Steuererklärung 2013: Holen Sie sich Ihr Geld zurück! (Serie Teil 1)

Steuererklärung 2013: Holen Sie sich Ihr Geld zurück! (Serie Teil 1)

Heute beginnt im Münchener Justizpalast der Prozess gegen den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. Er soll Gewinne aus Kapitalerträgen in der Schweiz nicht ordnungsgemäß angegeben haben. Für den Prozess sind vier Tage angesetzt. Die Öffentlichkeit erwartet gespannt das Urteil. Ein solcher Prozess ist durchaus vermeidbar.

Es gibt es zahlreiche Wege, seine Steuerlast mit legalen Mitteln zu drücken. Ein einfacher Weg, Steuern zu sparen ist beispielsweise, eine Steuererklärung zu machen. Schließlich behält der Staat bei einem Großteil der Arbeitnehmer im Laufe des Jahres zu viel Lohnsteuer ein. Das zeigt ein Blick in die Statistik: In den vergangenen Jahren haben die Finanzämter in Rheinland-Pfalz an 80 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Steuererklärung eingereicht haben, Geld überwiesen - im Schnitt 800 Euro.

Der Stundenlohn für das Ausfüllen der Bögen kann sich also sehen lassen und ein ruhiger Schlaf ist bei dieser Art, Steuern zu sparen, garantiert. "Arbeitnehmer, die sich vor dem Ausfüllen der Bögen drücken, verschenken Geld", sagt Steuerberater Alwin Kort von der Steuerberatungsgesellschaft von der Lahr, Kort & Partner.

Zudem macht es der Staat den Steuerzahlern bei der Abrechnung für das Jahr 2013 leicht: Auf große Änderungen müssen sie sich nicht einstellen. Denn allzu kreativ war die damals schwarz-gelbe Regierung nicht, das Jahressteuergesetz 2013 war am Veto der Opposition gescheitert. Erst Anfang Juni haben die Politiker dann doch einige Steueränderungen im sogenannten Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz verabschiedet.

Auf welche Änderungen sich Steuerzahler für die Abrechnung 2013 einstellen müssen, erfahren sie in der siebenteiligen Steuerserie im Trierischen Volksfreund.

Für das Jahr 2013 zeigt sich der Staat besonders spendabel gegenüber Leuten, die sich ehrenamtlich oder als Übungsleiter in gemeinnützigen Organisationen engagieren. Sie können sich über höhere Freibeträge freuen.
So hat die Regierung den Überleitungsfreibetrag von 2100 auf 2400 Euro angehoben. Bis zu dieser Höhe bleiben Vergütungen sozialversicherungs- und steuerfrei. Ehrenamtliche Helfer in gemeinnützigen Organisationen und Vereinen verfügen nun über einen Freibetrag von 720 Euro (bisher: 500 Euro). Und ehrenamtlichen rechtlichen Betreuern und Pflegern steht ein höherer Betreuerfreibetrag von 2400 Euro zu.

Für 2013 hat die Regierung den Grundfreibetrag auf 8130 Euro angehoben (16.260 Euro bei Zusammenveranlagung). Was zunächst großzügig klingt, hat den Steuerzahlern im gesamten Jahr maximal 24 Euro mehr beschert.

ELStAM

Anfang 2013 hat das digitale Zeitalter in der Finanzverwaltung Einzug gehalten. Die farbige Lohnsteuerkarte ist endgültig Geschichte. Informationen wie Lohnsteuerklasse, Religionszugehörigkeit oder Freibeträge sind nun unter der Steuer-Identifikationsnummer in einer Zentraldatei beim Bundeszentralamt für Steuern gespeichert. Diese Informationen, die sich früher auf der Vorderseite der Lohnsteuerkarte befanden, werden als Elektronische LohnSteuerAbzugs-Merkmale bezeichnet, abgekürzt: ELStAM.

"Steuerzahler sollten unbedingt die unter ELStAM gespeicherte Daten überprüfen", rät Steuerberater Christian Rech vom Steuerberaterverband Rheinland-Pfalz. Mitunter haben sich Fehler eingeschlichen. Die LohnSteuerAbzugsMerkmale finden Arbeitnehmer auf ihrer Lohnabrechnung. Zudem können Steuerzahler im Elster-Online-Portal die gespeicherten Daten einsehen.

Elterngeld

Neue Regelungen gibt es seit 2013 auch für künftige Eltern. Sie müssen anders rechnen, wenn sie Elterngeld beantragen wollen. Entscheidend ist nun das monatliche Bruttoeinkommen in den zwölf Monaten vor der Geburt des Kindes. Davon ziehen die Beamten Steuern und Sozialabgaben mit Pauschalsätzen ab. Bislang war das Nettoeinkommen für die Höhe des Elterngeldes relevant. "Leider aber wird das neu berechnete Nettoeinkommen in vielen Fällen geringer ausfallen als bisher und folglich auch das monatliche Elterngeld", sagt Peter Kauth, Steuerexperte von Steuerrat24.de (mehr dazu in Teil 4).

