Smarte Fernseher, vernetztes Heim

Smarte Fernseher, vernetztes Heim

Flachbildschirme, Smartphones und vernetzte Haushaltsgeräte sind normalerweise die Stars der Elektronikbranche. Im vergangenen Jahr hat aber vor allem ein neuer Übertragungsstandard beim Antennenfernsehen dafür gesorgt, dass die Kassen klingeln.

Berlin (dpa) Die Branche der Unterhaltungselektronik startet kurz vor der IFA in Berlin mit positiven Erwartungen ins zweite Halbjahr. Das Konsumklima befinde sich derzeit auf einem 16-Jahre-Hoch, sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der Unterhaltungselektronik in Deutschland(gfu), am Donnerstag in Berlin. Auch die Konjunkturerwartung habe Aufwind. Im ersten Halbjahr legte die Branche insgesamt um 2,4 Prozent zu. Wichtige Treiber waren etwa das Geschäft mit Smartphones und Fernsehgeräten. Kamp erwartet, dass die Entwicklung die aktuell guten Prognosen für das Gesamtjahr noch übertreffen werde.
Die IFA in Berlin startet offiziell am 1. September und will wieder eine Fülle an Innovationen und Neuheiten präsentieren. Es gebe in Europa keine größere Messe für digitale Technologien, sagte IFA-Direktor Jens Heithecker. In diesem Jahr will die Messe erneut viel Raum für junge Start-ups und Innovatoren zur Verfügung stellen. Neu etwa ist das Format IFA Next, das in Halle 26 Forschern und Entwicklern, aber auch Amazons Sprachassistentin Alexa sowie IBM eine Bühne geben soll.
Bei den Fernseh-Geräten, traditionell die Aushängeschilder der Branche, stehe bei den Kunden inzwischen die Bildqualität mit verbesserter Auflösung bei den Kaufkriterien an erster Stelle, sagte Kamp. Dahinter folgt der größere Bildschirm. Zudem habe sich eine hohe Ausgabebereitschaft für hochwertige Fernseh-Geräte gezeigt. Der Umsatzzuwachs von 3,1 Prozent im ersten Halbjahr sei vor allem der Abschaltung des analogen Signals in drei Bundesländern sowie dem Umstieg des terrestrischen Signals auf den neuen Standard DVB-T2 geschuldet gewesen. Allein das Geschäft mit Settop-Boxen, die für den Empfang von DVB-T2 notwendig sind, legte um 255,3 Prozent zu. Zum zehnten Mal haben auf der IFA neben der Unterhaltungselektronik auch Hausgeräte, die sogenannte weiße Ware, ihren Platz. Heute sehe man, dass diese Erweiterung eine wichtige und richtige Entscheidung gewesen sei, sagte Kamp.
Seit 2008 belegt das Segment immer mehr Fläche, die Anzahl der Hallen ist von vier auf elf gewachsen. Die Zahl der Aussteller stieg auf das Dreifache. Elektro-Groß- und Kleingeräte profitierten seither zudem von den schnellen Innovationszyklen im Zuge der Digitalisierung der Branche. Im ersten Halbjahr erzielte die Branche zusammen über 6,6 Milliarden Euro Umsatz.
Allein die Vielzahl neuer Entwicklungen mache es dieses Jahr schwer, die Trends auszumachen, sagte Heithecker. Ultraflache Fernsehgeräte werden aber ebenso dazu gehören wie Kameras für 360-Grad-Aufnahmen, 3-D-Drucker, vernetzte Heime, Drohnen sowie Fitness-Armbänder, sprechende Waschmaschinen und selbst bestellende Kühlschränke. Flankiert wird die Schau unter dem Berliner Funkturm wieder traditionell mit einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm sowie Eröffnungsreden prominenter Vertreter der Technologie- und Internet-Branche wie Chengdong Yu von Huawei, dem Fitbit-Gründer James Parker sowie Manager von Microsoft, die über Mixed Reality, Sprachsteuerung und künstliche Intelligenz sprechen werden. Am Rande der IFA findet außerdem vom 3. bis 5. September die Android-Entwicklerkonferenz Droidcon im CityCube statt. Zur der Konferenz werden mehr als 1000 Softwareentwickler und Android-Experten erwartet.
Extra: DIE MESSE UNTER DEM FUNKTURM IN BERLIN


(dpa) Die IFA in Berlin zählt zu den ältesten Industriemessen in Deutschland und gilt heute auch international als Leitmesse für Unterhaltungselektronik und Hausgeräte. Sie ist zwar eine wichtige Order-Messe für den Handel, richtet sich aber explizit an ein breites Publikum. Damit unterscheidet sie sich von Fachmessen wie der CES in Las Vegas. Seit 2005 findet die IFA nicht mehr alle zwei Jahre, sondern jährlich statt. Auf großen Wunsch der Hersteller kamen im Jahr 2008 auch erstmals Haushaltsgeräte hinzu. Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung der Produkte aus der Unterhaltungselektronik sind inzwischen auch viele Hersteller aus der traditionellen PC-Branche auf der Messe vertreten. Die erste "Große Deutsche Funkausstellung" fand in Berlin im Dezember 1924 mit 268 Ausstellern und 170 000 Besuchern statt. 1930 sprach Albert Einstein ein Grußwort zur Eröffnung, das über Rundfunk übertragen wurde. Heute bezeichnet sich die Messe nicht mehr als Internationale Funkausstellung, sondern nennt sich offiziell IFA mit dem Zusatz "Consumer Electronics Unlimited". In diesem Jahr findet die Messe unter dem Funkturm offiziell vom 1. bis zum 6. September statt.

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