"Seehofer muss Milchbauern stärken"

"Seehofer muss Milchbauern stärken"

Der Präsident des Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, rechnet nicht mit einem Scheitern des "Milchgipfels" bei Agrarminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag. Das sagte er im TV-Interview.

Berlin. (has) Ein Vertreter der Bundesregierung könne nicht die Butterpreise festlegen. Das sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner im Gespräch mit unserem Korrespondenten Hagen Strauß. Herr Sonnleitner, Donnerstag lädt Minister Seehofer zum Milchgipfel ein. Was erwarten Sie von dem Treffen?Gerd Sonnleitner: Es ist völlig klar, dass ein Vertreter der Bundesregierung keinen Butterpreis festsetzen kann. Darüber müssen die Marktbeteiligten verhandeln. Vom Bundesminister Seehofer erwarten wir, dass er die Position der Milchbauern und ihrer Molkereien gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel politisch stärkt. Hierzu gehört die Unterstützung längst überfälliger struktureller Veränderungen der deutschen Molkereiwirtschaft. Auch ist die Milcherzeugung besonders in benachteiligten Regionen sicherzustellen Als Mitglied der Bundesregierung ist der Bundesminister auch gefordert, die Bauern steuerlich zu entlasten, damit die Kostenlawine gestoppt wird. Hierzu gehört endlich eine Entlastung der Besteuerung beim Agrardiesel auf ein europäisch verträgliches Maß. Eine weitere Forderung zur Kostensenkung ist, über Brüssel den Import eiweißhaltiger Futtermittel zu erleichtern.Wie wahrscheinlich ist ein Scheitern der Gespräche — und droht dann ein erneuter Lieferboykott?Sonnleitner: Warum sollten die Gespräche scheitern? Neben dem Gipfel mit den Milcherzeugern wird es noch Gespräche mit Molkereien und Handel geben. Unsere Vorschläge an Bundesminister Seehofer liegen auf dem Tisch. Für unsere Milchbauern ist entscheidend, dass sie politisch umgesetzt werden. Die Diskussionen zur Überprüfung der EU-Agrarpolitik in Brüssel werden für Minister Seehofer zur Nagelprobe. Hier muss er sich für die Interessen der deutschen Milchbauern nachhaltig und erfolgreich einsetzen.Der Verbraucher ist ja durchaus bereit, mehr für Milch zu bezahlen. Warum ziehen die Konzerne nicht wirklich mit?Sonnleitner: Aldi, Lidl & Co. haben die Preise für Milch nach den Protesten der Milchbauern angehoben. Jetzt gilt es, diese Preiserhöhungen auch bei allen anderen Milchprodukten in den Verhandlungen der Molkereien mit dem Lebensmittelhandel durchzusetzen. Wir erkennen Zeichen des Lebensmitteleinzelhandels, dass er — nicht zuletzt auch durch die mittelfristige Marktentwicklung — dazu bereit ist. Zudem haben die Discounter in großen Anzeigen ihr soziales Gewissen in den Vordergrund gestellt. Dann müssen sie dies auch für die Milchbauern spürbar umsetzen.Wie werden sich die Lebensmittelpreise weiterentwickeln?Sonnleitner: Wir gehen davon aus, dass sich die Preiserhöhungen bei Lebensmitteln 2008 ungefähr im Rahmen der Inflation abspielen werden. Neben Preiserhöhungen wird es auch sinkende Preise bei saisonalen Lebensmitteln geben.