Elektroautos

Kulant zeigt sich der Staat gegenüber denjenigen, die sich ein Elektrofahrzeug zulegen. Wer bis 2015 ein solches Gefährt erstmals zulässt, muss zehn Jahre keine KFZ-Steuer zahlen. Bislang waren Autos mit Brennstoffzellen fünf Jahre von der Steuer befreit. Die verlängerte Frist gilt auch für alle Fahrzeuge, die seit dem 18. Mai 2011 zugelassen wurden.

Rentner

Die Zahl der Ruheständler, die bei ihrem Finanzamt eine Steuererklärung einreichen müssen, wächst. Von Rentnerjahrgang zu Rentnerjahrgang steigt der prozentuale Anteil der gesetzlichen Rente, der versteuert werden muss. Für Neurentner des Jahres 2013 liegt dieser Anteil bei 66 Prozent. Doch auch wenn Ruheständler eine Steuererklärung abgeben müssen, bedeutet das nicht automatisch, dass sie einen Obolus entrichten müssen. Denn sie können in der Steuererklärung auch eine Reihe an Ausgaben auflisten und so ihr zu versteuerndes Einkommen senken. Mitunter fallen dann nach Abzug aller Kosten keine Steuern mehr an (mehr dazu in Teil 5).

Einzelveranlagung

Von den bislang sieben verschiedenen Veranlagungsformen für Ehepartner haben die Finanzämter einige gestrichen. So entfällt beispielsweise die besondere Veranlagung im Jahr der Heirat. Aus der getrennten Veranlagung wird eine Einzelveranlagung, und gleichgeschlechtliche Paare werden steuerlich wie andere Ehepaare behandelt.

Musterprozesse

Steuerzahler haben auch die Möglichkeit, von anhängigen Verfahren beim Bundesfinanzhof oder Bundesverfassungsgericht zu profitieren. Dazu genügt es, unter Hinweis auf das Aktenzeichen Einspruch gegen den Steuerbescheid einzulegen. "Dieser bleibt dann in dem Punkt so lange offen, bis die Richter geurteilt haben", sagt Josef Ludwig von der Steuerberatungsgesellschaft Ludwig Treuhand GmbH. Entscheiden diese im Sinn der Steuerzahler, können Sie sich mitunter über eine üppige Steuererstattung freuen. Anhängige Verfahren finden Steuerzahler auf der Internetseite des Bundesfinanzhofs. Auf der Seite sollten Steuerzahler Stichworte wie Arbeitszimmer oder Kindergeld eingeben, um die für sie relevanten Urteile zu finden.
Die siebenteilige Steuerserie des Trierischen Volksfreunds führt Sie durch die einzelnen Formulare. Beispielrechnungen und Tipps stellen dabei sicher, dass Sie kein Geld verschenken. Sollten Fragen offen bleiben, können Sie diese am Mittwoch Steuerexperten stellen. Extra: Fristen

Wer eine Steuererklärung machen muss und die Bögen für das Finanzamt eigenhändig ausfüllt, hat dafür bis zum 31. Mai Zeit. Da der Abgabetermin in diesem Jahr auf ein Wochenende fällt, können sich Steuerzahler bis zum 2. Juni Zeit lassen. Wer dieses Datum nicht einhalten kann, sollte beim Finanzamt formlos eine Fristverlängerung beantragen. Lassen Steuerzahler den Termin verstreichen, wird es teuer. Dann können die Beamten die Besteuerungsgrundlage schätzen und Verspätungszuschläge erheben. Steuerzahler, die ihre Abrechnung von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein erstellen lassen, haben mit der Abgabe bis zum 31. Dezember Zeit. In Ausnahmefällen kann diese Frist bis zum 28. Februar 2015 verlängert werden.

Wer hingegen freiwillig die Bögen vom Finanzamt ausfüllt, kann sich dafür komfortable vier Jahre Zeit lassen. Die Steuererklärung für 2013 müssten Sie demnach spätestens bis Ende 2017 beim Finanzamt einreichen. bbr
Extra: Formulare und Unterlagen

Bevor Steuerzahler mit der Abrechnung starten, müssen sie alle Belege wie Lohnsteuerbescheinigungen, Quittungen oder Kontoauszüge sammeln und sich die entsprechenden Formulare organisieren. Für letzteres gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen können Sie die Bögen beim Finanzamt mitnehmen. Wer den Weg scheut, kann die Formulare auch im Internet aufrufen und ausdrucken. Die Bögen finden Steuerzahler online auch für frühere Jahre im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung ( https://www.formulare-bfinv.de/ffw/content.do ). Steuerzahler, die die Bögen lieber am Computer ausfüllen und online ans Finanzamt übermitteln möchten, können Elster nutzen ( www.elster.de ). Dazu müssen sich die Nutzer mit Mailadresse und Steuer-Identifikationsnummer registrieren. Dann das kostenlose Steuerprogramm, das ElsterFormular, herunterladen, ausfüllen und die Daten ans Finanzamt übermitteln. In dem Portal können Steuerzahler auch nachsehen, welche Informationen über sie gespeichert sind. Extra: Wer muss eine Steuererklärung machen?

