Selbstläufer im Osten

TRIER. Zufriedene Gesichter bei der Sektkellerei Schloss Wachenheim AG. Angesichts der Aufgabe des Wodka-Geschäfts in Polen und einer Sortimentsbereinigung in Deutschland hat der weltweit führende Sekt- und Schaumweinhersteller seine Rentabilität im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2004/2005 gesteigert.

Wenn Nick Reh, Vorstandsvorsitzender von Schloss Wachenheim, bei der heutigen Hauptversammlung in Stuttgart vor die Aktionäre tritt, werden sich die rund 750 Anteilseigner nicht nur über eine gute Verpflegung und ein prickelndes Gastgeschenk freuen, sondern auch über das, was Reh zu berichten hat. Auch wenn der Umsatz zwischen Juli und Dezember 2004 um elf Prozent auf 197 Millionen Euro gesunken ist, so legte das Betriebsergebnis um 20,2 Prozent auf 15 Millionen Euro zu, der Jahresüberschuss sogar um 32,2 Prozent auf 8,7 Millionen Euro.Ergebnis entspricht der Prognose

Hintergrund: Schloss Wachenheim hat das Distributionsgeschäft mit Wodka in Polen abgegeben und sein Sortiment in Deutschland von rund 300 Marken auf nur noch 150 reduziert. "Es war klar, dass damit weniger Umsatz verbunden ist. Dieses Ergebnis entspricht aber unserer Prognose und freut uns natürlich", sagt Nick Reh. Für das Gesamtjahr bis Ende Juni rechnet er gar mit einem Überschuss von zehn Millionen Euro. Schließlich habe das Wodka-Geschäft nicht zum Konzern gehört, dafür aber viel Kapital gebunden. Nun wolle man sich in Osteuropa auf Wein und Sekt konzentrieren, mit denen Schloss Wachenheim in Polen ohnehin schon Marktführer ist. "Hätten wir dies nicht forciert, ginge es uns schlecht", sagt Reh. Denn nur 46,5 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen noch in der Heimat Deutschland, wo der Sektmarkt rückläufig ist und der Konsum bei 3,8 Litern pro Kopf liegt. Kein Wunder, dass Marken mit kleinen Mengen oder Margen vom Sekt bis zum Perlwein ausgemustert wurden. Mit 53,5 Prozent wird über die Hälfte des Umsatzes in mehr als 30 Export-Ländern erwirtschaftet. Immerhin hat Schloss Wachenheim nicht nur in mehreren deutschen Städten wie Trier Produktionsstandorte, sondern auch in Frankreich, Polen, Tschechien, der Slowakei und Rumänien. "In Osteuropa wird zwar nach wie vor gleich viel Alkohol getrunken, der Konsum passt sich aber dem im Westen an. Vom Wodka hin zu Wein und Sekt", sagt der Schloss Wachenheim-Chef. "Der Markt ist quasi ein Selbstläufer." Dies soll auch der Börsengang der polnischen Tochterfirma Ambra im Mai werden, die das Osteuropa-Geschäft des Konzerns bündelt. 40 bis 50 Millionen Euro Emissionserlöse erwartet Reh, die zur Hälfte in die Erschließung der dortigen Märkte und in die Kredittilgung gehen sollen. "Wir sehen Osteuropa zwar nicht als verlängerte Werkbank an, aber doch als Markt, in den man gezielt investieren kann", sagt Nick Reh und verweist auf die angestrebte Beteiligung an einer Moskauer Kellerei. In Deutschland sei dagegen die Wachstumsgrenze erreicht, auch wenn das Unternehmen hierzulande die Nummer drei der Branche ist. Man wolle die Mitarbeiterzahl zwar konstant halten (Trier rund 150), Investitionen seien aber nicht zu erwarten. Dass die Wirtschaft das Engagement des Sekt-Herstellers zu schätzen weiß, zeigt ein Blick auf den Aktienkurs: Immerhin wird die Wachenheim-Aktie bereits seit 1948 an der Börse gehandelt. Allein zwischen Juni 2003 und Juni 2004 stieg der Kurs um 50 Prozent. Derzeit liegt er bei rund 11,70 Euro je Aktie, der Gewinn bei 1,14 Euro.