1. Region
  2. Wirtschaft

So schätzt die regionale Wirtschaft ihre Lage ein

Regionale Konjunktur : „Das Glas ist halb voll, nicht halb leer“

Die Wirtschaft in der Region stabilisiert sich im Lockdown. Das ist das Ergebnis der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage. Doch es zeigt sich auch, dass die Branchen unterschiedlich unter der Pandemie leiden.

„Das Glas ist eher halb voll und nicht halb leer“, bewertet Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Trier, das Ergebnis der Kammerumfrage bei ihren Mitgliedsunternehmen. Das Meinungsbild ist diesmal besonders interessant, denn mit dem Befragungszeitraum vom 14. Dezember bis 20. Januar, zeigt sich die Einschätzung der regionalen Wirtschaft mit dem Lockdown light und dem folgenden harten Lockdown. Und das Ergebnis ist insgesamt nicht so erschreckend, wie man vielleicht befürchten musste. Gegenüber dem Herbst ist der IHK-Konjunkturindikator sogar um drei Punkte auf nun 105 Punkte gestiegen. Im Frühjahr lag er noch bei 82 Punkten.

Der Indikator, der die aktuelle Geschäftslage und die mittelfristigen Geschäftserwartungen zusammenfasst, bewegt sich damit weiterhin im neutralen Bereich nahe der 100-Punkte-Marke. In Spitzenjahren, etwa 2011 oder 2018, meldeten die regionalen Unternehmen weit bessere Kerndaten, der Indikator schrammte an der 140er-Marke.

Zudem ist ein Trend zu erkennen, den es in Vor-Corona-Zeiten niemals gab. In der Industrie ist das Konjunkturklima gut (121 Punkte), im Dienstleistungssektor unterdurchschnittlich (96 Punkte) und im Handel schlecht (82 Punkte).

Glockauer ist zumindest erleichtert, dass es in einigen Bereichen recht gut läuft. „Wir brauchen diese Branchen, die jetzt die Wertschöpfung erwirtschaften, damit auch die Unternehmen unterstützt werden können, die der Lockdown so hart trifft“, erläutert Glockauer. Seine Sicht vom halb vollen Glas, belegen die Zahlen: 43 Prozent aller Unternehmen berichten von guten, 33 Prozent von befriedigenden und 24 Prozent von schlechten Geschäften. Der sich daraus ergebende Saldo aus Positiv- und Negativvoten fällt mit +19 Prozentpunkten besser aus als im Herbst (+15). Im Frühjahr hatte er sogar bei -5 Prozentpunkten gelegen.

Während Industrie und Bausektor sich gut schlagen, die Dienstleistungsbranche leicht schwächelt, sieht es im Handel düster aus.

„Wir haben kaum jemals so unterschiedliche Branchenkonjunkturen beobachtet. Im Einzelhandel meldet fast die Hälfte der Befragten schlechte Geschäfte, im Dienstleistungssektor knapp ein Drittel, während es im Produzierenden Gewerbe nur 14 Prozent sind. Besonders gut läuft es für die Vorleistungsgüterhersteller und im Bau“, erklärt IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer fordert Konzepte: „Wie kann der stationäre Einzelhandel wieder öffnen?“ Aus seiner Sicht ist das eine dringliche Aufgabe für die Politik. Die Unternehmen hätten ihre Hausaufgaben vorbildlich erledigt. Schlüssige Hygienekonzepte, neue Absatzwege und -modelle – die mittelständischen Unternehmen in der Region zeigten, dass sie auch in solchen Krisen innovativ seien. „Warum sollte es nicht möglich sein, dass man sich in einem Bekleidungsgeschäft eine Jeans kauft?“ Wenige Leute in einem solchen Haus seien sicher ein geringeres Risiko, als viele Menschen in einem Lebensmitteldiscounter.

Das erwartet die Wirtschaft in den kommenden Monaten: Schlechter als ihre aktuelle wirtschaftliche Lage schätzen die Unternehmen die geschäftlichen Aussichten für den weiteren Jahresverlauf ein. 21 Prozent Optimisten stehen 28 Prozent Pessimisten gegenüber. Die Hälfte der Betriebe erwartet eine Fortsetzung ihrer wirtschaftlichen Aktivität auf dem aktuellen Niveau. Laut IHK blicken die Industrieunternehmen und Großhändler mit einer gewissen Zuversicht nach vorne, während im Einzel- und KFZ-Handel sowie im Dienstleistungssektor Skepsis vorherrscht. Die Investitions- und Beschäftigungsplanungen fallen für 2021 leicht rückläufig aus, was auch daran liegt, dass für 66 Prozent der Unternehmen die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie ein Hauptrisiko darstellt (Herbst 2020: 72 Prozent).

 IHK-Konjunktur
IHK-Konjunktur Foto: TV/Grafik

Für Jan Glockauer ist das keine Überraschung: „Die Ungewissheit darüber, wie es weitergeht, wann die Unternehmen wieder öffnen können und wie sich die Pandemie entwickelt, verunsichert die Unternehmer. Und Unsicherheit drückt sich immer in einer gewissen Skepsis aus.“ Mit einer schnellen Erholung rechnen die IHK-Experten indes auch nicht. Glockauer: „Corona wird die regionale Wirtschaft auch im laufenden Jahr belasten.“ Und IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt sieht ebenfalls einen Aufschwung eher im Jahr 2022. „In Krisen- wie in Hoch-Zeiten hinkt die Region dem bundesweiten Trend meist etwas hinterher.“ In dieser Lage richtet IHK-Chef Glockauer dann auch an die Politik eine klare Forderung: „Die insgesamt ordentlichen Konjunkturwerte dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele vom Lockdown betroffene Unternehmen verzweifelt um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen. Die gute Lage in anderen Branchen macht es leichter, das Sonderopfer, dass die Lockdown-Unternehmen für uns alle bringen, zu entschädigen. Schnelle Sicherung der Liquidität durch ausreichend hohe Zuschüsse ist das Gebot der Stunde.“