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Tante Emma gibt's kaum noch: Nur noch halb so viele Bäcker und Metzger auf dem Land

 ARCHIV - Blick auf den geschlossenen Dorfladen in Lübars (Kreis Jerichower Land, Sachsen-Anhalt), aufgenommen am 28.12.2009. Die Nahversorgung ihrer Bürger in ihren Orts- und Stadtteilen bereitet einer steigenden Zahl von Kommunen Sorge. Die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel sind vielfach so, dass konventionelle Versorgungskonzepte kaum noch funktionieren. Foto: Jens Wolf/dpa (zu dpa lhe-Vorausmeldung: „Suche nach sicherer Nahversorgung in Stadt und Land“ vom 03.11.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Blick auf den geschlossenen Dorfladen in Lübars (Kreis Jerichower Land, Sachsen-Anhalt), aufgenommen am 28.12.2009. Die Nahversorgung ihrer Bürger in ihren Orts- und Stadtteilen bereitet einer steigenden Zahl von Kommunen Sorge. Die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel sind vielfach so, dass konventionelle Versorgungskonzepte kaum noch funktionieren. Foto: Jens Wolf/dpa (zu dpa lhe-Vorausmeldung: „Suche nach sicherer Nahversorgung in Stadt und Land“ vom 03.11.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Jens Wolf (dpa-Zentralbild)
Trier. Immer mehr Orte in der Region Trier sind ohne einen Lebensmittelladen oder ein Geschäft mit Produkten des täglichen Bedarfs. Eine Untersuchung der beiden Wirtschaftskammern zeigt: Es gibt trotz mancher Hoffnung keine Renaissance des Tante-Emma-Ladens, viele Dörfer bluten aus. Sabine Schwadorf

Ist das Landleben dröge? Schaut man sich die Situation der Nahversorgung an, so zeigen die jüngsten Zahlen der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK) Trier ein düsteres Bild. Von 544 erstmals umfangreich befragten Gemeinden (außer dem Oberzentrum Trier sowie den Mittelzentren Bitburg, Prüm, Daun und Wittlich) gibt es in gut zwei Dritteln der Orte auf dem Land keine ausreichende Nahversorgung mehr.

Wer frische Brötchen will, Wurst vom Fachgeschäft essen mag und knackiges Gemüse kochen möchte, hat nur noch in jedem zehnten Ort der Region eine "zufriedenstellende Nahversorgung", sagt IHK-Geschäftsführer Matthias Schmitt. Dazu gehören die fünf elementaren Nahversorger wie Bäcker, Metzger, Drogerie, Tankstelle oder Supermarkt. Immerhin einen Laden gibt es noch in 185 Gemeinden. Schaut man sich die Entwicklung jedoch an, so hat sich die Lage im Vergleich zu vor gut 20 Jahren in mehr als der Hälfte aller Ortschaften teils erheblich verschlechtert. In nur acht Prozent der Fälle ist es besser geworden.Kein Comeback für Tante Emma


Und es zeichnet sich auch keine Besserung ab. So wird sich die Nahversorgung auf dem Land weiter verschlechtern. "Auch wenn es punktuell mal einen neuen Laden geben sollte. Es wird kein Comeback des Tante-Emma-Ladens geben", sagt IHK-Handelsreferentin Stephanie Illg-Kollmann.

In den 185 Orten mit wenigstens einer Verkaufsstelle sind diese zum größten Teil noch mit einem Handwerk besetzt. "Ob Bäcker oder Metzger - die meisten haben ihr Sortiment um Konserven, Mehl, Getränke oder regionale Produkte erweitert und versuchen eine Grundversorgung zu ermöglichen", sagt HWK-Abteilungsleiter Matthias Schwalbach. Und dennoch geben immer mehr Nahrungsmittelhandwerker ihre Betriebe auf: So gibt es zwar noch 113 selbstständige Bäckereien in der Region, das sind jedoch 23 Prozent weniger als vor zehn Jahren und 48 Prozent weniger als vor 20 Jahren.

Ein ähnliches Bild bei den Metzgereien: Sind es heute noch 135 Betriebe in der Region, so sind dies 26 Prozent weniger als 2004 und 44 Prozent weniger als vor 20 Jahren. Für das Ladensterben im Lebensmittelhandwerk gibt es vor allem eine zentrale Ursache: "Neben der Abwanderung von Kunden in Supermarkt und Discounter ist der Fachkräftemangel ein gigantisches Thema und damit verbunden die fehlenden Betriebsnachfolger", sagt Schwalbach. Die Betriebe bräuchten eine Mindestgröße, um rentabel zu arbeiten. Und dies erfordere große Investitionen, die viele scheuten. So wird die Konzentration im Lebensmittelhandel anhalten: "Es kann sogar zu Engpässen kommen", warnt Schwalbach.

Die Kammern appellieren an die Verbraucher, "ihre Marktmacht und Verantwortung zu nutzen und in den vorhandenen Geschäften ihren Einkauf zu machen", sagt Matthias Schmitt. Sonst drohe eine Verödung des ländlichen Raums. Es gebe zwar kein Patentrezept zum Erhalt der Nahversorgung auf dem Land, allerdings sei es wichtig, Kommunen, Betriebe und Kunden zu sensibilisieren. "Wer Qualität aus der Region will, muss auch dort einkaufen", sagt Schwalbach. Den Betrieben rät er, neben Ausbildung und regionalen Dachmarken auf neue Wege im Verkauf zu setzen: "Verkaufswagen, Internethandel oder Vorbestellung per E-Mail: Es gibt mehrere Wege, ins Gespräch zu kommen."Extra

Schaut man sich die einzelnen Kommunen in der Region Trier an, so sieht die Situation im Eifelkreis Bitburg-Prüm mit seinen vielen kleinen Gemeinden am brenzligsten aus. Entsprechend der ermittelten Umfragewerte gibt es nur in jedem vierten Ort noch eine Art Einzelhandelsgeschäft, meist mit "rudimentären Versorgungsstrukturen", wie die Kammern es bezeichnen. Für eine ausreichende Grundversorgung reichen diese nicht aus. Supermärkte gibt es nur wenige. Im Vulkaneifelkreis hat sich die Nahversorgung bei 45 Prozent der befragten Ortsbürgermeister verschlechtert. Nur 30 Prozent der Orte haben noch ein Geschäft. Die Talsohle scheint erreicht zu sein, denn die Nahversorgung wird sich weder besonders positiv noch negativ entwickeln. Im Kreis Bernkastel-Wittlich haben zwar 60 Prozent der Gemeinden keine Nahversorgung mehr vor Ort. Allerdings stechen hier einzelne größere Gemeinden wie Traben-Trarbach, Thalfang oder Morbach heraus, die gut ausgestattet sind. Dennoch rechnen auch diese Gemeinden in Zukunft mit einer schlechteren Nahsorgung. Im Kreis Trier-Saarburg sind zwar in 57 Prozent der Orte Bäcker, Metzger oder Supermarkt vorhanden, allerdings rechnen mehr als die Hälfte der befragten Bürgermeister mit weiteren Schließungen. Einzig in der Verbandsgemeinde Schweich gehen die Orte per Saldo künftig von einer leicht besseren Versorgungslage aus. sas