1. Region
  2. Wirtschaft

Sieben Firmenpleiten mehr

Sieben Firmenpleiten mehr

Erstmals seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa deutlich gesunken. In der Großregion passt die Situation in Luxemburg zu diesem Trend, in der Region Trier gibt es indes einen deutlichen Anstieg. Dies hat die Wirtschaftsauskunftei Creditreform ermittelt.

Trier/Luxemburg. Die Zahl der Firmenpleiten in Westeuropa geht tendenziell zurück: In den EU-15-Ländern zuzüglich Norwegen und der Schweiz wurden im Jahr 2014 insgesamt 179 662 Unternehmensinsolvenzen registriert. Zu den EU-15 gehören alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union vor der sogenannten Ost-Erweiterung im Jahr 2004. Im Vergleich zum Vorjahr (189 855 Insolvenzen) verringerte sich die Zahl der Fälle um 10 193 Fälle beziehungsweise um 5,4 Prozent.
Auch in der Eurozone verringerten sich die Insolvenzzahlen (147 649 Fälle; minus 4,6 Prozent).
Die Lage in der Region Trier


In der Region kann zumindest für den Zeitraum Januar bis Mitte Mai 2015 nicht von einer Entspannung gesprochen werden.
In diesem Jahr ist ein Anstieg bei den Firmeninsolvenzen im Vergleich zum Betrachtungszeitraum 2014 festzustellen.
In Zahlen: 65 Firmeninsolvenzen gegenüber 58 in 2014. Dies entspricht einer Steigerung von 12,07 Prozent. "Nur das Insolvenzgericht in Trier kann sich über einen Rückgang bei Insolvenzanträgen freuen. Im Verwaltungsbezirk der Insolvenzgerichte Wittlich und Bitburg ist ein besonders starker Negativtrend zu konstatieren", sagt Herbert Eberhard, Geschäftsführer Creditreform Trier, dem Volksfreund.
Luxemburg weiter gut


Der positive Trend in Bezug auf abnehmende Konkurszahlen in Luxemburg, der seit 2012 anhält, setzt sich auch in 2015 (Januar - Mitte Mai 2015) mit insgesamt 306 Konkursen gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum 2014 mit 330 Konkursen fort.

Entwicklung nach Branchen


In allen vier Hauptwirtschaftsbereichen in Europa waren weniger Insolvenzen zu verzeichnen. Stark ausgeprägt war die Positiventwicklung im Verarbeitenden Gewerbe, wo die Insolvenzzahl binnen eines Jahres um 8,5 Prozent sank.
Weiter beruhigt hat sich das Insolvenzgeschehen im Baugewerbe (minus 5,9 Prozent) - europaweit wurden noch etwa 37 000 Insolvenzen von Baufirmen registriert - sowie im Handel (- 3,6 Prozent).
Ein Großteil der Insolvenzfälle entfiel erneut auf den Dienstleistungssektor (66 300 Fälle/37 Prozent aller Insolvenzen). Handel und Gastgewerbe machen knapp ein Drittel aller Unternehmensinsolvenzen aus (31,7 Prozent), das Baugewerbe ein Fünftel (20,6 Prozent).
Gegen den Trend verzeichnete Frankreich mehr Bauinsolvenzen. Mehr Pleiten im Handel und Gastgewerbe gab es in Österreich und der Schweiz.Extra

Deutlich spürbar sind die Nachwirkungen der jahrelangen Wirtschafts- und Finanzkrise in den GIIPS-Staaten (Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien). Der Anteil dieser Ländergruppe an allen Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa hat sich zwischen 2008 und 2014 von neun auf 17,4 Prozent nahezu verdoppelt. Dagegen hat sich der Anteil Deutschlands am europäischen Insolvenzgeschehen auf 13,4 Prozent verringert. 2008 waren es noch 19,8 Prozent. In den GIIPS-Ländern liegen die Zahlungsfristen bei einem leicht positiven Trend bei 84,4 Tagen. In Großbritannien (Forderungslaufzeit: 39,7 Tage), Benelux (52,3 Tage) sowie in Österreich/Schweiz (33,3 Tage) müssen sich Lieferanten länger gedulden als im Vorjahr. In Deutschland (27,4 Tage) sind die Forderungslaufzeiten gesunken. hw