Schuld sind immer die anderen

Schuld sind immer die anderen

TRIER. Wer ist schuld an ständig steigenden Strompreisen? Die Versorger geben der Politik die Schuld, die wiederum sieht in den großen Konzernen die Preistreiber. Fest steht: Die Kunden müssen im nächsten Jahr für Strom mehr zahlen.

Geht es nach dem Mainzer Wirtschaftsminister Hendrik Hering, müssten die Strompreise im Land deutlich sinken. Den Antrag der regionalen Stromversorger - darunter auch die Trierer Stadtwerke - ihre Netzentgelte, also die Gebühr für die Wartung und Bereitstellung des Netzes, anzuheben, schmetterte er ab (der TV berichtete). Begründung: Die Verbraucher dürften nicht noch mehr zur Kasse gebeten werden. Doch die Anbieter schert das Nein aus Mainz wenig. Geringere Netzentgelte bedeuten nicht, dass der Strom für die Kunden billiger werde, sagt Stadtwerke-Vertriebschef Thomas Waßmuth. Das Wirtschaftsministerium habe den Stromtarif für ein Jahr genehmigt und damit den Stadtwerken eine wirtschaftliche Kalkulation bescheinigt. Wenn Mainz den Trierer Versorger nun zwinge, das Entgelt zu senken, würde das Ministerium sich unglaubwürdig machen, argumentiert Waßmuth. Niedrigere Netzentgelte führten zudem nur dazu, dass die Einnahmen der Stadtwerke zurückgingen und das bei gestiegenen Ausgaben. Vorsorglich hat man gegen die Mainzer Entscheidung Beschwerde eingelegt. Zwar hat die Politik den Stromkonzernen eine gewisse Preisstabilität abgerungen, doch gilt das nur für die Endkunden. Die regionalen Versorger müssen den Strom bei den Konzernen teuer einkaufen. Und die großen Vier (Eon, RWE, Vattenfall und Enbw) bestimmen die Preise - und machen mit dem Stromverkauf satte Gewinne. Bei den kleinen Versorgern macht sich daher Unmut breit. Wenn auch noch ganz verhalten. Denn das, was sie mehr für den Strom bezahlen müssen, wollen sie von ihren Kunden wieder- haben. Die Stadtwerke haben, wie 63 weitere regionale Versorger im Land, beim Mainzer Wirtschaftsministerium einen Antrag auf Erhöhung der Strompreise gestellt. Viele Anträge der Versorger waren laut eines Ministeriumssprechers jedoch nicht vollständig. Es hätten Jahresabschlussrechnungen oder Unterlagen über Abschreibungen nachgefordert werden müssen, die zurzeit ausgewertet werden. Die Versorger argumentieren mit höheren Beschaffungskosten und gestiegenen Ausgaben. Mit gut zwei Cent pro Kilowattstunde liegen die Trierer deutlich im oberen Bereich der beantragten Erhöhungen. Zwar heißt es aus dem Ministerium, man werde die Anträge "kritisch prüfen", doch Experten gehen davon aus, dass der Strom ab Januar deutlich teurer werden wird. So hat RWE angeblich bei der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Düsseldorfer Wirtschaftsministerium, eine Erhöhung um 7,5 Prozent beantragt. "Taktlos", nennt das der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters. Aus Hessen ist bereits vernehmbar, dass man um die Genehmigung höherer Stromtarife bei den Regionalversorgern nicht herumkomme. Grund: Die ständige Erhöhung der Großhandelspreise der Konzerne. Die wiederum, in Einklang mit den regionalen Partnern, schieben die Schuld auf die Politik. Die Ökosteuer habe Strom so teuer gemacht, sagen sie und fordern deren Halbierung. Unabhängig wie die Aufsichtsbehörden entscheiden werden: Teurer wird es für die Stromkunden auf jeden Fall. Denn die um drei Prozent höhere Mehrwertsteuer lässt die Preise auf jeden Fall ansteigen. Während die Trierer Stadtwerke beim Gas mit den Preisen runtergehen, werden die Kunden beim Strom also auf jeden Fall zur Kasse gebeten. Allerdings will der Versorger gegensteuern. Vergangene Woche wurde im Aufsichtsrat beschlossen, dass sich die Stadtwerke an einem 1500-Megawatt-Steinkohlekraftwerk der RWE beteiligen. Dadurch, so hofft man auf der Chef-Etage des Unternehmens, will man sich unabhängiger von den Großhandelspreisen machen und vielleicht Preissteigerungen künftig zumindest etwas abmildern.