Schuldenlast drückt stärker

Schuldenlast drückt stärker

MAINZ. Die Überschuldung wird zu einem immer drängenderen Problem. Mehr als sieben Millionen Deutsche können Kredite nicht fristgerecht zurückzahlen. Auch in Rheinland-Pfalz hat jeder zehnte über 18 Jahre massive Schuldenprobleme.

Arbeitslosigkeit, niedriges Einkommen, gescheiterte Hausfinanzierung oder Scheidung: Gründe für eine Überschuldung gibt es viele. Der SchuldnerAtlas 2006 der Creditreform Wirtschaftsforschung zeigt allerdings, dass die Finanzprobleme immer häufiger junge Menschen treffen und dabei generell im Osten und Westen Deutschlands erheblich weiter verbreitet sind als im Süden. Mit einer Schuldnerquote von 10,8 Prozent liegt Rheinland-Pfalz nur geringfügig über dem Bundesdurchschnitt (10,6) und im Ländervergleich zwischen den vorbildlichen Bayern und den Schlusslichtern Berlin und Bremen auf Rang sechs. Auf Kreise und Städte heruntergebrochen liegt die Spanne bei den Quoten in der Region Trier zwischen 11,8 in der Stadt und vergleichsweise günstigen 7,3 im Landkreis Trier-Saarburg besser als der Durchschnitt. Dagegen gehört die Stadt Pirmasens in der strukturschwachen Westpfalz mit einem Wert von 18,3 sogar bundesweit zu den Schlusslichtern.Nackte Existenzsicherung

Die Schlange bei den Schuldnerberatungsstellen wächst, sagt Jürgen Ziegler, Berater beim Diakonischen Werk in Trier am Rande einer Fachtagung in Mainz. Wartezeiten liegen bei drei Monaten. Bereits bis zum November betreute er mit seinen Kollegen so viele Fälle wie im gesamten Jahr zuvor. Immer öfter geht es in den Gesprächen um nackte Existenzsicherung. "Eine Nachzahlung bei den Energiekosten wirft den ganzen Haushalt um", so Ziegler. Pfändbares Eigentum gibt es im Gegensatz zu früher kaum noch. Auch bei den Caritas-Beratungsstellen im Bezirk zeigt sich laut Harald Herres, dass es immer häufiger um die Sicherung des Lebensunterhaltes und immer weniger um so genannte reine Konsum-Schulden geht. Junge Menschen unter 30 haben teilweise bereits 20 000 Euro Schulden. Dieser Trend hat sich verstärkt, so seine Kollegin Beate Lippert. In landesweit rund 10 000 laufenden Beratungsfällen konnte in jedem zehnten mit einer Entschuldung über Rückzahlpläne oder außergerichtliche Einigung geholfen werden. 2700 mal gab es den Weg in die Privatinsolvenz. Doch nur noch schätzungsweise zwölf Prozent aller überschuldeten Menschen finden den Weg zur Beratung. "Die Betroffenen kommen viel zu spät", klagt Werner Sanio von der Forschungsstelle Schuldnerfachberatung an der Uni Mainz. Schulden sind nach seiner Einschätzung noch immer Tabu-Thema. Die Scheu vor einer möglichen gesellschaftlichen Bloßstellung lässt viele noch tiefer in den Schuldenkreislauf sinken, statt sich um Hilfe zu bemühen. Bis zu zwanzig Prozent der Jugendlichen haben massive Geldprobleme. Sanio baut auf Online-Angebote wie meine-schulden.de, um erste Kontakte zu schaffen. Zunehmend in finanzielle Bedrängnis gebracht werden Arbeitnehmer auch nach seiner Erfahrung durch den Trend zu Billig-Jobs.