Spätberufen, aber glücklich

Spätberufen, aber glücklich

Unter 300 Ausbildungsberufen können junge Menschen in der Region wählen. In der Serie Ausbildung im Fokus stellt der TV Azubis vor, die durch ihr großes berufliches Engagement und ihren Lebensweg auffallen.

Trier. Als der 35-jährige Anton Prison eine Ausbildung zum Maler und Lackierer begann, schloss sich in seinem Leben ein Kreis. Schon als Jugendlicher wollte er in diesen Beruf, fand jedoch keine Lehrstelle. So nahm er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann auf. Dann starb die Mutter nach schwerer Krankheit. Dieser Schicksalsschlag lastete so schwer auf dem damals 17-Jährigen, dass er als ältestes von sechs Geschwistern die Ausbildung abbrach. Er nahm Gelegenheitsjobs als Hausmeister, Möbelpacker und Monteur an. Über seine Aushilfstätigkeiten kann Anton Prison rückblickend scherzen: Sogar als "staatlich geprüfter Frittenschnitzer" in einer Fastfood-Kette habe er gearbeitet.
Keine Berührungsängste


Der Trierer lernte seine heutige Frau kennen, gründete eine Familie und arbeitete sich hoch: vom KFZ- und Möbel-Monteur über den Montage- und Lagerleiter bis hin zum Personal- und Dispositionsleiter im Speditionswesen. Als die harte Arbeitswoche ihn ausbrannte, suchte er nach Alternativen. Im Sommer 2011 kam die entscheidende Wende.
"Ich erhielt einen Brief der Agentur für Arbeit", berichtet der Vater zweier Kinder. "Der Markt bräuchte Fachkräfte, ob ich nicht eine geförderte Umschulung machen wollte. So habe ich beschlossen, mich zum Maler und Lackierer ausbilden zu lassen."
Sich als Mittdreißiger um eine Lehrstelle zu bewerben, sei sehr schwer gewesen: "Viele Arbeitgeber waren skeptisch, einen lebenserfahrenen Erwachsenen auszubilden." Über einen Bekannten kam er schließlich auf seinen jetzigen Ausbildungsbetrieb, Maler Horn in Konz. Anton Prison ist glücklich, dort lernen zu dürfen: "Inhaber Edmund Schmitt hatte keinerlei Berührungsängste mit einem Ü-30-Lehrling. Die Entscheidung für eine Umschulung in diesem Betrieb war ein Volltreffer."
Lob erhält auch Altgeselle und Ausbilder Nikolaus Winkel, der seit 43 Jahren bei Horn beschäftigt ist: "Bei jemandem lernen zu können, der so reich an Erfahrungen und Wissen ist - das lässt sich nicht mit Gold aufwiegen." Auch im Beruf fühlt Prison sich aufgehoben: "Maler- und Lackierer ist eine vielfältige Arbeit, abwechslungsreich und sehr kreativ. Auf jeder Baustelle warten neue Aufgaben und Herausforderungen. Am Ende hat man etwas geschaffen, das anfangs noch ganz anders aussah. Auch der Umgang mit den Kunden bringt viel Spaß."
In der Berufsschule hat der Spätberufene es nach eigenen Aussagen hingegen schwerer, obwohl er auch dort durchweg gute Leistungen aufweist. Für einen Familienvater sei die Schule anstrengender als die Arbeit auf dem Bau: "Nach der Arbeit, dem ‚normalen\' Familienprogramm und den Hausaufgaben mit den Kindern abends selbst noch für die Schule zu lernen ist nicht einfach. Hier sind die jugendlichen Kollegen im Vorteil."
Gute Förderung


Lehrer und Betrieb würden ihn jedoch optimal fördern, was er sehr zu schätzen wisse. Außerdem habe er ein Ziel vor Augen und schaffe es daher immer wieder, sich zu motivieren: "Der Arbeitgeber will mich nach der Lehre übernehmen. Und wenn irgend möglich, würde ich gerne Malermeister werden", erklärt der heute 36-Jährige. Seinen Fachlehrern habe er auch die Förderung durch die Essener Sto-Stiftung zu verdanken, sagt Prison. Für überdurchschnittlich gute Noten in der Berufsschule und vorbildliches Verhalten im Unterricht habe Prison von der Stiftung einen großzügig ausgestatteten Werkzeugkoffer erhalten.
Bei anhaltend guten Leistungen erwarte ihn zudem ein Bildungspaket zur Prüfungsvorbereitung sowie ein Tabletcomputer. Bei einem Notendurchschnitt von mindestens 2,4 könne er an einem Weiterbildungsseminar der Sto-Stiftung über Förderungsmöglichkeiten und Führungsaufgaben im Handwerk teilnehmen, erklärt der Auszubildende im dritten Lehrjahr.
Zudem wurde er jetzt von der HWK ausgezeichnet. Als "Lehrling des Monats" rät er den Jugendlichen, ihre Chancen zu nutzen: "Als junger Mensch sollte man auf jeden Fall eine Ausbildung machen und sich ordentlich dahinterklemmen. Und alle Umschüler kann ich nur ermutigen, diesen Schritt zuversichtlich anzugehen. Man sollte lieber spät als nie den richtigen Weg einschlagen!" red
Extra

Maler und Lackierer ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach der Handwerksordnung. Diese bundesweit geregelte dreijährige duale Ausbildung mit Fachrichtungen findet in der Regel im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Sie erfolgt in einer der folgenden Fachrichtungen: Maler und Lackierer Fachrichtung Bauten- und Korrosionsschutz, Gestaltung und Instandhaltung, Kirchenmalerei und Denkmalpflege. In der häufig ausgebildeten Fachrichtung Gestaltung und Instandhaltung sind die Azubis im Neubau wie auch bei der Sanierung und Modernisierung von Wohnungen oder Gebäuden tätig. Maler und Lackierer der Fachrichtung Gestaltung und Instandhaltung bereiten die Untergründe vor und bessern Putzschäden an Wänden und Decken aus. Mit den unterschiedlichsten Maltechniken, aber auch mit Tapeten und Dekorputzen gestalten sie Innenräume. Ausbildungsvergütung: Erstes Lehrjahr: 450 Euro Zweites Lehrjahr: 500 Euro Drittes Lehrjahr: 635 Euro Ausbildungsbetriebe im Kammerbezirk: 161 Für 2013 bereits 38 Ausbildungsstellen gemeldet. red

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