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Sendeschluss für regionales Privatfernsehen

Sendeschluss für regionales Privatfernsehen

Das Experiment eines privaten Fernsehsenders für die Region Trier ist gescheitert. Der Lizenzinhaber Funkhaus Saar hat seine Zulassung noch vor dem Sendestart zurückgegeben. Und die Medienaufsichtsbehörde des Landes hat endgültig die Nase voll.

Trier. Als die Versammlung der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Ende Juni 2010 der Funkhaus Saar GmbH den Zuschlag für ein regionales Fernsehprogramm erteilte, da war Manfred Helmes voll des Lobes. "Ich bin zuversichtlich, dass mit diesem besonnenen Veranstalter auch in der Region Trier/Eifel das möglich wird, was sich in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz schon seit Jahren bewährt hat", freute sich der damalige LMK-Direktor.
Es war ein Trugschluss, wie gut anderthalb Jahre später feststeht. Auch dem neuen Trierer Fernsehsender ging es nicht anders als seinen vielen Vorgängern. "Wir haben die Lizenz zurückbekommen", bestätigte LMK-Sprecher Joachim Kind am Montag auf Anfrage unserer Zeitung. Das Besondere daran: Der neue Regio-Fernsehsender war noch nicht eine Sekunde auf Sendung. "Lokalfernsehen in so kleinen Märkten ist einfach nicht wirtschaftlich", sagte Funkhaus-Saar-Geschäftsführer Florian Schuck dem TV. Sein Unternehmen betrieb bis Ende Januar mit Citi.TV auch den einzigen privaten Regionalfernsehsender im Saarland. Vor einer Woche wurde auch dieser Sender abgeschaltet, gab Schuck die Lizenz vorzeitig der Medienaufsicht zurück. Begründung: nicht mehr finanzierbar, weil die Werbeeinnahmen fehlten.
Über das Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben war drei Jahre zuvor auch das Vorgängermodell Saar TV gestolpert; der Betreiber meldete Insolvenz an. Im gleichen Jahr musste auch der umtriebige Chef des privaten Trierer Fernseh- und Radiosenders Antenne West, Sven Herzog, den bitteren Gang zum Insolvenzgericht antreten. Im November 2009 war auf den regionalen Antenne-West-Radiofrequenzen nur noch Rauschen zu hören; und auf der Fernseh-Frequenz flimmerte ein Testbild.
Für die über 40 000 regionalen Kabelhaushalte, die den Sender zwischen Trier, Bitburg und Wittlich zuvor empfingen, ein Déjà-vu-Erlebnis: Auch die drei Vorgängersender von Antenne West ("Fernsehen in Trier" und zwei Mal "Trier Plus") hatten mangels Kleingeld den Sendebetrieb eingestellt.
Inzwischen hat auch die für die Lizenzvergabe zuständige LMK in Ludwigshafen ihre Lehren aus der Handvoll Trierer Fernsehabstürze in den vergangenen zwei Jahrzehnten gezogen. "Es ist traurig, und wir bedauern das", sagt Sprecher Joachim Kind, "aber die Fernsehlizenz für die Region Trier wird nicht mehr neu ausgeschrieben."Meinung

Kein Grund für Trübsal
Die Verantwortlichen der Landesmedienanstalt haben lange gebraucht, um zu merken, dass mit einem regionalen privaten Fernsehsender kein Staat zu machen ist - jedenfalls nicht in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz und in einer recht dünn besiedelten Region wie der Trierer. Der Werbekuchen ist einfach zu klein, und die Kosten für den Betrieb eines Fernsehsenders sind zu hoch. Erst nach fünf Anläufen und vier Pleiten verschwindet die Trierer Lizenz wohl für immer in der Schublade. Müssen die Zuschauer das bedauern? Kaum. Was in diesen zwei Jahrzehnten über die Bildschirme flimmerte, war größtenteils leichte Kost ohne Nährwert. r.seydewitz@volksfreund.deExtra

Die Funkhaus Saar GmbH gehört zur Kaiserslauterner Radiogroup, die bundesweit 15 private Hörfunksender betreibt, darunter in Trier und Wittlich. In diesem Quartal soll endlich auch das von der rheinland-pfälzischen Medienaufsicht vorgeschriebene Radio Bitburg auf Sendung gehen. "Es gab technische Probleme", begründet ein Radiogroup-Sprecher die Verzögerung. sey