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Sorgenkinder des Handwerks

Sorgenkinder des Handwerks

TRIER. Während dieser Tage versucht wird, auch die letzten noch unversorgten Schulabgänger in eine Lehre zu bringen, treibt den Ausbildungsbeauftragten der Handwerkskammer eine andere Entwicklung Sorgenfalten auf die Stirn: Die Zahl der Ausbildungsabbrecher ist in den vergangenen zwei Jahren um 25 Prozent gestiegen.

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen gar nicht so übel aus: Rund 4000 Lehrlinge gibt es seit einigen Jahren im Handwerk der Region. Die Ausbildungsbereitschaft in der Branche liegt mit 34 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Allerdings haben von den 4000 Azubis im Jahr 2003 genau 319 ihre Lehre vorzeitig abgebrochen, im vergangenen Jahr waren das immerhin schon 400. Das sind zwar "nur" zehn Prozent aller Lehrlinge im Handwerk, die nicht durchhalten, aber ihre Zahl hat sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre um 25 Prozent erhöht. "Diese Entwicklung macht uns Sorgen, zumal in der aktuellen Ausbildungslage", sagt Günther Behr, Geschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Trier und zuständig für den Bereich Ausbildung. Denn rund 5000 Bewerber haben sich in diesem Jahr bei der Arbeitsagentur Trier gemeldet, das sind 13 Prozent mehr, die in einen Job vermittelt werden wollen. Warum so viele junge Leute ihr Ausbildungsverhältnis frühzeitig beenden, ist laut Behr schwer zu erklären. Denn für den Arbeitgeber kann es laut dem neuen Ausbildungsrecht zur verhältnismäßig schnellen Lösung nur in der Probezeit kommen, danach ist von betrieblicher Seite meist nur eine außerordentliche Kündigung möglich. Demnach kann von Kammerseite auch nur die von drei auf vier Monate verlängerte Probezeit beleuchtet werden. "Seit der verlängerten Probezeit ist es jedoch nicht zu einem Anstieg von Abbrüchen gekommen. Im Gegenteil, es sind mit 67 im Jahr 2005 sogar weniger als vor der Gesetzesänderung", sagt der Ausbildungsbeauftragte. Für den Lehrling ist es demnach einfacher als für den Arbeitgeber, das Lehrverhältnis abzubrechen. Behr stellt allerdings klar: "Die Abbrecher fallen nicht automatisch alle in ein Loch oder stehen zwangsläufig auf der Straße." Jedoch nehme die Zahl der jungen Leute ohne fachliche Abschlüsse auf dem Arbeitsmarkt zu. Das kann Dirk Müller von der Berufsberatung der Trierer Arbeitsagentur jedoch nicht bestätigen. "Es gibt keine signifikant höhere Zahl junger Arbeitsloser unter 25", sagt er. In der Statistik könnten Berufsabbrecher sowohl bei den Bewerbern in der Berufsberatung als auch in der Vermittlung von Arbeitslosen auftauchen. Für das Handwerk wird folglich die Berufsorientierung in Form von Praktika immer wichtiger. "Das Handwerk ist keine einfache Tätigkeit", sagt Günther Behr. Er will sich aber nicht auf den Trend verlassen, der sich in den vergangenen Jahren herausgebildet hat: "Bei knapper Lehrlingszahl gibt es viele Abbrüche, bei knappen Ausbildungsstellen halten die Leute eher durch", sagt er. Da nun mehr Bewerber da seien als in anderen Jahren zuvor, müsste die Zahl der Abbrüche laut Behr zurückgehen. Die Kammer sieht auch die Betriebe verstärkt in der Pflicht: "Auch Ausbzubildende befinden sich auf einem Markt. Wer sich zu spät um einen Lehrling kümmert, findet nur noch Bewerber mit schwächeren Voraussetzungen vor oder Bewerber, deren Entscheidung fürs Handwerk die zweite Wahl ist", sagt der Geschäftsführer. Während Großbetriebe meist schon zu Jahresbeginn Ausbildungsverträge abschlössen, erledigten dies kleine Betriebe erst im Juni und Juli abhängig von ihrer Auftragslage fürs nächste Halbjahr. "Das ist nicht Gott gegeben", sagt Behr. Deshalb hat die HWK mit einem "Frühbucherrabatt" für Betriebe bis Ende April bereits 24 Prozent mehr Lehrverträge akquiriert als im Vorjahr: "Der Weiterbildungsgutschein im Wert von 50 Euro sollte Anreiz und Denkanstoß zugleich sein." Lehrlinge, die ausbildungsbegleitende Hilfen benötigen, können sich um einen von 500 Plätzen bei der Arbeitsagentur Trier anmelden, Telefon 0651/205-3333, E-Mail: Trier. Berufsberatung@arbeitsagentur.de