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Tagung in Trier: Verband der Köche macht mit einem Zug durch die Innenstadt auf mangelnden Nachwuchs aufmerksam

Tagung in Trier: Verband der Köche macht mit einem Zug durch die Innenstadt auf mangelnden Nachwuchs aufmerksam

Rund 500 Köche aus Deutschland und dem benachbarten Ausland tagten am Wochenende unter dem Motto „Schwarzes Tor trifft weiße Zunft“ in Trier. Dabei feierten sie unter anderem im Dom das Fest ihres Schutzpatrons Laurentius und machten mit einem Demonstrationszug von der Porta zum Dom auf den Nachwuchsmangel in der Branche aufmerksam.

Die Suche gestaltet sich schwierig: "Es gibt keine eindeutige Zahl, wie viele Köche es in Deutschland gibt", sagt Deborah Schumann vom Verband der Köche (VKD) und verweist auf das Statistische Bundesamt, wo 2013 genau 443.296 sozialversicherungspflichtige Köche und Helfer registriert sind. "Bei dieser Zahl aber fehlen die Patrons, also die Inhaber der gastronomischen Betriebe."

Ebenso schwierig ist die Bestimmung der Zahl der Köche in der Region Trier. "Im Bezirk der IHK Trier waren im gleichen Zeitraum im Gastgewerbe 7037 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte gemeldet." Genauer sind da die Zahlen bei den Auszubildenden: "Bundesweit gab es laut DIHK im vergangenen Jahr 23.029 Azubis, in Rheinland-Pfalz waren insgesamt 9.246 Auszubildende im Beruf Koch/Köchin gemeldet."

Was auf den ersten Blick nicht so dramatisch aussieht, bereitet der Gastronomie aber arge Bauchschmerzen. Denn bei jungen Menschen scheint der Beruf des Kochs im Augenblick nicht sehr gefragt zu sein. Das macht VKD-Präsident Andreas Becker, Küchenchef bei den Vereinigten Hospitien in Trier, am eigenen Betrieb deutlich: "Die Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz sind dramatisch zurückgegangen. Noch 2010 hatte ich 70 Bewerbungen. Im vergangenen Jahr waren es noch vier und in diesem Jahr nur noch drei."

Doch was sind die Gründe dafür? Andreas Becker bemüht sich um Spurensuche: "Jeder will heute studieren, dazu kommt, dass auch die Arbeitszeiten in der Gastronomie etwas schwieriger sind. Dazu kommt, dass der Beruf des Kochs nichts mit der Tätigkeit eines Fernsehkochs gemein hat. Das ist nicht so locker und easy, wie das im Fernsehen aussieht. Der Beruf ist anstrengend, hat viele Richtlinien und Vorschriften, an die man sich halten muss." Für rund 6.000 Jugendliche waren in 2013 diese Anstrengungen zu hoch, sie haben ihre Ausbildung abgebrochen.

Eine mögliche Ursache mag in dem ein oder anderen Fall auch der zuweilen etwas raue Umgang in der Küche gewesen sein. Der VKD weiß um solche Einzelfälle, versucht gezielt gegenzusteuern. "Wir sind kein Tarifpartner, darum ist unser Handlungsspielraum eingeengt. Wir können jedoch auf Missstände hinweisen. In einigen Regionen gibt es Kooperationen mit Berufsschulen und einen Austausch mit Berufsschullehrern, um Jugendliche in qualifizierte Betriebe zu vermitteln. Entsprechende Kontrollen müssen aber immer von der IHK durchgeführt werden."

Im Bemühen um den Nachwuchs bietet der VKD, in dem rund 10.000 Mitglieder organisiert sind, auf regionaler Ebene Praktika in Betrieben oder Kochkurse für Kinder an, nimmt an Ausbildungsbörsen teil und entsendet auf Wunsch Köche-Botschafter an Schulen. Vorstellen kann man sich aber auch, dass möglicherweise entsprechend interessierte Flüchtlinge sich hier eine berufliche Perspektive aufbauen könnten. Und wie würde Andreas Becker einem Jugendlichen den Beruf des Kochs schmackhaft machen? Da muss er nicht lange überlegen: "Es ist der geilste Beruf der Welt, man kann weltweit arbeiten. Man hat so viele Möglichkeiten sich zu entfalten und zu entwickeln, jeden Tag gibt es etwas Neues - ich kann mir keinen besseren und abwechslungsreicheren Beruf vorstellen."

Dem kann Deborah Schumann nur zustimmen: "In diesem Beruf haben auch Haupt- und Realschüler ihre Chancen; es gibt schnelle Aufstiegsmöglichkeiten in Führungspositionen und wer sich spezialisiert kann sein Einkommen verbessern."

Extra Der Verband der Köche Deutschlands ist in neun Landesverbände aufgeteilt. Die 145 Zweigvereine gehören jeweils einem Landesverband an. Zum VKD-Landesverband West zählen die elf Zweigvereine aus den Regionen Mainz, Mosel, Nahetal, Südpfalz, Saarland, Trier, Mannheim, Koblenz, Rhein-Ahr und Südwestpfalz. Insgesamt hat der Landesverband West rund 900 Mitglieder. Seit kurzem betreibt der Landesverband eine eigene Regionalmannschaft aus den Reihen der Köche-Jugend.