Arbeitnehmer sind nicht immer verpflichtet, die Bögen für das Finanzamt auszufüllen. Doch in den folgenden Fällen haben Steuerzahler keine Wahl - sie müssen mit dem Finanzamt abrechnen:

- wenn sie 2013 neben dem Gehalt noch weitere Einkünfte von mehr als 410 Euro erhalten haben von denen keine Lohnsteuer einbehalten wurde;

- wenn Steuerzahler in ihren Lohnsteuerabzugsmerkmalen (früher: auf der Lohnsteuerkarte) einen Freibetrag haben eintragen lassen;

- wenn sie Leistungen von mehr als 410 Euro erhalten haben, die dem "Progressionsvorbehalt" unterliegen. Dazu gehören beispielsweise Elterngeld, Kurzarbeitergeld, Mutterschaftsgeld oder Krankengeld;

- wenn Eheleute gemeinsam veranlagt werden und einer Steuerklasse V oder VI hat;

- wenn sie außerordentliche Leistungen wie Abfindungen oder Jubiläumszuwendungen erhalten haben und der Arbeitgeber davon Lohnsteuer nach der Fünftelregelung einbehalten hat;

- wenn sich ein Ehepaar hat scheiden lassen und einer der Partner im selben Jahr wieder geheiratet hat;

- wenn das Finanzamt den Steuerzahler zur Abgabe einer Steuererklärung auffordert.

Nicht-Arbeitnehmer müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn ihr Gesamtbetrag der Einkünfte den Grundfreibetrag von 8130 Euro für Alleinstehende oder 16.260 Euro für Verheiratete übersteigt. Extra: Wer sollte abrechnen?

Für viele Arbeitnehmer rechnet es sich, eine Steuererklärung zu machen - auch wenn sie gar nicht dazu verpflichtet sind. Insbesondere in den folgenden Fällen sollten Sie Ihre Ausgaben detailliert auflisten:

- wenn Ihre beruflichen Ausgaben wie Fahrten zur Arbeit, Arbeitszimmer oder Fortbildungen den Pauschbetrag von 1000 Euro übersteigen. Das ist bereits der Fall, wenn Ihr Weg zu Arbeit mehr als 15 Kilometer beträgt (mehr dazu in Teil 3);

- wenn Steuerzahler 2013 eine Hilfe im Haushalt oder Handwerker beschäftigt haben. Die Ausgaben können sie anteilig bis zu einem bestimmten Höchstbetrag steuerlich geltend machen (mehr dazu in Teil 6);

- wenn die Ausgaben für Sonderausgaben wie Spenden oder Kirchensteuer den Pauschbetrag von 36 Euro für Alleinstehende bzw. 72 Euro für Verheiratete übersteigen;

- wenn Sie nicht im gesamten Jahr sozialversicherungspflichtig angestellt waren. In diesem Fall wird im Verlauf des Jahres nur ein Teil des Werbungskostenpauschbetrags berücksichtigt. Dabei steht jedem Steuerzahler der volle Pauschbetrag von 1000 Euro zu;

- wenn Sie 2013 geheiratet haben;

- wenn Eltern statt Kindergeld die Kinderfreibeträge beantragen wollen. Die Freibeträge gewähren die Beamten jedoch nur, wenn die Steuerersparnis die Höhe des Kindergeldes übersteigt (mehr dazu in Teil 4);

- wenn Sie das gesamte Steuerjahr mit Verlust abschließen. In diesem Fall können Steuerzahler die Verluste mit positiven Einkünften im Vorjahr oder im folgenden Jahr verrechnen;

- wenn von Kapitalerträgen Abgeltungsteuer einbehalten wurde und Steuerzahler ein zu versteuerndes Einkommen von weniger als 15.500 Euro (Alleinstehende) bzw. 31.000 (Verheiratete) erwirtschaftet haben (mehr dazu in Teil 4);

- wenn Sie 2013 hohe Krankheits- oder Pflegekosten hatten. Diese können Sie als außergewöhnliche Belastungen verrechnen (mehr dazu in Teil 2).

- wenn Steuerzahler vergessen haben, Freistellungsaufträge bei ihren Kreditinstituten zu stellen. In diesem Fall können sie sich die zu viel gezahlte Abgeltungsteuer über die Steuererklärung zurückzuholen.

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