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Stahlwerk weiter im Stand-by-Modus

Stahlwerk weiter im Stand-by-Modus

Gibt es für das Trierer Stahlwerk eine Zukunft? Zumindest die Anfrage eines möglichen Investors beim Bundeskartellamt bringt wieder Bewegung in die verfahrene Lage. Derzeit liegt das Werk im Dornröschenschlaf - kein Betrieb. 17 Mitarbeiter sorgen dafür, dass keine Schäden entstehen.

Rudi Heinz und Roland Wölfl hoffen, dass ein Investor beim Stahlwerk in Trier einsteigt. TV-Foto: Heribert Waschbüsch

Trier. Ende Mai gingen beim Trie rer Stahlwerk (TSW) endgültig die Lichter aus. Endgültig? Nach der jüngsten Entwicklung könnte im kommenden Jahr wieder Stahl im Werk an der Mosel produziert werden. Denn die letzten Meldungen lassen zumindest bei der Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) und dem ehemaligen Betriebsratschef einen Funken Hoffnung aufglühen.
Entfacht wurde die Zuversicht durch eine Anfrage beim Bundeskartellamt (der TV berichtete am Samstag). Die Behörde hat die Anfrage eines baden-württembergischen Unternehmens zur geplanten Übernahme veröffentlicht. Die Mafi-Irion GmbH, die zur Südweststahl AG gehört, hat ein Zusammenschlussverfahren angemeldet.
"Auf den Artikel hin habe ich zahlreiche Anrufe von ehemaligen Kollegen bekommen, und viele sind sogar vorbeigekommen", erzählt der einstige Betriebsratsvorsitzende des Trierer Stahlwerks, Rudi Heinz.
Gemeinsam mit 16 weiteren Kollegen hält Heinz das Stahlwerk in Stand-by-Funktion. "Wir haben hier noch Pförtner, Kollegen, die sich um die Instandhaltung kümmern, Mitarbeiter in der Personalabteilung", sagt Heinz. Vor allem im Winter müssen die Fachkräfte schauen, dass keine Schäden an den teuren Anlagen entstehen.
Er selbst kümmert sich um die Belange der Kollegen, die Ende Mai bei der Stilllegung ihre Kündigung erhalten haben. "Es gibt viele Probleme, mit denen die Kollegen zu kämpfen haben", sagt er. Fragen zur Arbeitslosmeldung, Hilfe bei der Abwicklung der Betriebsrenten oder Lebensversicherungen oder auch einfach nur mal ein aufmunterndes Gespräch - Rudi Heinz hat jeden Tag Kontakt zu den arbeitslosen Stahlwerkern.
Von den einst 300 Mitarbeitern haben viele noch keine neue Beschäftigung gefunden. Im Bereich Trier seien noch etwa 150 ehemalige Mitarbeiter ohne neuen Job. "Und viele aus dem Saarland haben auch noch nichts gefunden. Das sind auch noch mal weit mehr als 50 Kollegen", so Heinz. Bei vielen Ehemaligen kommt nun Hoffnung auf. Auch der Trierer IG-Metall-Chef Roland Wölfl sieht in der jüngsten Entwicklung einen positiven Trend. "Wir wissen nicht, was ein Investor machen will. Aber die Tatsache, dass man eine Übernahme beim Kartellamt anmeldet, ist für mich positiv. Das macht doch niemand, der nur den Laden abwickeln will." Eine Einschätzung, die auch Rudi Heinz teilt. Er glaubt aber, dass es frühestens in einigen Monaten wieder losgehen könnte. "Das geht nicht so aus dem Stand heraus. Und ob ein neuer Besitzer hier gleich volle Suppe anfährt, ist die Frage." Eher sei zunächst ein Zwei- oder Drei-Schicht-Betrieb wahrscheinlich.
Der zuständige Insolvenzverwalter Christoph Schule-Kaubrügger aus Dortmund ist derzeit nicht für Stellungnahmen zu erreichen. Mehrere Anfragen an den Insolvenzspezialisten blieben bisher unbeantwortet.
Der Rechtsanwalt hatte im November 2011 zunächst als vorläufiger Insolvenzverwalter die TSW-Geschäfte übernommen. Im Februar wurde die Insolvenz eröffnet. Dies war binnen weniger Jahre bereits die zweite Insolvenz des Werks. Nach einem Brand 2001 stand das 1971 gegründete Unternehmen schon vor dem Aus. Vielleicht, so hoffen die Betroffenen, gibt es nun doch noch eine Chance für das Werk.