Rückschlag für den Flughafen Hahn

Rückschlag für den Flughafen Hahn

Die Fracht-Airline Air Cargo Germany (ACG) mit Sitz am Hunsrück-Flughafen Hahn steckt in finanziellen Nöten. Die Unternehmensführung habe in Abstimmung mit den Gesellschaftern beschlossen, Insolvenz anzumelden (der TV berichtete), teilte ACG mit.

Hahn. Um das Frachtflugunternehmen Air Cargo Germany (ACG) stand es schon lange nicht gut. Die Kosten müssen monatelang weitaus höher als die Erträge gewesen sein, verlautet aus gut informierten Kreisen. Zuletzt soll die - am Flughafen Hahn ansässige - Firma rund 80 Millionen Euro Schulden angehäuft und im Monat acht Millionen Miese eingefahren haben. Aufgrund dieser prekären Lage legte das Luftfahrtbundesamt am 18. April den Flugbetrieb still. Aus einer einfachen Logik heraus: Wenn Luftfahrtunternehmen finanziell das Wasser bis zum Hals steht, ist die Gefahr zu groß, dass sie an Sicherheitsstandards sparen. Doch ohne Flugbetrieb dürfte sich die Schere zwischen Kosten und Einnahmen noch weiter geöffnet haben. Jetzt musste die ACG Insolvenz anmelden. Das Amtsgericht Bad Kreuznach bestätigte den Vorgang.
Air Cargo Germany ist mit seinen vier Jumbo-Jets (Typ Boeing 747) das größte Frachtflugunternehmen am Flughafen Hahn. Nach eigenen Angaben beschäftigt es rund 170 Mitarbeiter, bei der Landesregierung spricht man hingegen von rund 100 Mitarbeitern im Hunsrück. Für den Flughafen Hahn ist die Insolvenz doppelt unangenehm.
Denn die Frankfurt-Hahn GmbH hat noch einen Kredit von fünf Millionen Euro offen und ist damit Gläubiger. Eine Forderung in gleicher Höhe war zuvor in ein Darlehen umgewandelt worden.
Neue Hiobsbotschaft


Nach Informationen unserer Zeitung wurde bereits die Hälfte abgeschrieben, da eine Rückzahlung in voller Höhe offenbar höchst fraglich erschien. In der Bilanz stehen also nur 2,5 Millionen Euro. Nichtsdestotrotz beträgt die Gesamtforderung der Hahn GmbH satte fünf Millionen.
Mit der Insolvenz dürften zudem alle Spekulationen über eine Landesbürgschaft nichtig sein. Die ACG hatte ohnehin weder eine Bank benennen können, noch Einblick in ihre Bilanzen gewährt - eine Voraussetzung für das Bürgschaftsgeschäft.
Aus den gleichen Gründen hatte sie sich angeblich bereits vor längerer Zeit erfolglos bei der Hahn GmbH darum bemüht, dass diese einen Rangrücktritt vornehmen würde, um dem Frachtflugunternehmen einen Bankkredit zu ermöglichen.
ACG-Geschäftsführung und Gesellschafter wollen das Unternehmen jetzt restrukturieren. Die russische Volga-Dnepr-Gruppe ist mit 49 Prozent beteiligt. Heinz Rethage, der neue Geschäftsführer der Hahn GmbH, sieht durch die ACG-Insolvenz lediglich "eine kleine Delle im Frachtaufkommen".
Der CDU-Politiker Hans-Josef Bracht sprach indes von einer "neuen Hiobsbotschaft vom Hahn und einer weiteren Schlappe für die rot-grüne Landesregierung".
Die CDU will wissen, ob es "politische Gründe für die Insolvenz gibt". Christdemokrat Bracht bemängelte: "Nach wie vor liegt kein schlüssiges Konzept für eine gute Zukunft des Flughafens vor."

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