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Strom wird nicht billiger

Strom wird nicht billiger

Der Strom wird in nächster Zeit noch teurer. Davon geht der Chef von RWE Rhein-Ruhr Georg Müller aus. Für sozial Schwache soll es künftig Billig-Tarife geben, sagte Müller gestern in Trier.

Trier. Jede andere Antwort wäre überraschend gewesen: "Billiger", sagt Georg Müller, 44, Chef von RWE Rhein-Ruhr, "billiger wird Strom nicht mehr." Die Tendenz bei den Strompreisen gehe eher nach oben, sagt das Vorstandsmitglied des Essener Energiekonzerns bei seinem Antrittsbesuch in der Trierer RWE-Niederlassung. Genauso wenig überraschend die Begründung für die Preisentwicklung: Die Stromerzeugung werde wegen der höher werdenden Kohle- und Gaspreise immer teurer. Auch der größer werdende Anteil alternativer Energien, die aber teurer seien, treibe den Preis nach oben. Und natürlich sei auch die Politik schuld daran. Die Steuern und Abgaben würden weiter steigen. "Die Politik hat es in der Hand, den Strom billiger zu machen", sagt Müller, der im Januar vom saarländischen Stromversorger Energis auf den Vorstandsposten von RWE Rhein-Ruhr wechselte. Die Politik wiederum gibt den Energiekonzernen die Schuld. Sie nutzten ihre Monopolstellung aus, um die Preise nach oben zu treiben. Der Mainzer Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) forderte diese Woche die Macht der Konzerne zu beschränken, um mehr Wettbewerb zu ermöglichen. Auch dann werde der Strom nicht billiger, kontert Müller. Doch die Verbraucher haben die Nase voll von den ständigen Preisanstiegen. Immer mehr wechseln den Anbieter. Auch RWE hat Kunden verloren. Wie viele, das verschweigt Müller. Doch allein die RWE-Tochter, der Billigstromanbieter Eprimo, hat im vergangenen Jahr 90 000 neue Kunden gewonnen. Man habe auf den Kundenverlust reagiert. Seit Anfang des Jahres biete man unterschiedliche Tarife an. Es gebe keinen einheitlichen Tarif mehr für alle. Wer seinen Stromkauf übers Internet abwickelt, der braucht weniger zu zahlen, als derjenige, der Wert auf persönliche Betreuung und das Zuschicken der Abrechnung legt. Auch bestehe die Möglichkeit, für drei Jahre den Tarif festzulegen und so über längere Zeit eine Preisgarantie zu haben. Außerdem biete RWE seit Anfang des Jahres auch "echten" Ökostrom an. Die Erlöse daraus würden, so versichert Müller, komplett wieder in alternativen Energien finanziert. Der RWE-Chef geht davon aus, dass es künftig noch mehr unterschiedliche Tarife geben wird. So überlege der Energiekonzern derzeit auch, den von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel geforderten Sozialtarif für Geringverdiener anzubieten. RWE werde künftig weiter in Kohlekraftwerke investieren. Müller kritisiert, dass das im saarländischen Ensdorf geplante Großkraftwerk, in das das Unternehmen zwei Milliarden Euro investieren wollte, am Widerstand der Bevölkerung gescheitert ist. "Wir brauchen neuen Kohlekraftwerke", sagt der RWE-Chef. Andere geplante Kraftwerkprojekte wie das im westfälischen Hamm liegen laut RWE alle im Plan. An dem Steinkohle-Doppelblock in Hamm mit einer Leistung von 1500 Megawatt beteiligen sich auch die Trierer Stadtwerke trotz Protesten mit 12,5 Millionen Euro. Für Müller "eine richtige Entscheidung".