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Saupreise zum Weglaufen

Saupreise zum Weglaufen

Vielen Schweinezüchtern steht das Wasser bis zum Hals. Seit Jahren erzielen sie Erzeugerpreise, die die Kosten nicht decken. Wie explosiv die Lage ist, zeigte sich beim Schweine-Forum des Bauernverbandes Rheinland-Nassau in Bitburg.

Bitburg. Deutschland ist in der EU der größte Schweineproduzent. Doch was Betriebsgröße und Effizienz angeht, werden die deutschen Bauern von den Niederländern und Dänen abgehängt. Und da auf dem globalen Markt ein starker Wettbewerb herrscht, geht es bei vielen Landwirten um die nackte Existenz. Entsprechend groß war die Resonanz auf das Schweine-Forum des Bauernverbandes in Bitburg. Rund 200 Bauern aus dem Land begrüßte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Bitburg-Prüm, Michael Horper: "Wir können sicher nicht für Sie die Preise verändern, aber wir können gemeinsam mit Ihnen die schwierige Situation angehen", sagte Horper. Seit Jahren befindet sich der Erzeugerpreis für Schweinefleisch auf niedrigem Niveau: Rund 1,47 Euro erhalten die Bauern für ihre Schweine pro Kilo Schlachtgewicht; 1,90 Euro wären notwendig, damit die Landwirte mit ihrer Arbeit etwas verdienen. "Wenn sich daran nichts ändert, gehen die Schweinzüchter hops", sagte der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands, Franz-Josef Möllers. In Gesprächen mit dem Lebensmittelhandel würde er dies ständig bemängeln. Er fordert deshalb, dass die Erzeuger ihre Kräfte bündeln, um gestärkt dem Handel entgegentreten zu können. Für Möllers ist aber auch wichtig, dass die Politik zwar die Rahmenbedingungen für die Landwirte verbessert, sich sonst aber aus dem Markt heraushält. Diese Einschätzung teilt auch der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, Leo Blum. Vor allem würde weniger Bürokratie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bauern stärken. Hier hätten die deutschen Landwirte gegenüber ihren Mitbewerbern viele Nachteile zu ertragen. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen machte den Landwirten ein klein wenig Mut. "Der Preis könnte im Sommer auf 1,65 bis 1,67 Euro steigen, von den 1,90 bleiben wir aber noch weit entfernt." Dennoch zeichnete der Fachmann interessante Perspektiven auf. Der Export biete Chancen: "Die Zukunft der Fleischmärkte liegt in Asien." Vor allem die Dänen seien dort schon aktiv. Deutschland hat indes noch kein Handelsabkommen mit China abgeschlossen. Dabei gibt es ungeahnte Ertragsfelder: "Schweinsohren sind in China Delikatessen und doppelt so teuer wie Schweinefilet." Wer aber auf dem internationalen Markt bestehen wolle, müsse seinen Hof optimieren. Dazu gehöre eine entsprechende Betriebsgröße und Effizienz, und "die Tiergesundheit wird der Wettbewerbsvorteil der Zukunft". Meinung Ein Preis zum Überleben Die Schönwetterfront hat sich schnell verzogen. Bei den Preisverhandlungen zwischen Handel und Milcherzeugern versuchen die Lebensmittelketten die Preise wieder zu drücken, und bei den Schweinezüchtern sieht es schon lange ganz düster aus. Einzig die Getreidepreise werden sich nachhaltig auf einem hohen Preis halten. Doch hier gilt, was des einen Bauern Freud', ist des anderen Leid. Denn damit haben sich die Futterkosten in den vergangenen Jahren verdoppelt. Viele Landwirte knabbern am Existenzminimum. Wenn Politik und Gesellschaft auf Milch, Eier und Fleisch aus deutschen Landen Wert legen, müssen sie etwas dafür tun. Die Verbraucher, indem sie bereit sind, ordentliche Preise für gute Produkte zu zahlen, die Politik, indem sie etwa steuervergünstigten Diesel anbietet. In Luxemburg zahlen Bauern 60 Cent für den Liter Diesel, einige Kilometer weiter zahlen deutsche Bauern 1,30 Euro. h.waschbuesch@volksfreund.de