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Suche nach neuen Nischen

Bankenplatz Luxemburg: Auch am Großherzogtum ist die Krise im Aktiengeschäft und an den Weltbörsen nicht spurlos vorbeigegangen.Foto: Friedemann Vetter
Bankenplatz Luxemburg: Auch am Großherzogtum ist die Krise im Aktiengeschäft und an den Weltbörsen nicht spurlos vorbeigegangen.Foto: Friedemann Vetter
LUXEMBURG. Mit dem Zinssteuerabkommen in der Europäischen Union wird der Spielraum für den Bankenplatz Luxemburg enger. Das weiß auch die Bankenvereinigung ABBL und sucht nach neuen Nischen für profitable Geschäfte. Von unserer Redakteurin <br>SABINE SCHWADORF

Die Lageam Finanzplatz Luxemburg könnte besser sein als sie ist."Bestenfalls Konsolidierung, schlimmstenfalls Regression": Soresümiert François Moes, Präsident der ABBL ("Association desbanques et banquiers Luxembourg"), das vergangene Jahr in seinerBranche. Vor allem im Zinsgeschäft haben die Finanzinstitute imGroßherzogtum Einbußen von bis zu sechs Prozent hinnehmen müssen.Einige, so Moes, hätten ihre Verluste nur durch den Verkauf ihrerAnteile am Finanzdienstleister Clearstream an die DeutscheBörse-Gesellschaft eindämmen können. Einsparungen habe es außerdem durch eine Kostenüberwachung und eine Reduzierung der Belegschaft um bis zu zwei Prozent gegeben. "Es hatte den Anschein, als wenn besonders die deutschen Banken-Töchter davon betroffen waren. Sie wurden vor allem von der Restrukturierung der Muttergesellschaften getroffen - oftmals zu Unrecht", sagt ABBL-Direktor Lucien Thiel. Und die Aussichten für dieses Jahr sind nicht besser. "Der Personalabbau wird voraussichtlich fortgesetzt", so seine pessimistische Prognose.

Dass die Zahl der Banken im Jahr 2002 von 189 auf 177 gesunken ist, ist für Thiel nicht unbedingt der Gradmesser für die Instabilität der Branche. "Die meisten Institute sind durch Fusionen verschwunden. Das wird sich noch verstärken, weil es immer schwieriger für kleine Banken wird, angesichts wachsender Auflagen mitzuhalten", sagt Thiel. Weniger Banken mit Verdienst seien jedoch für den Standort Luxemburg besser als mehr Banken, von denen einige ums Überleben kämpften.

Verhalten positiv bewertet die ABBL die Aussichten für dieses Jahr. "Einige Unsicherheitsfaktoren, die das Wachstum in den vergangenen Monaten belastet haben, sind verschwunden", sagt François Moes. Neben dem Irak-Krieg sei dies das Abkommen über eine einheitliche Zinsbesteuerung innerhalb der EU gewesen. Doch damit wird der Spielraum für den Bankenplatz Luxemburg enger. "Wir müssen unser Angebot weiter entwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben", sagt der ABBL-Präsident. Die Nischenpolitik, die die Banken bislang betrieben, basiere auf nationalen Freiheiten, stellt Direktor Thiel klar: "Diese werden immer geringer." Vorteile wie geographische Lage, Sprachenvielfalt und 30-jährige Erfahrung im Finanzgeschäft seien allerdings Wettbewerbsvorteile.