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Schöner die Kassen nie klingeln

Schöner die Kassen nie klingeln

Der Advent lässt nicht nur die Kassen des Einzelhandels klingeln. Auch die Schausteller und Händler haben die Vorweihnachtszeit für sich entdeckt und rüsten Weihnachtsmarktbuden und Karussells mächtig auf. Denn die klassische Kirmes und traditionelle Märkte haben ausgedient.

Trier/Bernkastel-Kues. War die Kirmes vor 30 Jahren für die meisten Dorfbewohner noch das Ereignis des Jahres, so ist heute von außen kaum noch auszumachen, wann eine Gemeinde das Namensfest ihres Kirchenpatrons feiert. Wo früher Schießstand, Losbude und Kinderkarussell standen, gibt es maximal noch ein Kirmesessen in der einzigen Dorfkneipe.
"Es gibt immer mehr Feste aller Art", sagt Michael Brämisch aus Kelberg (Vulkaneifelkreis), langjähriger ehemaliger Vorsitzender der Interessengemeinschaft "Die Marktleute" in der Region Trier. Wo früher zehn Feste tausend Menschen angezogen hätten, habe sich das Verhältnis heutzutage umgekehrt, bedauert der Eifeler Marktbeschicker. Das gelte für die traditionellen Wochen- und Monatsmärkte genauso wie für Kirmes und Volksfest.
Feste Einnahme im Advent


Ein Kernproblem vor allem für Schausteller, die ein neues finanzstarkes Standbein suchen - und es zunehmend in der Bestückung von Weihnachtsmarktbuden finden.
Ein Drittel ihres Umsatzes machen viele von ihnen bereits mit Reibekuchen und Glühwein. "Auf dem Trierer Weihnachtsmarkt gibt es einige regionale Schausteller, die das Jahr über von Messe zu Messe und Kirmes zu Kirmes reisen und auf dem Weihnachtsmarkt Dampfnudeln verkaufen oder ihr Karussell aufbauen", sagt Thomas Vatheuer, Pressesprecher des Trierer Weihnachtsmarktes. "Viele von denen rechnen fest mit den Einnahmen", bestätigt Veranstalterin Angela Bruch.
Unabhängig von der touristischen Attraktion des Trierer Weihnachtsmarkts: Vor allem Glühweinbuden hätten sich zu wahren "Stammtischen", entwickelt, sagt Bruch. Weshalb ein Budenpächter mit den heißen Getränken auch höhere Standmieten zahlen muss als sein Kollege mit Kunsthandwerk. Denn das sind umsatzstarke Geschäfte, sie machen laut dem Bundesverband der Deutschen Schausteller und Marktkaufleute etwa doppelt so viel Umsatz wie ein durchschnittlicher Weihnachtsmarkthändler. In Trier ist jeder fünfte der insgesamt 95 Hütten ein Verzehr-Stand, ein gesunder Mix aus Kunsthandwerk, Verkauf und Verzehr jedoch "immer schwieriger", sagt Angela Bruch.
22 Euro pro Marktbesucher



Immerhin 22 Euro gibt jeder Besucher auf einem Weihnachtsmarkt oder Volksfest für Essen und Getränke aus, weitere 3,50 Euro für Fahrgeschäfte (siehe Extra). Ein Geldsegen, den auch die Veranstalter in den Städten und Gemeinden der Region abschöpfen wollen.
Wobei die Finanzierung überall anders läuft: Schaustellervereine, Verbände oder Unternehmen organisieren Weihnachtsmärkte größtenteils; nur noch ein Drittel entstammt der Organisation der jeweiligen Kommune. In Trier etwa ist die Arbeitsgemeinschaft "Trierer Weihnachtsmarkt" von Angela Bruch Veranstalter, die Stadt kassiert eine Nutzungsgebühr; in Bitburg zahlt der Gewerbeverein das beim Publikum beliebte Rahmenprogramm mit Hilfe von Sponsoren; in Bernkastel-Kues hat der Werbekreis die Zügel in der Hand.
"Advent ist die Zeit von Kulinarik, von Einkäufen und Geschenken", sagt Frank Hoffmann, Vorsitzender des Werbekreises Bernkastel-Kues. Da liege es nahe, ein passendes Angebot zu machen, die Nachfrage finde sich dann automatisch - zumal davon auch Hotellerie und Gastronomie profitieren. An der Mosel weiß man, wie das funktioniert, immerhin hat die Mittelalterstadt den ältesten Weihnachtsmarkt in Rheinland-Pfalz zu bieten. Etwa 70 000 Besucher kommen jährlich, um das Idyll zwischen Fachwerk, übergroßem Adventskalender und Budenzauber zu bestaunen.
Und dieser Fall zeigt auch, dass vor Ort einiges von den Einnahmen hängenbleibt. Auf rund 110 000 Euro schätzen die ehrenamtlichen Organisatoren allein ihren Umsatz durch Standgebühren. Abzüglich aller Kosten werde der Überschuss wieder investiert - etwa in die Glühweinstände oder die neue sieben Meter hohe Holzpyramide. "Alles geht in die Qualitätsverbesserung", sagt Werbekreis-Chef Hoffmann.
Auch in Trier profitieren mehr als nur die Schausteller von der Glühweinseligkeit. "In der Adventszeit ist es schwer, überhaupt noch ein Hotelzimmer zu bekommen", sagt Heike May von der Touristinformation Trier. Rund 53 000 Übernachtungen allein im Dezember: Da bleibt auch was für die heimische Wirtschaft übrig. Da wundert es auch wenig, dass die Touristinformation gezielt mit Arrangements wie dem "Trierer Weihnachtszauber" wirbt. Tourismus- und Handelsexperten schätzen die zusätzlichen Einnahmen in den knapp vier Adventswochen auf immerhin rund 18 Millionen Euro.

Der TV hat die wichtigsten Weihnachtsmärkte der Region im Internet zusammengefasst. Unter folgender Adresse finden Sie alle wichtigen Angaben:
volksfreund.de/weihnachtsmärkte
Extra

Rund 9900 Volksfeste gibt es jährlich nach Zahlen des Schaustellerbunds in Deutschland. Dazu gehören auch deutschlandweit die rund 1500 Weihnachtsmärkte. Interessant dabei: Regional betrachtet gibt es die meisten von ihnen in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Das bundesweit größte Volksfest ist mit rund 6,4 Millionen Gästen das Münchner Oktoberfest, gefolgt von der Cranger Kirmes in Herne mit 4,7 Millionen Besuchern. Auf dem Trierer Weihnachtsmarkt schätzt die Veranstalterin Angela Bruch das Besucheraufkommen auf einen "hohen sechsstelligen Bereich". Für den ältesten Weihnachtsmarkt des Landes in Bernkastel-Kues liegt die Gästezahl bei rund 70 000 - Tendenz steigend. Bundesweit gesehen fließen auf den 9900 Volksfesten rund 1,15 Milliarden Euro in die örtliche Wirtschaft - neben Standgebühren auch Stromkosten, Löhne, Steuern und Konsumausgaben. Aber auch die Gäste selbst lassen die Feste zu einer sicheren Einnahmequelle werden: Rund 22 Euro gibt jeder Besucher laut dem Schaustellerbund auf dem Rummel aus - für Dampfnudel, Glühwein, Zuckeräpfel und Bratwurst. Für Karussells bleiben im Schnitt noch rund 3,50 Euro pro Tag übrig. sas