Stahlwerker schüren letzten Funken Hoffnung

Trier · Es gibt derzeit keine Einigung mit Investoren. Diese Mitteilung des Insolvenzverwalters hat den Betriebsrat des Trierer Stahlwerks, Rudi Heinz, und seine Kollegen geschockt. Schließlich wäre dies das Aus für 300 Mitarbeiter. Und dennoch glauben sie an eine letzte Chance.

Trier. Kommt nach 40 Jahren das endgültige Aus für die Stahlproduktion an der Mosel? Nachdem das Trierer Stahlwerk im Februar zum zweiten Mal seit seiner Gründung in den 1970ern einen Insolvenzantrag stellen musste, konnte der Dortmunder Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger bisher noch keinen Käufer an Land ziehen.
Gestern liefen zwischen Insolvenzverwaltung, Betriebsrat und IG Metall erste Gespräche über einen Sozialplan. Das Ziel des Verwalters: Die 300 Mitarbeiter sollen gekündigt werden. Ein Schock für Betriebsratsvorsitzenden Rudi Heinz und seine Kollegen. "Wir glauben weiter an eine Investorenlösung", hält auch der IG-Metall-Chef in der Region Trier, Roland Wölfl, entgegen.
Noch habe man Zeit bis zur Gläubigerversammlung am 27. April, und nach seiner Ansicht stand eine Einigung mit einem Interessenten unmittelbar bevor.
Doch ob dieses letzte Fünkchen Hoffnung ausreicht, den Stahlofen im TSW wieder zu entfachen? "Wir geben nicht so einfach auf", ruft auch Rudi Heinz zur Unterstützung auf. In der kommenden Woche gibt es ein weiteres Gespräch mit dem Insolvenzverwalter über den Interessenausgleich. Gleichzeitig findet die Entscheidung des Insolvenzverwalters auch in der Region Verständnis. "Das Pokern hat ein Ende", sagt der Chef der Arbeitsagentur Trier, Wolfram Leibe. Mögliche Investoren müssten nun Farbe bekennen. Es sei auch wichtig, dass sich die 300 Beschäftigten nun präventiv und aktiv um eine neue Stelle bemühten.
Nach seiner Ansicht ist "ein Drittel der Beschäftigten leicht zu vermitteln". Bei einem zweiten Drittel sei dies mit erheblichem Aufwand möglich und bei einem Drittel durch die vorliegende Qualifikation und das Alter "nicht ganz einfach". Vor allem aber befürchtet Leibe, dass hier "wichtige und gut bezahlte Tarifarbeitsplätze" der Region verloren gehen.
Für die Stadt Trier wäre der Verlust des Stahlwerks ebenfalls ein harter Schlag. Doch auch Oberbürgermeister Klaus Jensen will das Stahlwerk noch nicht aufgeben: "Ziel aller städtischen Aktivitäten bleibt die Wiederaufnahme des Betriebs mit der Übernahme von engagierten und erfahrenen Fachkräften. Der momentane Beschluss muss nicht beinhalten, dass alle Perspektiven ausgeschlossen sind. Wir setzen uns dafür ein, den drohenden Verlust der Arbeitsplätze zu verhindern."
Neben den wichtigen Arbeitsplätzen in der Stadt kämen mit einer Pleite weitere Aufgaben auf die Kommune zu, wie Wirtschaftsdezernent Thomas Egger erklärt: "Sollte sich allerdings kein Käufer finden und der Betrieb nicht fortgeführt werden, besteht für die Zukunft zudem die Gefahr einer Industriebrache."Extra

1971 gründeten Alfred und Walter Rass im Trierer Hafen das Moselstahlwerk. Das Werk beschäftigte 150 Mitarbeiter, und die Walzdrahtkapazität betrug 380 000 Jahrestonnen Baustahl. In den Folgejahren kämpfte das Unternehmen mit mancher Krise, hielt sich aber ganz gut am Markt. Doch durch einen Brand wurde 2001 die Stranggießanlage vollständig zerstört. Davon erholte sich das damalige Moselstahlwerk nicht mehr. Das Unternehmen meldete Insolvenz an. 2002 übernahmen die beiden Söhne von Walter Rass, Ulrich und Christoph Rass, das insolvente Stahlwerk und bauten es als Trierer Stahlwerk aus. In den folgenden Jahren wurden 100 Millionen Euro in die technische Modernisierung des Werks investiert. 2007 verkauften die Rass-Brüder das Unternehmen an die westfälische Pampus-Gruppe. Am 1. Februar 2012 wurde erneut ein Insolvenzverfahren für das Stahlwerk beim Amtsgericht Dortmund eröffnet. hw

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort