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Spezialist für den perfekten Schnitt

Spezialist für den perfekten Schnitt

Wer jemals einen Ast oder Baum mit einer Säge durchgesägt hat, weiß, wie schwer man sich tut, wenn das Sägeblatt hakt. Damit das Werkzeug wie durch Butter schneidet, ist das Material wichtig. Dies ist genau die Spezialität von MPS Sägen in Wasserliesch (Kreis Trier-Saarburg).

Wasserliesch. Wer die unscheinbare Produktionshalle der MPS Sägen GmbH betritt, wird gleich von ohrenbetäubendem Lärm erfasst. Eine Maschine kappt Metallbänder in verschieden große Stücke, eine andere stanzt aus Stahlplatten Sägeblatt-Rohlinge aus, ein Laser bohrt sich durchs Metall: Alles geht sekundenschnell, alles geschieht mit faszinierender Präzision. Ein komplexes Verfahren in mehreren Schritten, das technisches Know-How erfordert.
Produkte made in Wasserliesch


Und mittendrin: Firmenchef Martin Pott. Er lebt sein Metier, schließlich kommt er aus DEM deutschen Sägenzentrum, aus Remscheid (siehe Extra). Dort haben fast alle mit der Metallverarbeitung zu tun. Pott selbst sieht darin seine Berufung: "Mein Anspruch ist es, meine Produkte in Deutschland herzustellen und die Produktion auch hier zu halten", sagt er. So sind vom Metall bis zur fertig verpackten Ware bei MPS alle Produktionsprozesse unter dem einem Dach an der Mosel untergebracht.
Innovation und Tradition: Das schließt sich für den umtriebigen Macher nicht aus. Ob die Metallzähne nach links und rechts verschränkt sind, die Sägeblätter gehärtet, geölt oder bedruckt sind: Die Produktion bei MPS ist vielschichtig. Und doch geht es immer noch ums leichtere Sägen für den Handwerker. In der Lagerhalle lagern rund 200 Tonnen Metallbänder, Bi-Metalle, Schnellarbeitsstahl (HSS-Stahl) und Stahlplatten. Denn ob Stein, Metall, Holz oder Kunststoff durchzusägen sind, jedes Material stellt andere Voraussetzungen ans Sägeblätt, und für jedes Material hat das Wasserliescher Unternehmen ein passendes Werkzeug. "Wir arbeiten mit vielen Handwerkern zusammen, wollen wissen, was sich verbessern ließe und lassen dies auch vom Tüv prüfen", sagt Martin Pott.
Mehere zig Millionen Sägeblätter - für Stichsägen, Säbelsägen, Kreissägen, Lochsägen und Handsägen - werden bereits jährlich in dem Unternehmen im Drei-Schicht-Betrieb von den 60 Mitarbeitern produziert. Die Kunden finden sich in Australien und China, in Südkorea, wo der Umsatz größer ist als in Rheinland-Pfalz, in Russland und Tschechien, aber auch in großen Baumärkten, Profimärkten und bei Sägenherstellern, die die MPS-Sägeblätter ab Werk einbauen.
Auf rund fünf Prozent schätzt Martin Pott inzwischen seinen globalen Marktanteil. Wie stark der kleine Mittelständler Teil der Globalisierung der Wirtschaft ist, zeigt, dass infolge der Ukraine-Krise das Russland-Geschäft um rund 15 Prozent eingebrochen ist. Deshalb will er nun in Deutschland wachsen, bekannter werden.
Dazu gehört laut Martin Pott, immer auf der Höhe der Zeit und der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus zu sein. So ist MPS laut eigenen Angaben das europaweit einzige und weltweit eines von nur zwei Unternehmen, das skellettierte Stichsägenblätter herstellt. Eine patentierte Besonderheit, denn die mit einem Laser herausgestanzten Öffnungen in den Sägeblättern erlauben es, die beim Sägen entstandene Wärme abzuleiten.
Trendsetter fürs Handwerk


Ein Marktvorteil, vor allem, um dem Hauptkonkurrenten und Konzernriesen Bosch ein Schnippchen zu schlagen. "Für uns ist es schwierig gegen eine solche Marktmacht zu kämpfen", sagt Pott. Deshalb versucht er nicht nur anhand von größerer Automatisierung die Produktivität seines Betriebes zu steigern. Mit seinen Mitarbeitern möchte Pott auch Trendsetter sein, mit den Handwerker-Kunden an Problemlösungen arbeiten. So sind nun bereits, neben den Sägeblättern, auch neue Produkte wie die Bits-Produktion etwa für Akku-Schrauber entstanden.
Extra

 Bei MPS ist bereits vieles in der Produktion automatisiert. Mitarbeiter Christoph Thörnig gibt neue Koordinaten in den Computer ein.
Bei MPS ist bereits vieles in der Produktion automatisiert. Mitarbeiter Christoph Thörnig gibt neue Koordinaten in den Computer ein. Foto: (g_wirt )
 Mehrere zig Millionen Sägeblätter werden jährlich in Wasserliesch produziert.
Mehrere zig Millionen Sägeblätter werden jährlich in Wasserliesch produziert. Foto: (g_wirt )

Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis 1987 in eine Remscheider Doppelgarage zurück. Als Industriekaufmann aus dem Industriegebiet Bergisches Land und Handelsvertreter von Sägen weiß Martin Pott seit seinem 16. Lebensjahr, worauf es bei der Vermarktung ankommt. Mit einem Partner zusammen macht er sich selbstständig. 1997 verlegen sie ihren gemeinsamen Betriebssitz nach Wasserliesch. Seit 2002 ist Martin Pott alleiniger Betriebsinhaber. Jährlich erreicht das Unternehmen mit seinen rund 60 Mitarbeitern im Drei-Schicht-Betrieb einen Umsatz von rund neun Millionen Euro mit mehreren zig Millionen verschiedenen Produktteilen. Seinen Umsatz macht MPS zu 55 Prozent im Export, Tendenz steigend, und zu 45 Prozent im Inland. sas