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Schlechte Zeiten für kleine Gründer

Schlechte Zeiten für kleine Gründer

Das Bundeswirtschaftsministerium plant die Streichung von Förderhilfen für kleine Gründer. Die Opposition ist empört und fordert, das Vorhaben abzublasen.

Berlin. "Wir brauchen eine neue Gründerzeit", schwärmt Sigmar Gabriel (SPD) auf der Homepage seines Bundeswirtschaftsministeriums.
Doch gerade den Gründungswilligen soll schon bald ein attraktives Angebot entzogen werden. Es geht um Zuschüsse für Schulungen, die Grundkenntnisse rund um ein Gründungsvorhaben vermitteln und Workshops, die bei der Erstellung eines Businessplans helfen sollen.
Allein im vergangenen Jahr hat der Bund insgesamt 3,5 Millionen Euro dafür bereitgestellt. Ein Teil der Mittel kam vom Europäischen Sozialfonds (ESF). Rund 34 500 Personen konnten dadurch auf ihre unternehmerische Zukunft vorbereitet werden. Dank der staatlichen Förderung reduzierte sich die Teilnahmegebühr an den entsprechenden Veranstaltungen.
Kaum nachvollziehbare Gründe


Doch zum Jahresende soll damit Schluss sein. Die Maßnahme werde "danach nicht mehr fortgesetzt", heißt es lapidar auf der Internetseite des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), das dem Wirtschaftsministerium untersteht und die Gelder für die Förderung verwaltet.
Die Gründe dafür sind kaum nachvollziehbar. In einer Stellungnahme des Gabriel-Ressorts auf eine entsprechende Anfrage der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, wird auf "das gewaltig angewachsene Informationsangebot von Wirtschaftsverbänden, Kammern und Ministerien und anderen im Internet" verwiesen. Dagegen könnten die Schulungen "nur einen allgemeinen Beitrag zu besseren unternehmerischen Entscheidungen leisten", so das Ministerium.
Offenbar sind die Nutzer aber hochzufrieden mit der Offerte. In einer Befragung des Bafa sagen 80 Prozent der Teilnehmer, dass die Veranstaltungen ihre Existenzgründung gefördert oder zu einer stärkeren Leistungsfähigkeit des Unternehmens beigetragen hätten. Gut 73 Prozent hatten bereits eine Vielzahl der dort vermittelten Anregungen umgesetzt.
Bundesamt lobt sich selbst


Auch das zuständige Bundesamt ist voller Lob für das Angebot. Von dort wird verlautbart: Existenzgründer sowie kleine und mittlere Unternehmen "erhalten auf diese Weise kostengünstiges Wissen zur Gründung oder zur Steigerung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit", steht auf der Internetseite des Bafa. Damit wolle man auch dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenwirken, heißt es.
Die neue Gründerzeit des Wirtschaftministers bedeute für die Gründer weniger und nicht mehr Unterstützung, kritisierte die Grünen-Politikerin Pothmer im Gespräch mit unserer Zeitung. Schulungen in Kleingruppen brächten auch Kontakte und Austausch. "Doch das fällt nun weg, wenn die Gründungswilligen nicht viel tiefer als bisher in die Tasche greifen können", erklärte Pothmer. Nötig sei ein Umsteuern. "Die Schulungen und Workshops müssen weiter gefördert werden", verlangte Pothmer.