Ryanair in der Kritik

DUBLIN. Was ist los beim Billigflieger Ryanair? In jüngster Zeit häufen sich die schlechten Nachrichten. In Norwegen wurde die Gesellschaft wegen Kundenunfreundlichkeit verklagt. Kürzlich landete ein Pilot auf dem falschen Flughafen, und Behinderte beklagen sich über mangelnden Service.

Eigentlich könnte man darüber lachen, doch den 39 Passagieren des Fluges FR 9884 vom britischen Liverpool ins irische Londonderry war vermutlich nicht danach. Der Pilot der Gesellschaft Eirjet, die im Auftrag von Ryanair fliegt, landete auf dem falschen Flughafen. Statt in Londonderry ging er mit dem Airbus A 320 acht Kilometer weiter in Ballykelly auf einer Militärbasis herunter. Das sei in den 20 Jahren, seit es Ryanair gibt, nicht passiert, ärgerte man sich beim irischen Billigflieger über den schusseligen Piloten. Die britische Luftfahrtbehörde ermittelt nun. Der Zwischenfall scheint derzeit symptomatisch für die Gesellschaft zu sein. Es läuft momentan nicht rund bei der erfolgsverwöhnten Ryanair. In Norwegen müssen die Iren 63 000 Euro bezahlen, weil sie Kundenrechte missachteten. Die Verbraucherschutzbehörde hatte, unterstützt von Verbraucherschützern in Dänemark, Finnland und Schweden, Beschwerde beim norwegischen Handelsgericht eingelegt, weil Ryanair hohe Gebühren für die Rückgabe nicht genutzter Tickets und für die Übertragung von Tickets verlange. Kritisiert wurden auch mangelhafte Informationen der Passagiere über ihre Ansprüche bei verspäteten Flügen sowie beschädigtem oder verlorenem Gepäck. Mit dem Gepäck wird Geld verdient

Apropos Gepäck. Damit verdient Ryanair mittlerweile richtig Geld. Offenbar will man Koffer und sperrige Taschen aus den Flugzeugen verbannen. War die Mitnahme bis zu einem Gewicht von 15 Kilo bislang kostenlos, muss seit einigen Tagen dafür bezahlt werden. 3,50 Euro pro Koffer werden fällig, falls man ihn bei der Buchung im Internet angegeben hat. Wer dies versäumt hat, muss am Flughafen pro Gepäckstück 7,50 Euro löhnen. Als kundenunfreundlich bezeichnen auch einige Behinderte die Fluggesellschaft. Immer wieder sollen Rollstuhlfahrer nach der Landung hilflos in Flugzeugen zurückgelassen werden. So musste nach britischen Medienberichten eine 63-Jährige eine Stunde im Flugzeug in London-Stansted ausharren. Weder Besatzung noch Reinigungspersonal hätten ihr aus der Maschine geholfen. Erst als ein Flughafenmitarbeiter mit einem Speziallift der Frau heraushalf, konnte sie in ihren vor dem Flugzeug stehenden Rollstuhl einsteigen. Eher amüsant wirkt da der Zwischenfall mit dem irischen Tourismusminister, der in Dublin in eine Ryanair-Maschine steigen wollte. Doch die Gesellschaft macht offensichtlich keine Unterschiede zwischen Prominenten und normalen Passagieren. Weil der Minister keinen Pass bei sich hatte, durfte er nicht mitfliegen. Trotzdem ist Ryanair weiter auf Wachstumskurs. Im März konnten die Iren ihre Passagierzahl um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Allerdings kündigte der Billigflieger an, dass die Tickets aufgrund der gestiegenen Treibstoffpreise teurer werden.