Strohwein bleibt verboten

TRIER. In Deutschland darf weiterhin kein Strohwein hergestellt werden. Das hat das Trierer Verwaltungsgericht entschieden. "Notfalls gehe ich vor den Europäischen Gerichtshof", kündigt daraufhin der unterlegene Moselwinzer Ulrich Stein an.

Der promovierte Alfer Biologe und Weinbau-Ingenieur Ulrich Stein kann seinen Frust nur schwer verbergen: "Das ist gegen jede Vernunft." Bis gestern Mittag hatte Stein noch gehofft, dass die Zweite Kammer des Trierer Verwaltungsgerichts dem "Musterbeispiel bürokratischer Verunordnung", wie Stein die deutsche Weinmarkt-Ordnung nennt, einen Strich durch die Rechnung macht. Vergeblich. Die Daumen der Trierer Richter zeigten nach unten; Ulrich Stein darf auch in Zukunft keinen Strohwein herstellen ( Az.: 2 K 2308/03 ).Prämiierter Strohwein von der Mosel

Laut Gerichtssprecherin Heidi Heinen darf deutscher Qualitäts- oder Tafelwein nur dann die Bezeichnung Wein führen, "wenn das Ausgangsprodukt aus frischen oder am Rebstock leicht eingetrockneten Trauben besteht". Davon allerdings könne bei Strohwein keine Rede sein. Wie der Name schon vermuten lässt, wird Strohwein aus Beeren gewonnen, die zuvor bis zu drei Monate auf Stroh oder Schilf gelagert und luftgetrocknet wurden. Dadurch kommt es zu einer deutlichen Geschmackskonzentration. Während Strohweine in anderen europäischen Ländern (Österreich, Italien, Frankreich) munter produziert und sogar nach Deutschland exportiert werden dürfen, ist im Land der Reben und Rüben die Herstellung verboten - wenn auch erst seit gut 30 Jahren. Davor wurde Strohwein auch an der Mosel gemacht. Zum Beweis zauberte Winzer Ulrich Stein vor Gericht einen 34 Jahre alten Zeller Strohwein aus der Tasche - seinerzeit sogar prämiiert von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Schnee von gestern. Heutzutage darf Wein eben nur noch aus frischen oder allenfalls leicht eingetrockneten Trauben hergestellt werden. "Das ist Quatsch", meint Weingut-Besitzer Stein, "die Strohwein-Trauben sind genauso frisch oder eingetrocknet wie die Eiswein-Trauben. Und mehr geschrumpft wie Beerenauslese geht gar nicht." Nur hängen diese Schrumpel-Trauben noch am Rebstock, was erlaubt ist. Schrumpeln auf Stroh dagegen ist verboten, zumindest wenn aus den Trauben Wein gemacht werden soll. Weil diese Logik Otto-Normal-Weintrinker nur schwer verständlich zu machen sein dürfte, und auch der vor Gericht unterlegene Alfer Weinbauer sie nicht versteht, will Ulrich Stein nun weiter klagen - vor dem Koblenzer Oberverwaltungsgericht. Sollte er auch dort abblitzen, will der wackere Winzer "notfalls sogar vor den Europäischen Gerichtshof ziehen". Dass Durchhaltevermögen braucht, wer gegen "bürokratischeVerunordnungen" zu Felde zieht, schreckt Stein nicht ab: "Rotweinanbau an der Mosel war auch über fünf Jahrzehnte verboten, bis er 1987 endlich erlaubt wurde."

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort