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Schwieriges Weinjahr mit Happy End

Schwieriges Weinjahr mit Happy End

BERNKASTEL-KUES. Zufriedene Gesichter bei den meisten Moselwinzern. Der 2004er schneidet qualitativ viel besser ab als zunächst gedacht. Die Rieslinglese läuft derzeit auf vollen Touren, sogar Spitzenweine werden erwartet.

Wer hätte das gedacht: Nach einem eher durchwachsenen Sommer mit viel Regen und einigen kühlen Wochen wird der 2004er dennoch als guter Jahrgang in die Chronik eingehen. Das belegen zumindest die Qualitäten der bislang gelesenen Trauben. Seit Anfang dieser Woche wird die Hauptrebsorte Riesling gelesen. Einige Weingüter zögern sogar noch etwas mit der Ernte, um in den Steillagen Spitzenweine ernten zu können. Diese sind durchaus möglich, denn schon jetzt wurden in den sehr guten Lagen Mostgewichte von 90 Grad Oechsle und mehr gemessen.Spritzig, fruchtig und sehr aromatisch

Nach dem Jahrhundertjahrgang 2003, der sich durch enorm hohe Alkoholgehalte und niedrige Säurewerte auszeichnet, wird der 2004er wieder ein typischer Mosel: spritzig, fruchtig und vor allem sehr aromatisch. Möglich macht dies die relativ späte Reife. Die Trauben haben sehr lange Zeit Aromastoffe einzulagern, was sich später im Wein in hohen Extraktwerten widerspiegelt. Hans-Bernd Pütz, Weinbauberater in Bernkastel-Kues: "Die im Sommer gut verteilten Niederschläge und die späte Reife - das ergibt sehr mineralische Weine." Dennoch gibt es in diesem Jahr einige Schattenseiten. Wegen des feuchten Sommers konnten sich Pilzkrankheiten sehr rasch ausbreiten. Leidtragende waren vor allem die Ökowinzer, die der neu auftretenden Pilzkrankheit Schwarzfäule fast machtlos gegenüberstanden. Die Folge: geringer Ertrag, sowohl in der Menge als auch in der Qualität. Aber auch einige konventionell wirtschaftende Winzer mussten Einbußen hinnehmen, dann nämlich, wenn sie den richtigen Spritzzeitpunkt versäumten. Pütz: "Es gibt enorme Unterschiede. Manche Weinberge sind noch schön grün, andere schon ganz vergilbt." Die Weinberge mit gesunden Blättern können noch assimilieren und Zucker in den Trauben einlagern. Ein weiteres Hinauszögern der Lese ist in diesem Jahr auch wegen der noch relativ hohen Säurewerte sinnvoll. Weinbauberater Pütz erklärt: "Nicht allein ein hohes Mostgewicht ist entscheidend, sondern mehr die physiologische Reife der Trauben. Es kommt auf ein ausgewogenes Verhältnis beider Werte, Säure und Mostgewicht, an." Vor allem die auf Spitzenqualitäten setzenden Weingüter der Mittelmosel gehen daher zurzeit noch eher zögerlich vor. Sie lesen sehr selektiv, um den noch gesunden Trauben die Gelegenheit zu geben, Zucker einzulagern und Säure abzubauen. Wer einen solchen Aufwand betreibt, kann auch in diesem Jahr hochwertige Auslesen ernten. Bei der Winzergenossenschaft Moselland eG in Bernkastel-Kues, die rund 20 Prozent der an der Mosel erzeugten Weine aufnimmt, laufen jetzt die Weinpressen in den Annahmestationen rund um die Uhr. Wolfgang Mertes, technischer Direktor, ist von den guten Qualitäten der eingebrachten Trauben überrascht. Die Mostgewichte beim Riesling liegen im Schnitt bei 80 Grad. Mertes: "Das ergibt hochwertige Qualitätsweine. Weine, die wir sehr gut vermarkten können." Gut angenommen von den Winzern werden laut Mertes die qualitätsorientierten Projekte der Winzergenossenschaft. Das heißt, Winzer erhalten eine Prämie, wenn sie ertragsreduzierende Maßnahmen im Weinberg durchführen. Die Winzer ernten weniger, dafür aber bessere Qualitäten. Dies belohnt die Moselland eG mit deutlich höheren Auszahlungspreisen. Laut Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel-Saar-Ruwer, dürfte der 2004er problemlos vermarktbar sein. Die Gesamtmenge der Ernte an der Mosel wird bei rundeiner Million Hektoliter Weinmost liegen. Die Keller der Winzer, der Kellereien und der Genossenschaft sind gut geräumt, so dass es auch keine Unterbringungsschwierigkeiten geben wird. Allerdings werden die großen Weinbaugebiete Rheinhessen und Pfalz, die insgesamt fast über die fünffache Rebfläche der Mosel verfügen, in diesem Jahr stark auf den Markt drücken. In früheren Jahren war die Mosel traditionell der Lieferant für Riesling-Sektgrundweine. Dieser Markt wird immer mehr von Rheinhessen und der Pfalz bedient.