Sparkassen legen "Diagnose Mittelstand" vor: Wirtschaft investiert wieder stärker

Sparkassen legen "Diagnose Mittelstand" vor: Wirtschaft investiert wieder stärker

Der deutsche Mittelstand ist robust und solide aufgestellt. Dies geht aus der "Diagnose Mittelstand" hervor, die die deutschen Sparkassen alljährlich vorlegen. Für die vergangenen Jahre wurden dafür fast 350 000 Bilanzen ausgewertet. Eine Überraschung gab es allerdings: Die Personalaufwandsquote ist rückläufig.

Trier. Die Eigenkapitalquote, die Umsatzrentabilität, Gewinne und Verluste sowie auch die Personalaufwandsquote sind Richtwerte, an denen sich die Verfassung der Unternehmen ablesen lässt. 413 Sparkassen in Deutschland haben die Bilanzen ihrer Firmenkunden ausgewertet und sprechen dem Mittelstand ein gutes Zeugnis aus: "Der deutsche Mittelstand ist trotz weltwirtschaftlicher Turbulenzen sehr stabil", heißt es im Abschlussbericht.

Günther Passek, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Trier, kann dieses Urteil für die regionale Wirtschaft bestätigen. "Insgesamt ist die Situation der regionalen Wirtschaftsunternehmen weiterhin sehr solide und zeigt für wichtige Bilanzkennzahlen, dass sich die Region Trier und Trier-Saarburg auf Niveau des Bundesdurchschnitts bewegt und in vielen Teilbereichen sogar besser abschneidet." Lediglich beim Eigenkapital hinke die Region noch hinterher.

Eigenkapitalquote: Der Wert bezeichnet im Gegensatz zum Fremdkapital die Mittel, die Eigentümer in der Firma zur Finanzierung aufbringen oder als erwirtschafteten Gewinn im Unternehmen belassen. Damit lassen sich also Krisen besser beherrschen, Zahlungsverzögerungen oder -ausfälle überstehen oder eben Investitionen tätigen, ohne das Fremdkapital aufgenommen werden muss. Für den Sparkassen-Vorstandschef ist die Entwicklung in der Region gut: "Die Eigenkapitalquote der für unsere Region typischen Mittelständler - Umsätze bis 50 Millionen Euro im Jahr - hat sich auf dem Niveau des Vorjahres stabilisiert." Mit 22,6 Prozent liegt man aber unter dem Bundesdurchschnitt von 25,5 Prozent. Inzwischen weisen 73,9 Prozent der regionalen Firmen Eigenkapital aus, rund ein Viertel der Unternehmen steht ohne Eigenkapital da.

Umsatzrentabilität: Region schlägt Bund - so zumindest bei der Umsatzrentabilität. Denn die sogenannte Umsatzrentabilität oder Umsatzrendite stellt Gewinn und Umsatz in ein Verhältnis. Bei den regionalen Mittelständlern ist sie im Gegensatz zum gesamtdeutschen Trend deutlich gestiegen. Mit 9,4 Prozent liegt sie deutlich über dem Bundesdurchschnitt von acht Prozent.

Unternehmen mit Gewinnen: "Diese Entwicklung ist erfreulich. Der Anteil mittelständischer Firmen aus der Region mit Gewinnen ist im dritten Jahr in Folge gestiegen und liegt mit 84,5 Prozent über dem Bundeswert von 82,9 Prozent", sagt Günther Passek.

Die Aussichten: Auf Basis dieser Daten haben die Experten der 413 Sparkassen in Deutschland aber auch die weiteren Aussichten eingeschätzt. Demnach spiegelt die mittelständische Wirtschaft eine deutlich verbesserte Lage wider. Wichtig sei, dass die Kreditnachfrage für Investitionen steigt, diese Dynamik halte auch 2016 weiter an. Die Erwartungen für den Arbeitsmarkt im laufenden Jahr fielen sehr positiv aus.

Und die Prognose für die Region Trier? Insgesamt sprechen der starke Anstieg der Umsatzrentabilität und das stabile Niveau der Eigenkapitalquote für eine robuste wirtschaftliche Situation des Mittelstandes in der Region Trier, urteilen die Sparkassen-Experten. "Und die Optimisten in der Region sind deutlich auf dem Vormarsch", sagt Passek.
Nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) erwarten 26 Prozent der Befragten bessere Geschäfte, 60 Prozent stabile und lediglich 14 Prozent schlechtere Geschäfte. Damit ist die Gruppe der Optimisten aktuell um zwölf Prozentpunkte größer als die der Pessimisten. Im Herbst 2015 war der Unterschied nur zwei Prozentpunkte zugunsten der Optimisten.Extra

"Das ist schon eine kleine Überraschung", sagt Günther Passek zur Entwicklung bei den Kosten für Mitarbeiter. Die sogenannte Personalaufwandsquote ist 2014 erstmals nach zweijährigem Anstieg wieder auf 17,7 Prozent (2013: 18,3 Prozent gesunken). Das sei bemerkenswert, weil sich im vergangenen Jahr einerseits die Arbeitsmarktlage weiter verbesserte und höhere Lohnsteigerungen vereinbart wurden. Das Arbeitnehmerentgelt stieg mit 3,8 Prozent nochmals einen Prozent stärker als 2013. "Das ist ein Indiz, dass die Wirtschaft die Lohnsteigerungen bei guten Geschäften verkraftet hat", erklärt Sparkassen-Chef Günther Passek. hwExtra

Foto: (g_geld )

Günther Passek (61) gehört seit 1991 dem Vorstand der Sparkasse Trier an (beziehungsweise deren Vorgängerinstitut, der Kreissparkasse Trier-Saarburg) und ist seit April 2016 Vorstandsvorsitzender. hw