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Signal steht auf Vermittlung

Signal steht auf Vermittlung

TRIER. Nach dem Aus der Drahtcord-Herstellung im Trierer Michelin-Werk Ende 2005 werden von 285 Mitarbeitern nur noch 90 übrig bleiben. Für 137 Beschäftigte ist nun nach langen Verhandlungen ein Sozialplan verabschiedet worden. Die restlichen 68 gehen in Vorruhestand und Altersteilzeit, oder ihr Zeitvertrag läuft aus.

Wie am Ende aller dieser schwierigen Verhandlungen, so hätten auch Betriebsrats-Chef Klaus Lex und Gewerkschaftsvertreter Richard Henkes (IG Bau, Chemie, Energie) gerne noch mehr für die 137 Mitarbeiter des kleinsten von fünf deutschen Michelin-Werken herausgeholt. "Mit einem Sozialplan kann man nie zufrieden sein, weil viele ihre Arbeitsplätze verlieren", sagt Lex. Doch angesichts einer höheren siebenstelligen Summe für Abfindungen und Transfer spricht selbst Henkes von einem "Vorbild-Abschluss mit Signalwirkung für die Branche". Vorbild insofern, als dass die Abfindungsformel "zum oberen Drittel in der Industrie" (Lex) gehört, aber auch, weil alle 137 Betroffenen in ihrer Arbeitszeit an einer Transfermaßnahme teilnehmen können.Aus Trier kommen nur noch Wulstkerne

Die wird von der Firma K & R Implacement GmbH und der Trierer Agentur für Arbeit organisiert und soll die Mitarbeiter schulen und laut dem Prinzip "von der Arbeit in die Arbeit" nach ihrem Ausscheiden bei Michelin gleich in neue Jobs vermitteln helfen. Weitere Vereinbarung ist es, die acht Azubis zu halten und auch künftig gleich viele junge Leute einzustellen. "Die Vermittlung hat für uns jetzt oberste Priorität", sagt der Betriebsrats-Vorsitzende. Es gehe darum, den Beschäftigten die Angst vor der ersten Bewerbung zu nehmen und interessierten Firmen zu zeigen, dass das Team hoch motiviert sei. "Keiner bleibt sich selbst überlassen." "Viele Mitarbeiter sind gut qualifiziert. Wir sehen große Chancen", ist Michelin-Sprecher ThomasBecki überzeugt. Die Fertigung von Drahtcord als Vorprodukt der Reifenherstellung werde eingestellt, weil der Trierer Standort im globalen Wettbewerb Drahtcord nicht mehr konkurrenzfähig habe herstellen können, sagt Becki. Ironie des Schicksals: In der Produktivität liegen die Trierer Teams bei durchschnittlich 105 Prozent, produzieren allerdings teurer als ihre Konkurrenten. Am 34 Jahre alten Trierer Standort verbleibt noch der Produktionsbereich "Wulstkern" mit 90 Mitarbeitern und dient als Zulieferbetrieb für die Reifenproduktion in Karlsruhe, Homburg, Bad Kreuznach und Hallstadt.