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Sparer werden abgezockt

Sparer werden abgezockt

BITBURG. Der mutmaßliche Anlagebetrug durch die Kasseler F & P-Gesellschaft ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Immer mehr Sparer gehen den Abzockern auf den Leim und verlieren dabei oft ihr ganzes Vermögen.

Der 36-Jährige aus der Eifel ist nicht gut auf seinen Anlageberater zu sprechen. "Lump" ist noch das Harmloseste, was ihm für den ehemaligen Bankmitarbeiter einfällt. Zwei Wochen bevor die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) F & P auflöste, hat der Selbstständige noch 60 000 Euro angelegt: "Der Berater muss doch gewusst haben, dass bei der Firma etwas nicht stimmt", ärgert sich der Mann. Dass in Fachblättern schon seit 1992 vor F & P gewarnt worden war, davon habe der Berater ihm nie etwas gesagt. Er sei "etwas blauäugig" gewesen, gesteht der Handwerker aus heutiger Sicht. Für den Tübinger Rechtsanwalt Heinz O. Steinhübel, der einige der über 2000 bundesweit geprellten Anleger vertritt, kamen die Betrugs-Ermittlungen gegen den F & P-Vorstand, ein Ehepaar, keineswegs überraschend. Die Bafin habe dem dubiosen Treiben der Kasseler Gesellschaft zu lange untätig zugeschaut, sagt Steinhübel. Vor allem Ältere, die Geld für die Altersvorsorge angelegt hätten, seien nun betroffen: "Viele stehen am Rande ihrer Existenz." Einige, wie der 36-Jährige, wollten über F & P ihr Haus finanzieren. Grauer Kapitalmarkt boomt

"Das sieht trübe aus", sagt auch Volker Pietsch, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Anlegerschutz ( www.dias-ev.de). Der so genannte "Graue Kapitalmarkt" mit dubiosen Anlagefirmen boome seit die Politik die Bürger zunehmend in die private Altersvorsorge dränge. "Die Riester-Rente ist vielen zu kompliziert. Und weil sie es nicht besser wissen, fallen sie dann oft auf Kriminelle herein." Immer wieder gehen Sparer solchen Abzockern auf den Leim. Auch das Frankfurter Unternehmen Phoenix Kapitaldienst lockte seit Anfang der 90er-Jahre mit hohen Renditen. 30 000 Anleger vertrauten darauf, zahlten schätzungsweise 800 Millionen Euro ein. Nun ist Phoenix pleite. Auch etliche Anleger aus der Eifel haben ihr Geld bei Phoenix verloren. Volker Pietsch glaubt, dass die Phoenix-Pleite "wahrscheinlich der größte Anlagebetrug der Nachkriegsgeschichte" ist. Vor allem die so genannte atypisch "stille Beteiligung", die keiner staatlichen Aufsicht unterliegt, werden gutgläubigen Sparern immer wieder angedreht. Oft haben die Verträge Laufzeiten von bis zu 40 Jahren, ein vorzeitiger Ausstieg ist nicht möglich. Für Klaus Strasser von der Prümer Vermögensberatung Strasser und Wehse sitzen die Schuldigen des F & P-Skandals eindeutig in Kassel. Die seit 15 Jahren bestehende Aktiengesellschaft habe Kundengelder veruntreut, glaubt Strasser. Er und seine Mitarbeiter hätten die Kunden nicht wissentlich falsch beraten. "Wir haben uns auf die Wirtschaftsprüfungsberichte verlassen." Daraus sei hervorgegangen, dass die Gelder gewinnbringend angelegt worden seien. "Wir haben kein Geld unterschlagen", wehrt sich der Vermögensberater. Die Warnungen über F & P hätten sich auf frühere Geschäfte und Geschäftspartner bezogen. Auch hätten er und seine Berater nie eine Provision von 22,6 Prozent pro Vertrag kassiert, "maximal vier, oft sogar weniger". "Wir fühlen uns genauso betrogen wie die Anleger", sagt Strasser. Mittlerweile hat seine Gesellschaft ihren Kunden den Kontakt zu einem Anwalt hergestellt, der ein Sammelverfahren gegen F & P einleiten will. Anlegerschützer warnen jedoch davor, sich durch Anwälte, die von den betroffenen Vermögensberatern gestellt werden, vertreten zu lassen. Dias-Chef Pietsch rät, unabhängige Stellen einzuschalten. Doch viele Geprellte scheuen sich, einen langwierigen und vor allem teuren Rechtsstreit zu führen. Schnell sind über 3000 Euro Anwaltskosten fällig. Der 36-Jährige aus der Eifel rechnet mit 20 000 Euro Prozesskosten. Daher arbeiten gerade bei Anlagebetrug viele Fachanwälte mit so genannten Prozessfinanzierern zusammen. Sie übernehmen alle anfallenden Kosten, sind dafür aber mit 20 bis 30 Prozent am Erlös der Klage beteiligt. In der nächsten Woche soll in der Eifel eine Interessengemeinschaft der F & P-Geschädigten gegründet werden. Betroffene können sich auch im TV-Online-Angebot Intrinet im eigens eingerichteten Forum austauschen: www.intrinet.de/aktuell/anlagebetrug.