So gelingt der Wiedereinstieg ins Berufsleben

Arbeitswelt : So gelingt der Wiedereinstieg ins Berufsleben

Mit der Kampagne „Einstellungssache – Jobs für Eltern“ will die Arbeitsagentur mehr Menschen nach der Familienphase zur Rückkehr in den Beruf motivieren. Eine Mutter, bei der es funktioniert, ist Ramona Schend-Dickel aus Bodenbach.

  Der neunjährige Julian darf in den Schulferien auch mal mit, wenn seine Mutter ihren Job im Regina-Protmann-Stift ausübt, einer Wohn- und Pflegeeinrichtung für Senioren in Kelberg. „Da habe ich schon beim Plätzchenbacken mitgeholfen“, erzählt er und findet die Begegnung mit den älteren Menschen sehr „okay“. Für die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin Ramona Schend-Dickel, die nach 18 Jahren zurück ins Berufsleben wollte, ist das Arrangement mit ihrem Arbeitgeber sogar mehr als okay. Zuvor stand nicht nur die Erziehung von insgesamt drei Kindern auf ihrem Programm, sondern etliche Jahre lang auch die Pflege ihrer Schwiegereltern. Dabei hatte sie gemerkt, dass ihr der Umgang mit Hochbetagten liegt.

„In meinem ursprünglichen Beruf und in der Region hätte ich niemals eine Teilzeitstelle bekommen“, ist sie sicher. Im Regina-Protmann-Stift wurde sie fündig, absolvierte eine entsprechende Ausbildung zur Betreuerin und kann nun problemlos Familienleben und Arbeit verbinden.

Liliana Lindner, Leiterin der Senioreneinrichtung, ist ebenfalls froh, die motivierte Arbeitskraft aus Bodenbach seit sieben Monaten im Team zu haben. „Wir wollen unsere Beschäftigten halten und ermöglichen ihnen flexible Arbeitszeiten oder Urlaubsregelungen. Privates und Berufliches muss vereinbar sein. Wir sondieren gemeinsam mit den Arbeitnehmern, was geht; es ist ein Geben und Nehmen.“ Auch im Bereich der eigentlichen Pflege herrsche daher kein Personalmangel im Stift, aber die Betreuung – Gespräche, Vorlesen, Biografiearbeit, Unterstützung und Begleitung bei Besorgungen und vieles mehr – gehöre ebenso zum Kern der Dienstleistung für die 47 Bewohner. „Die Betreuung entlastet die Pflegekräfte sehr, was wiederum dazu beiträgt, dass sie gute Arbeitsbedingungen vorfinden und nicht abwandern in andere Berufe oder nach Luxemburg.“ An den Rückkehrerinnen ins Berufsleben schätzt die Arbeitgeberin wichtige Eigenschaften: „Sie sind geübt im Multitasking und bleiben im Job gelassener als viele Jüngere. Sie haben in der Familie schon bewiesen, dass sie Sensibilität im Kontakt mit anderen Menschen mitbringen und dass sie für Probleme auch die Lösungen finden können.“

Offenkundig eine klassische Win-win-Situation. „Arbeitgeber denken um“, beobachtet auch Julia Benning, Pressesprecherin der Trierer Arbeitsagentur, „sie wertschätzen immer mehr auch Ältere und Wiedereinsteiger, sie gehen bereitwilliger auf die Bedürfnisse von Arbeitnehmern ein und bieten häufiger auch Telearbeitsplätze oder betriebliche Kitas, damit die Beschäftigten während und nach der Familienphase im Betrieb gut integriert sind.“ Der Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur sei eine wichtige Schnittstelle, um das Potenzial etwa von Berufsrückkehrerinnen zu nutzen und mögliche finanzielle Förderungen zu bekommen.

Die Rückkehrwilligen – nach wie vor weit überwiegend Frauen – können ihrerseits individuelle Beratungen in Anspruch nehmen, um auszuloten, ob der angestammte Beruf noch der optimale ist und ob die Rahmenbedingungen freier Stellen passen. Dazu zählt zum Beispiel die Frage, ob der Verdienst hoch genug ist, um im ländlichen Bereich einen dann notwendigen Zweitwagen zu finanzieren oder ob der Arbeitgeber mit ÖPNV erreichbar ist. Auch wird herausgearbeitet, welche Stärken und Schwächen jemand bei der Rückkehr ins Erwerbsleben mitbringt. „Einerseits gewinnen die Betroffenen während der Familienphase Kompetenzen hinzu, andererseits gilt jemand, der vier Jahre lang nicht in seinem erlernten Beruf tätig war, offiziell als ‚berufsentfremdet‘ und muss oft sowohl Teamfähigkeit wie technische Fertigkeiten neu lernen.“ Dabei helfe die Arbeitsagentur. Wie intensiv diese Angebote in der Region Trier wahrgenommen werden, sei nur schwer bezifferbar, so Benning. „Manchmal wird nur eine Beratungsstunde benötigt, um Klarheit zu gewinnen, manchmal mehr. Es kommt auf die Qualität an, nicht auf die Quantität.“

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