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Saarland: US-Konzern plant Chip-Werk in Ensdorf mit 1000 neuen Jobs

Halbleiterfabrik : Bis zu 1000 neue Jobs: Neues Chip-Werk soll sich bei Saarlouis ansiedeln

Auf dem Gelände eines früheren Kohlekraftwerks bei Saarlouis soll eine Halbleiterfabrik entstehen. Auch der Getriebehersteller ZF ist im Boot. Die Milliarden-Investition dürfte in den nächsten Tagen für weitere Schlagzeilen sorgen.

Gut fünf Jahre nach der Stilllegung des Kohlekraftwerks im saarländischen Ensdorf (Landkreis Saarlouis) bahnt sich auf dem Gelände eine Großinvestition an, die bundesweit und sogar international Schlagzeilen machen dürfte. Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung will der börsennotierte US-Konzern Wolfspeed dort eine Chipfabrik mit anfangs mehreren hundert und dann bis zu 1000 Arbeitsplätzen errichten und Spezial-Halbleiter für Elektroantriebe herstellen.Mit der Technologie soll die Reichweite von E-Autos erhöht werden.

Weltweit größtes Werk für Halbleiter aus Siliziumkarbid

Wolfspeed beliefert unter anderem Mercedes und General Motors mit Spezialchips. Nach Recherchen des Handelsblatts plant Wolfspeed im Saarland das „weltweit größte Werk für Halbleiter aus Siliziumkarbid“. Da das neueste Werk von Wolfspeed in den USA rund zwei Milliarden Dollar gekostet habe, soll demnach die Fabrik im Saarland deutlich größer und damit auch teurer werden.

Wolfspeed beschäftigt 3500 Mitarbeiter in 17 Ländern

Der Firmensitz von Wolfspeed liegt in Durham, North Carolina.. Das Unternehmen, das vor einer Umstrukturierung unter dem Namen Cree firmierte, beschäftigt nach eigenen Angaben aktuell 3500 Mitarbeiter in 17 Ländern. Der Börsenwert liegt bei rund zehn Milliarden US Dollar.

Auch ZF an Chip-Fabrik beteiligt

Auch der Getriebehersteller ZF ist an dem Projekt in Ensdorf beteiligt. Das Unternehmen setzt verstärkt auf Elektromobilität und rüstet sein Werk in Saarbrücken zum „Leitstandort“ seiner künftigen elektrischen Antriebssysteme um. Ein ZF-Sprecher sagte auf SZ-Anfrage: „Ich bitte um Ihr Verständnis dafür, dass sich ZF zu Spekulationen grundsätzlich nicht äußert.“

Kraftwerk Ensdorf soll abgerissen werden

Mit dem Bau der Fabrikhalle und der Produktionsanlagen soll 2025 oder 2026 begonnen werden. Vorher muss noch das Kraftwerk abgerissen werden. Die Investition soll nach SZ-Informationen Anfang Februar verkündet werden.

Der Ensdorfer Bürgermeister Jörg Wilhelmy hatte zu Jahresbeginn trotz maroder Gemeindefinanzen Optimismus verbreitet und im Nachrichtenblatt der Gemeinde geschrieben: „Meine Hoffnung besteht darin, dass das Land und seine Gesellschaft für Wirtschaftsförderung als künftiger Flächeneigentümer sehr kurzfristig über Ansiedlungserfolge berichten können.“

Voraussetzungen für Chip-Fabrik geschaffen

Die landeseigene Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar (gwSaar) will die Kraftwerksfläche von der VSE kaufen. Der Gemeinderat hatte im Oktober die Voraussetzung zur Nutzung des Areals als Gewerbe- und Industriefläche geschaffen. Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) hatte damals erklärt: „Hier entsteht eine Fläche, die wir zur Ansiedlung und der Schaffung von Arbeitsplätzen dringend brauchen.“

Mit seinem direkten Anschluss an das internationale Straßen-, Bahn- und Wasserstraßennetz sowie über eine optimale Energie- und Telekommunikationsversorgung sei der Standort „ideal für neue gewerbliche oder industrielle Ansiedlungen“, erklärte die VSE damals.

Die mögliche Ansiedlung einer Chipfabrik war schon Thema in der alten CDU/SPD-Landesregierung. Im November 2021 hatte der damalige Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) bei einem Bürgerforum im benachbarten Hülzweiler auf die Frage, warum der chinesische Batteriehersteller SVolt sein Werk nicht auf der Ensdorfer Kraftwerksfläche ansiedelt, gesagt: „Gehen Sie mal davon aus, dass in Ensdorf auch etwas hinkommen wird.“