahr 2004 folgte die nächste Insolvenz für Romika. Damit steigt der heutige Eigner in die Romika-Geschichte ein. Die Josef Seibel GmbH übernahm das Unternehmen und sicherte 80 der verbliebenen 150 Stellen in Trier. 2007 erfolgt der Umzug der Firma aus der Trierer Karl-Benz-Straße in die Metternichstraße. Zu diesem Zeitpunkt gibt es rund 90 Beschäftigte. Romika investiert rund fünf Millionen Euro in den Umzug. Unter anderem entsteht eine inzwischen wieder geschlossene gläserne Schuhfabrik. Zudem wird eine Gaststätte unter dem Namen Romikulum eröffnet.

Inzwischen ist der Zweckverband ART Eigentümer der Liegenschaft. Laut Zweckverband sind Gaststätte, Festzelt und Bereiche der Außenanlagen aktuell an die Seibel-Gruppe verpachtet.

Diese wiederum haben den Gastronomiebereich im Unterpachtverhältnis weiterverpachtet. Das Pachtverhältnis ist laut Zweckverband ART von dem Auszug des Romika-Schuhverkaufs und -lager derzeit noch nicht betroffen.

-+- WG: bilder romika ------------------------------------------- Von: Kalck Julia Gesendet: Montag, 19. Juli 2010 10:00:09 Betreff: bilder romika Diese Nachricht wurde automatisch von einer Regel weitergeleitet. Romika 1: Renate Henter näht in der gläsernen Manufaktur der Romika Shoes GmbH Lederstücke zusammen, aus denen ein Mokassin entsteht. Geschäftsführer Andreas Garnier schaut zu. TV-Foto: Julia Kalck Romika 2 und 3: Ideenzentrale: Im Firmengebäude in der Trierer Metternichstraße entstehen die neuen Kollektionen der Romika Schuhe. TV-Foto: Julia Kalck. Foto: TV/Julia Kalck
Das Gebäude in der Metternichstraße in Trier war für einige Jahre  Standort der gläsernen Schuhfabfrik. Foto: TV/Cordula Fischer

Die großen Zeiten von Romika sind längst vorbei, was bleibt ist die Erinnerung an ein große wechselvolle Geschichte und viele Erinnerungen, die die Menschen aus der Region mit dem Unternehmen verbindet. Denn nach den jüngsten Meldungen ist Romika in Trier wohl bald nur noch Geschichte.