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Schwarze Teerkolonnen aus Irland

TRIER. Sie kommen, klingeln und beginnen ungefragt mit ihrer illegalen Arbeit: Teerkolonnen. Derzeit sind wieder mehrere Gruppen irischer Schwarzarbeiter in der Region unterwegs. Von unserem Redakteur <br>BERND WIENTJES

InHermeskeil, Daun und Trittenheim sind die "Schwarz-Teerer" ausGroßbritannien bereits aufgetaucht und haben Höfe und Einfahrtengeteert. Die Masche ist immer die gleiche: Ein Mitglied derKolonne kundschaftet ideale Kunden aus - meist abgelegeneBauern- oder Winzerhöfe -, dann kommt die in der Regelachtköpfige Gruppe, klingelt beim vermeintlichen Auftraggeber,erzählt, dass sie von einer größeren Baumaßnahme noch Teer übrighabe, der schnell verarbeitet werden müsse. Jetzt sei dieGelegenheit preisgünstig den Hof asphaltiert zu bekommen. Währendder Kopf der Gruppe noch auf den Hausherrn einredet, fangen dierestlichen Iren an, den Hof oder die Einfahrt zu lockern und denTeer aufzutragen - oft schon, bevor sich der "Auftraggeber"überhaupt entscheiden kann. Geld wird direkt eingetrieben

Für einen Quadratmeter verlangen die Teer-Trupps Preise zwischen 15 und 55 Euro. Das Geld wird unmittelbar danach von einem weiteren Mitglied eingetrieben - und das nicht gerade zimperlich. Wer sich weigert zu zahlen, dem wird unverhohlen gedroht: "Ich komme wieder, dann mache ich dich kalt", wurde ein Auftraggeber im Kreis Daun von einem breitschultrigen, großen Iren eingeschüchtert.

"Das ist klare Nötigung", erklärt Wolfgang Hohl, Sachgebietsleiter beim Hauptzollamt Koblenz, Außenstelle Trier, die sich mit den Fällen beschäftigt. Bislang ist es nach Erkenntnissen der Zollfahnder bei der Androhung von Gewalt geblieben.

Doch das noch dickere Ende kommt noch: In fast allen Fällen sind die Arbeiten so dilettantisch ausgeführt - der Teer wird meist ohne entsprechenden Unterbau aufgetragen und lediglich mit einer Mini-Walze gefestigt -, dass jeder Euro für die Arbeiten zu viel ist. Schon nach kurzer Zeit treten bei den asphaltierten Flächen Risse auf. Doch dann sind die "hilfsbereiten" Iren längst über alle Berge. Meistens handelt es sich um Mitglieder irischer Familienclans. In überdimensionalen Wohnmobilen halten sie sich auf Campingplätzen in der Nähe auf. Für ein halbes Jahr bleiben sie in Deutschland. Wird es ihnen in einer Region "zu heiß", weil Polizei und Zoll hinter ihnen her sind, wechseln sie ihren Standort und ziehen ins nächste Bundesland.

Geschätzte 30 000 Euro Tages-Umsatz machen die Iren mit dieser Masche. Rund 15 000 Euro stünden dem Fiskus an Mehrwert- und Lohnsteuer zu. Doch da die Firma, die hinter den Teerkolonnen steht, nicht in Deutschland gemeldet ist - ein Verstoß gegen das Arbeitnehmer-Entsendegesetz -, haben es Zollfahnder und Polizei schwer jemanden haftbar zu machen. Eine Londoner Firma mit Namen Roxy Developments steht hinter den derzeitigen Teerkolonnen - eine Briefkastenfirma, davon sind die Zollfahnder überzeugt. Außerdem teeren die Iren schwarz, da sie nicht in der deutschen Handwerkerrolle eingetragen sind und daher nicht in Deutschland arbeiten dürften.

Mittlerweile, so glauben die Zollfahnder, bekommen die Teerkolonnen nur noch in ganz wenigen Asphalt-Mischwerken in der Region überhaupt Baumaterial für ihr illegales Schaffen. Wenn doch der heiße Teer gegen Bares auf den irischen LKW fließt, ist es auch ein Geschäft für die Mischwerke.

"Wir werden meistens zu spät von den Betroffenen angerufen", beschreibt Zollbeamter Hohl das Problem, warum die Kolonnen in den seltensten Fällen inflagranti erwischt werden können. Wenn die Fahnder bei den Betroffenen eintreffen, sind die Iren längst über alle Berge.

Viel ausrichten können Polizei und Zoll sowieso nicht. Da die Iren aufgrund des freien Arbeitsmarktes innerhalb der EU keine Arbeitserlaubnis brauchen, können allenfalls Bußgelder von bis zu 25 000 Euro verhängt werden - wegen Verstoßes gegen das Arbeitnehmer-Entsendegesetz. Rein rechtlich könnte der "Auftraggeber" auch belangt werden, weil er wissentlich Schwarzarbeiter beauftragt hat. Doch in der Regel gehen die Geschädigten straffrei aus: "Die sind gestraft genug", sagt Hohl im Hinblick auf die Schäden. Er warnt jedoch ausdrücklich davor, Aufträge an die Kolonnen zu vergeben. Wenn die Teer-Kolonnen auftauchen, sollten sie ans Zollamt gemeldet werden.