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Sven Herzog - Der tiefe Fall einer schillernden Unternehmerpersönlichkeit

Trier. Sein Name kannte vor Jahren in der Region fast jeder: Sven Herzog. Der ehemalige Unternehmer und Radio- und Fernsehchef wurde am Dienstag vom Trierer Amtsgericht wegen nicht bezahlter Sozialabgaben verurteilt. Bernd Wientjes

Trier. Er ist leise geworden. Man muss im Gerichtssaal schon genau hinhören, um Sven Herzog zu verstehen. Der 46-jährige Trierer war einst eine schillernde und allseits bekannte Unternehmerpersönlichkeit. Am Dienstag wurde er wegen nicht bezahlter Sozialbeiträge zu einer Geldstrafe verurteilt. Ein tiefer Fall eines Selfmade-Unternehmers. Heute lebe er von 1500 Euro, die er als Mitarbeiter einer Marketingagentur in Saarbrücken verdiene, sagte Herzog.

Mit 20 habe er sich selbstständig gemacht, Handys und dafür Verträge verkauft. Innerhalb kurzer Zeit verdiente der gelernte Datenkaufmann damit richtig viel und baute ein kleines Firmenimperium mit mehreren Filialen auf. Seine Firma ging an die Börse und wurde Namensgeber der Trierer Bundesliga-Basketballer. Doch 2001 musste er Insolvenz anmelden. Dabei habe er "alles verloren", so der Ex-Unternehmer am Dienstag vor dem Trierer Amtsgericht.

Kurz danach stieg Herzog ins Fernsehgeschäft ein, gründete den Sender Antenne West und den Werbevermarkter Regie 1. Als die RTL-Muttergesellschaft ihm 2009 untersagt habe, mit Regie 1 weiter Werbung für den damals noch in Luxemburg existierenden deutschsprachigen Sender RTL Radio zu verkaufen, seien die Haupteinnahmen weggebrochen, auch beim Radio- und Fernsehsender sei dann der Umsatz eingebrochen. Auf über fünf Millionen Euro beziffert Herzog die damaligen Schulden. Ein Investor sei eingestiegen, der, so Herzog, bis zum Schluss bis zu 500 000 Euro in die beiden Unternehmen gepumpt habe. Doch als dann Mitte 2009 die ehemalige Telekomtochter Media Broadcast, bei der Herzog die Übertragungstechnik angemietet hatte, ihm den Sender abgeschaltet hatte, weil wiederholt die monatlichen Kosten von rund 20 000 Euro nicht gezahlt worden waren, musste er den Sendebetrieb einstellen und im November 2009 Insolvenz beantragen.
Wie schlimm es um die beiden Herzog-Unternehmen wirklich stand, sagte Insolvenzverwalter Hans-Albrecht Brauer aus Daun. Beim Sender Antenne West hätten die Forderungen der über 100 Gläubiger bei einer Million Euro betragen und das bei einem vorhandenen Vermögen von gerade Mal 24 000 Euro. Bei Regie 1 hätten 70 Gläubiger rund 600 000 Euro verlangt bei einer Masse von noch 46 500 Euro.
Ursprünglich war Herzog wegen Insolvenzverschleppung angeklagt worden. Doch bereits zu Beginn der Verhandlung machte Richter Ulrich Kasel klar, dass es schwer sei, den genauen Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit festzustellen. Herzogs Verteidiger, Otmar Schaffarczyk und Jan Christians, beantragten daraufhin, die Anklage in diesem Punkt fallen zu lassen und den ehemaligen Unternehmer nur wegen nicht bezahlter Sozialabgaben für ehemalige Mitarbeiter in Höhe von 1500 Euro zu verurteilen. Oberstaatsanwalt Wolfgang Bohnen ging darauf ein und forderte eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen von je 40 Euro. Der Richter milderte das Urteil auf 90 Tagessätzen von je 30 Euro ab.