Seiner Zeit voraus

Er war eine der größten Trierer Unternehmer-Persönlichkeiten, auch wenn das in seiner Heimatstadt nur wenige wussten: Albert Gschwendner, der sein Tee-Imperium einst an der Mosel startete, ist im Alter von 56 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Trier. Der Sohn einer Lebensmittelhändlerin war das, was man gemeinhin einen Selfmademan nennt: Keine klassische Unternehmerlaufbahn mit BWL-Studium, stattdessen Hauptschulabschluss in Heiligkreuz, Berufsschule, Privatschule Eberhard. Im Jugendzentrum Mergener Hof war er beliebt als Betreuer für Skifreizeiten - mit "Abbi" zu fahren, galt als besonderes Vergnügen.

Auch wenn es klingt wie gut erfunden: Seine Geschäftsidee entstand tatsächlich bei dem vergeblichen Versuch, Mitte der 70er Jahre in Trier qualitätsvollen Tee einzukaufen. Es war eine Zeit, da hierzulande ein Darjeeling im Kochbeutel als höchstes der Gefühle galt - entsprechend wurde der Versuch, gemeinsam mit seiner Frau und seinem Bruder 1976 in der Trie rer City ein Fachgeschäft für Tee zu etablieren, belächelt.

Derart selten waren solche Fachgeschäfte, dass man sich einfach nur "Der Teeladen" nannte - es bestand ohnehin mangels Konkurrenz keine Verwechslungsgefahr. Doch Trier zeigte sich, wie gewohnt, skeptisch gegenüber Erneuerungen aller Art, und der erste Anlauf scheiterte.

Albert Gschwendner gründete mit seinem Bruder Karl einen Tee-Großhandel und eröffnete weitere Fillialen. 1982 stellte man auf "Franchising" um: Selbstständige Partner übernahmen das Geschäft vor Ort, die Ware und die Philosophie lieferte die Firmenzentrale, die in Meckenheim bei Bonn eingerichtet wurde. Zu Trier gab es seither - außer dem Geschäft vor Ort - nicht mehr viele öffentliche Verbindungen.

Jahr für Jahr stieg die Zahl der Franchise-Nehmer, Albert Gschwendner wurde zum Tee-Papst mit 120 Ablegern in aller Welt - bis nach Brasilien und in den Nahen Osten. 1999 ersetzte man den Namen "Der Teeladen" durch "TeeGschwendner", um in einem ständig gewachsenen Markt das eigene Profil nach außen deutlich zu machen.

Konsequent blieb Gschwendner auch bei seinem Engagement für Nachhaltigkeit, Ökologie und soziale Belange. Seine Idee, Tee als Erlebnis zu verkaufen, umfasste auch ein Verantwortungsgefühl für das Entstehen des Produktes. 1993, als noch kaum jemand von "fair gehandelten" Waren sprach, arbeitete er bereits mit der Aktion "TransFair" zusammen. Er gehörte zur "Unternehmer-Initiative des deutschen Naturschutzbundes", unterstützte den Aufbau in Südafrika.

Sein letztes Auftreten in der Region hatte er bei einem Unternehmerforum 2007. Nicht in seiner Heimatstadt Trier, sondern in Wittlich. Extra TeeGschwendner: Das Franchise-Unternehmen "TeeGschwendner" verfügt über knapp 120 Fillialen, die meisten davon in Deutschland, aber auch in den USA, Brasilien oder der Schweiz. Die Systemzentrale hat 90 Mitarbeiter, über 1000 sind in den einzelnen Fachgeschäften tätig. Das Unternehmen hat etliche Preise für sein ausgeklügeltes Netzwerk erhalten. In jedem Gschwender-Teeladen gibt es rund 350 Teesorten. In der eigens gegründeten TeeGschwendner-Akademie werden seltene Berufsfelder wie "Tee-Sommelier" angeboten. Der Jahresumsatz liegt im Schnitt bei 65 Mio. Euro. (DiL)

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